Drillzeiten kurz halten: Wieviel Druck ist möglich?

Hier können Fragen und Anregungen rund um das Gerät zum Fliegenfischen ausdiskutiert werden.
Benutzeravatar
Bernd Ziesche
...
Beiträge: 3060
Registriert: 20.09.2006, 14:49
Wohnort: am Fischwasser
Kontaktdaten:

Drillzeiten kurz halten: Wieviel Druck ist möglich?

Beitrag von Bernd Ziesche »

Hallo allen!

Das Thema Catch & RELEASE wird immer aktueller.

Die oberste Grundlage für das erfolgreiche Zurücksetzen eines Fisches sollte stets die gute Überlebenschance sein.

Von erheblicher Bedeutung hierbei ist die Dauer des Drills.

Kürzlich war ich in Spanien für einen Wurfkurs zusammen mit einem anderen Instruktor. Dieser hielt eine klasse Demo zum Thema Druck ausüben mit der Fliegenrute.

Die meisten von uns halten ihre Fliegenrute im Drill senkrecht gen Himmel.
Wenn man nun eine Federwaage an das Vorfach hängt, so stellt man fest, dass man mit einer Rute für Schnurklasse 4 fast den gleichen Druck ausüben kann, wie mit einer Rute für Schnurklasse 7!

Wieviel Druck kann man auf die Federwaage ausüben?
Ca. 380-450 Gramm. Mehr ist nicht machbar.

Jener Instruktor zeigte eindrucksvoll, wie man selbst eine 1 Liter Flasche Wasser (gefüllt) nicht über den Rasen schlittern kann. Man bekommt sie nicht bewegt.

Es sei denn, man senkt die Rute ab, kippt die Rutenspitze der Flasche etwas entgegen und hält das Handgelenk und den Unterarm inaktiv. Nun übt man mit dem ganzen Körper Druck aus. Auf diese Weise (am besten geht man rückwärts) kann man a) erheblich konstanter Druck ausüben und b) nutzt man die Kraftreserven des Unterteils der Fliegenrute. Und genau hier kommen auch die Unterschiede der zwei Ruten etwas stärker zur Geltung.
Mit letzterer Methode kann man die Federwaage schon deutlich bis über einen Kilo belasten (also mehr als doppelt so stark).
Die Flasche kommt ins Rutschen ;) .

Um effektiv zu drillen, empfiehlt sich das Gewicht zu verlagern. Man wechselt die Seite und übt mal links und mal rechts Druck aus. Dabei die Rute möglichst flach halten.

Natürlich, wenn die Forelle durch den Blasentang marschiert, ist auch mal die Rute nach oben gefordert. In dieser Phase bekommt man die Forelle nicht so schnell müde. Sobald wieder die Chance besteht, seitlich Druck ausüben!

Fazit:
1. Den Druck flach übers Wasser (horizontal) ausüben!
2. Den Druck ständig von einer Seite zur anderen verlagern (entgegengesetzt der Bewegungen des Fisches).
3. Mit der Kraft des Unterteils arbeiten.
4. Den Druck konstant ausüben, was am besten aus dem Körper heraus kommen sollte.

Und ganz wichtig: Viele Fische gehen verloren, weil zu wenig Druck auf den Haken ausgeübt wird, und er rausspringt.
Obig beschriebene Vorgehensweise ERHÖHT den Fangerfolg.
Man sollte insgesamt die Ruhe bewahren, besonders in der Endphase nicht hitzig drillen. Dies bedeutet nicht, besonders sanft zu drillen!

Gruß
Bernd

p.s. Vor jener Demo wollte übrigens niemand glauben, dass der Unterschied zwischen der 4er und 7er Rute unerheblich ist, was den Druck im Drill anbelangt (solange man die Rute konstant senkrecht führt).
Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 19.03.2010, 10:39, insgesamt 2-mal geändert.
www.first-cast.de
Fliegenfischerschule
Mefokalle
...
Beiträge: 185
Registriert: 03.12.2007, 20:42

Beitrag von Mefokalle »

Danke für die interessante Schilderung!
Das bestätigt dass, das was viele Fliegenfischer bestimmt schon automatisch tun, nämlich die Rute seitlich zu halten, wirklich seine Berechtigung hat, aber das es so viel ausmacht!!!
Hut ab! :+++:
Ein echter Rostocker wärmt sich am Eisblock!
Benutzeravatar
georg.h
...
Beiträge: 35
Registriert: 08.08.2008, 13:35
Wohnort: aus dem schönen Lammertal
Kontaktdaten:

Beitrag von georg.h »

Hallo Bernd,

Tolle Sache! Es ist wichtig beim Drill den Fisch immer in eine andere Richtung zu bringen um so den Fisch möglichst schnell wieder Releasen zu können!

Aber das Wichtigste dabei ist die VORFACHSTÄRKE!!!!

Denn nur mit einer geeigneten Vorfachstärke kann man einen Fisch schnell und erfolgreich Drillen!

Schöne Grüsse Georg
schöne grüsse georg


----------------------------------------
du kannst nie zweimal denselben Fluss betreten.
ChristianD

Beitrag von ChristianD »

Das die Rutenklasse den Druck kauf den Fisch nicht beeinflusst, wage ich mal ganz deutlich zu bezweifeln. Häufig spielt der Schnurdurchmesser eine Wirkungsgröße ....Und wer hält seine Rute im Drill schon senkrecht???? :q: Allein die Biegekurve verändert den Winkel, wenn auch im Drill unbemerkt.

Ich möchte möchte meine langjährige Erfahrung in der Karpfenanlgerszene zum Ausdruck bringen. Es gehört bei dieser Fischart zu einem Kardinalfehler, zuviel Zugbewegung durch ständige Veränderung der Blankarbeit in den Drill zu legen. Karpfenmäuler sind definitiv stabiler gebaut, als die der MeFos (liegt an der Nahrung: Muscheln, Krebse).Nun der Maulbereich der Mefo: Tatsächlich...deutlich filigraner. Das deckt sich nahtlos mit den meinerseits gemachten Erfahrungen im Flifi-Bereich (insbesondere im Mefo-Bereich). Ein Haken, der unterschiedlich bewegt wird, arbeitet im Fischmaul. Ein arbeitender Haken trägt umso mehr dazu bei, "Löcher" zu produzieren. Der sichere Sitz des Hakens wird gemindert, da er mehr Spiel bekommt.
Und ganz wichtig: Viele Fische gehen verloren, weil
... man den Haken zu sehr im Fischmaul arbeiten lässt. Und denselbingen zu dünndrähtig wählt.
Zuletzt geändert von ChristianD am 18.03.2010, 19:17, insgesamt 3-mal geändert.
Benutzeravatar
Ulf
Flyfishing infected
...
Beiträge: 504
Registriert: 17.09.2009, 09:40
Wohnort: 37077 Göttingen
Kontaktdaten:

Beitrag von Ulf »

Hallo Bernd,

ist schon interessant was du da schreibst.

Eine Colaflasche die gefüllt auf dem Boden liegt, gibt aber mehr Widerstand als ein Kilo (Reibung usw). Ist sie einmal in Bewegung, kann man sie leichter ziehen, als bis zu dem Punkt, bis sie denn mal in Bewegung kommt.

Auch die Haltung der Rute. Senkrecht in den Himmel und im rechten winkel zum Fisch auch seitlich ergibt genau den gleichen Druck. Rute mit gespannter Schnur etwas zum Fisch gerichtet, sagen wir mal 45° und Rute nach oben gerichtet, auch hier 45° ergibt auch den gleichen Druck, da der Zug im 45° Winkel gleichmäßiger über die Rute Verteilt wird, somit auch bis in die "Butt Section", so dass du damit mehr Druck ausübst, mit dem Vorteil weniger Schnur im Wasser zu haben, mit dem Nachteil, den Sprung des Fisches zu provozieren.
Die Rute seitlich zu halten, also knapp über der Wasseroberfläche, ergibt den Vorteil den Fisch steuern zu können, da der Fisch gegen den Zug der Schnur schwimmt; Rute nach links, Fisch geht zu 80% nach rechts und umgekehrt. Das funktioniert aber nur, wenn der Fisch ruhig seine kraftvollen Bahnen zieht. In der Endphase des Drills macht das häufige ändern der Rutenposition Sinn, um den Fisch aus dem Gleichgewicht zu bringen, was ihn dann schnell ermüden lässt.

Und das:
Auf diese Weise (am besten geht man rückwärts)
macht man auch nur, um den o.g. 45° Winkel beizubehalten, und nicht die Rute nach hinten zieht, da dann der stärkste zug in der Rute verpufft.

Machet jut


edit:
Ich möchte möchte meine langjährige Erfahrung in der Karpfenanlgerszene zum Ausdruck bringen.
Da kann ich mich anschließen. Ich habe genug fische um die 14-15kg gefangen, hab oft genug dabei gestanden wie fische mit 15, 20 oder sogar einer mit 25kg gefangen wurde. Keiner und auch ich nicht bringt die Rute in die von dir beschrieben Position um mehr druck ausüben zu können, eher um den Fisch zu lenken. Ganz alleine der Winkel der Rute zum Fisch bestimmt den Druck, und nicht ob du die Rute Seitlich oder nach oben ziehst.
Grüße

Ulf

Catch & Release if you want!

www.goeff.de
Benutzeravatar
CDC-Dun
...
Beiträge: 389
Registriert: 22.01.2007, 16:37
Wohnort: Unterfranken

Beitrag von CDC-Dun »

Hej,

dass mit den Karpfen ist ein gutes Beispiel.
Aber wann haben wir mal eine Forelle von über 10 kg???
Ich denke Bernd´s Anliegen geht eher dahin das wir die Fische die wir fangen möglichst schnell ausdrillen um den Fisch nach dem releasen eine entsprechend gute Überlebenschance zu geben.
Ich verstehe das so im Drill das Gerät, sprich Vorfach, daß ist das schwächste Glied in der Kette an die maximale Belastung zu bringen. Die Drillzeit sollte so kurz wie möglich gehalten werden. Da kann es nicht sein das eine 70er Meerforelle mal 50 Meter Schnur nimmt. Ich denke das Hauptproblem bei vielen Anglern ist das fehlende Vertrauen in die Ausrüstung. Man sollte wirklich mal versuchen über die Rute ein Vorfach zu sprengen. Klar ist es auch richtig das im Wasser eine ganz andere Situation herrscht als auf dem Trockenen. Das nasse Vorfach hat nicht mehr die Tragkraft wie trocken, die Reibung des Wassers an Vorfach und Fliegenschnur erzeugen eine andere Belastung, als wenn sie linear auf das Vorfach wirkt. Die Belastung beim Sprung ist auch ganz anders.
Für mich ist der entscheidende Faktor die Vorfachspitze, meiner Meinung liegt man immer auf der sicheren Seite wenn man die Tragkraft des Vorfaches an die zu erwartende Fischgröße anpasst. Ich rechne immer mit großen Fischen, also fische ich meist 0,29mm Fluocarbon. ;)

Wenn ich dann an die Fischerei im Bach denke sind da ganz andere Gegebenheiten. Halte ich den Fisch schön in der Strömung so kann ich die Drillzeit fast unentlich, bzw. bis der Haken ausschlitzt verlängern, deshalb immer so schnell wie möglich versuchen den Fisch aus der Strömung zu bringen und dies gelingt am besten durch die seitliche Verlagerung des Zuges, wie sie Bernd beschrieben hat.

Gruß
Stefan :wink:
tubefly77

Beitrag von tubefly77 »

@ Christian und Ulf:


Rutenspitze gen Fisch!!!! Somit Max Druck! Wenn ich dann die Rolle Blockiere kann ich genau soviel Druck ausüben wie die Schnur hält!

Bei senkrechter Rutenstellung ist mir die ,,Federung" der Rute in die Quere.

Ihr mögt ja schon x große Karpfen gefangen haben, aber wie viele Großsalmonieden ü 5kg? Da gibt es sicher gewaltige unterschiede!!!
Ich selber hab füher auch Karpfen gefischt und weiss das der Drill nichts miteinander zu tun hat.


Bernd hat in seiner Ausführung ganz recht, diese versuche mit Waage hab ich auch gemacht.

Guides am Cascapedia bringen Fische mit dieser ,,Rute runter" Methode fi aus ihren Standlöchern. Das wasser ist dort glasklar und mann kann sehen wie die Fische reagieren. Mit aufgestellter Rute nämlich gar nicht, da nicht genug Druck!!
Rute runter zurück gehen und schnur spannen................

;Mawill
ChristianD

Beitrag von ChristianD »

Mawill, darin sind wir uns ja hier alle einig. Wobei ich bei den Kräfteverhältnissen der Fische gewillt bin, dir zu widersprechen. Wie du vielleicht den vorhergehenden Postings entnehmen kannst, ist unser Anliegen ein anderes, nämlich das von Bernd propagierte häufige Wechseln der Zugrichtung:
Man wechselt die Seite und übt mal links und mal rechts Druck aus.
Das ist aus physikalischer Sicht (betrachtet auf die Arbeit des Hakens im Fischmaul)vor dem Hintergrund des Landens eines Fisches kontraproduktiv. Ein Haken der bewegt wird, arbeitet. Ein arbeitender Haken im Fischmaul schafft sich Platz.

Die Rutenspitze hält mit Sicherheit so gut wie niemand im Rechten Winkel im Drill. Da spielt Intuition und spontanes Gefühl für das Erfassen von Situationen im Drill die entscheinde Wirkung. Daher finde ich, das Bernds Posting mit Ausnahme der Richtungsänderung im Drill wenig bis keine Neuerungen mit sich bringt.

Reden wir eigentlich über die Stillwasserfischerei in der Ostsee oder Lachsflüsse und Bäche mit Strömungsdruck? Meiner Meinung nach ein entscheidener Punkt. Dann wiederum gebe ich Bernd vollkommen Recht. :+++:
Benutzeravatar
Bernd Ziesche
...
Beiträge: 3060
Registriert: 20.09.2006, 14:49
Wohnort: am Fischwasser
Kontaktdaten:

Beitrag von Bernd Ziesche »

Guten Morgen :wink:

bitte nicht alles zu extrem wörtlich interpretieren, was ich schreibe ;).
Wenn wir einen Winkelmesser ansetzen, halten die meisten von uns die Rute natürlich nicht permanent EXAKT im rechten Winkel zum Fisch, logisch.
Dennoch halten 90% meiner Schülerinnen und Schüler die Rute schlicht nach oben. Manchmal sogar phasenweise mehr als im rechten Winkel!
Sowas passiert zum Beispiel häufig bei Keschereinsatz in der Endphase vorm Kescher. Hier ist es viel effektiver, den Fisch nicht zu keschern und dadurch besser Druck ausüben zu können. Mit vorgeneigter Rute kommt man mit dem kurzen Watkescher natürlich schlecht an den Fisch. Wenn es denn ein Kescher sein soll, dann sollte man die Rute erst im letzten Angleiten vorm Kescher in den Bereich des rechten Winkels oder sogar kurzfristig darüber hinaus (je nach Vorfachlänge) bringen.

@Christian:
Kleines Beispiel zwecks Veranschaulichung:
Die 4er Rute wirft 12 Gramm maximales Wurfgewicht, und die 7er Rute wirft 17 Gramm maximales Wurfgewicht. 5 Gramm Unterschied. Um die Flasche über den Boden zu bewegen,
@Ulf:
brauchen wir eine Steigerung von den 380 - 450 Gramm Druck (Rute senkrecht) auf über 1 Kg, stimmt. Und diese Steigerung bekommen wir, in dem wir den Winkel flacher halten (ihn vergrößern), also die Rutenspitze etwas mehr gen Fisch neigen.

Halten wir den Winkel seitlich abgesenkt klein (also Rute flach über das Wasser und nach vorne geneigt) bringen wir 1,2-1,3 Kg Druck auf die Federwaage. Dies geht sowohl mit der 4er als auch mit der 7er Rute.
Die Bilder hierzu sind im Anhang.

Warum die Rute flach halten?
Weil wir den Druck dann a) auf den Fisch und nicht teilweise gegen die Erdanziehung ausüben. Dies gilt besonders in der Endphase. Denn hier ist die Rutenspitze bei nach oben ausgerichteter Rute zwangsweise über dem Fisch. Wir arbeiten dann zu einem deutlichen Teil gegen die Erdanziehung = hoffnungslos (ist nicht tot zu kriegen ;) ).
Und b) Je mehr Schnur unter Wasser ist, desto höher der Druck auf den Fisch, weil der Wasserdruck auf der Schnur Druck auf den Haken (sprich) Fisch bedeutet.
@Christian: Richtig, im Fluß bzw. bei Strömung gilt dies ganz besonders! :+++:

@Georg:
Nicht der Druck über die Rute bringt das Vorfach zum Reißen. Sondern die Summe vom Druck durch den Wasserwiderstand auf die Schnur, des Rutendruckes und ganz entscheidend der Schnellkraft des Fisches, wenn er schlägt. Dies alles neben der häufigsten Ursache: scharfe Steine etc.. Ein 0,40mm Monofil würden wir am Lachs nie abreissen, wenn wir ihn im Schwimmbad drillen würden. Zumindest nicht, solange wir nicht die Rute gerade halten und losrennen ;) .

Nochmal zur ständigen Druckverlagerung:
Ich mache dies seit dem ich das erste Mal auf Tarpon gefischt habe. Dort ist es Pflicht. Man bekommt den Tarpon sonst nicht einmal nach 5 Stunden Drill ermüdet.
Bis heute habe ich (gefühlt) nicht einen Fisch dadurch verloren, soweit ich mich erinnern kann. Ganz sicher hat sich meine Erfolgsquote der gelandeten Fische nach jener Lektion ganz deutlich nach oben bewegt.
Wie Mawill sehr treffend schilderte: Nahezu alle "Profis" drillen auf diese Art. Und genau dies verkürzt den Drill sehr deutlich.
Christian, der Fisch selbst wechselt ohnehin ganz viel die Richtung und schlägt hin und her. Der Druck verlagert sich also unweigerlich sowieso ständig. Mit Karpfengerät übt man einen ganz anderen Druck aus, als wie mit einer durchschnittlichen Fliegenrute. Mawill hat absolut Recht. Das ist nicht vergleichbar.

Gruß
Bernd
Dateianhänge
Mehr als 450 Gramm ist nicht drin. Selbst, wenn der Lehrer zeigt, dass der Schüler zu viel Angst vor Rutenbruch hatte (und noch mehr geht).
Mehr als 450 Gramm ist nicht drin. Selbst, wenn der Lehrer zeigt, dass der Schüler zu viel Angst vor Rutenbruch hatte (und noch mehr geht).
Vorgeneigte Rute = Drucksteigerung um mehr als 100% möglich. Flach = effektiver gegen den Fisch selbst.
Vorgeneigte Rute = Drucksteigerung um mehr als 100% möglich. Flach = effektiver gegen den Fisch selbst.
Hier arbeitet man gegen die Erdanziehung und erreicht wegen dem Winkel kaum Druck (bevor die Rute brechen würde).
Hier arbeitet man gegen die Erdanziehung und erreicht wegen dem Winkel kaum Druck (bevor die Rute brechen würde).
DruckBeiSenkrechterRute.jpg (67.36 KiB) 8000 mal betrachtet
Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 19.03.2010, 13:29, insgesamt 5-mal geändert.
www.first-cast.de
Fliegenfischerschule
Benutzeravatar
Ulf
Flyfishing infected
...
Beiträge: 504
Registriert: 17.09.2009, 09:40
Wohnort: 37077 Göttingen
Kontaktdaten:

Beitrag von Ulf »

Die 4er Rute wirft 12 Gramm maximales Wurfgewicht, und die 7er Rute wirft 17 Gramm maximales Wurfgewicht. 5 Gramm Unterschied. Um die Flasche über den Boden zu bewegen,
Du meinst also, dass man nur 5 Gramm mehr zug benötigt, die dann in dem Fall von 1,2 Kilo nicht so ins Gewicht fallen?
Grüße

Ulf

Catch & Release if you want!

www.goeff.de
Benutzeravatar
Bernd Ziesche
...
Beiträge: 3060
Registriert: 20.09.2006, 14:49
Wohnort: am Fischwasser
Kontaktdaten:

Beitrag von Bernd Ziesche »

Hallo Ulf :wink: ,
nagel mich bitte nicht auf den exakten Werten fest. Um das im Detail zu berechnen, müsste man zweifelsohne Physik studiert haben und selbst dann wird es extrem schwer hier exakte Werte zu errechnen.
(Ich ahne, der Thotty naht bereits :wink: ;) .)
Zu viele Einflußgrößen.
Dies Beispiel soll zeigen, dass zwischen der 4er und 7er Rute gar nicht so ein gewaltiger Unterschied liegt, was das zu beschleunigende Wurfgewicht angeht. Beide Ruten sollen aber im Wurf auf eine ähnliche Biegung forciert werden.
Und beide Ruten sind eben weit davon entfernt, dass man mit ihnen im rechten Winkel eine simple 1 Kg Wasserflasche bewegen könnte.
Und diese Flasche zappelt nicht einmal :grin: .
Erst die Veränderung des Winkels bringt den entscheidenen Unterschied, nicht aber die höher klassifizierte Rute.
Gruß
Bernd
www.first-cast.de
Fliegenfischerschule
Benutzeravatar
Ulf
Flyfishing infected
...
Beiträge: 504
Registriert: 17.09.2009, 09:40
Wohnort: 37077 Göttingen
Kontaktdaten:

Beitrag von Ulf »

Hallo Bernd,

ich will auch dein Theorie gar nicht in Frage stellen, und dass man gerade in dem Bereich Fliegenfischen Physik studiert haben muss ist mir klar, denn ich habe gerade schon einen riesen Knoten im Gehirn.

Masse x Beschleunigung lässt sich hier auf keinen Fall linear anwenden. Denn 5Gramm auf die von dir angegebenen 150-200kmh zu beschelunigen, würde man ja 750-1000gramm mehr Kraft benötigen. Utopisch.
Aber gerade wenn man von WURFgewicht spricht, und wir die Masse Schnur beschleunigen, wirken ganz erheblich andere Kräfte als nur die von dir angesprochenen 5 Gramm. Bestimmt habe ich einen Denkfehler eingebaut. Ich hoffe ich verstehe das irgendwann.

Ich werde mich heute mit meiner 4er und der 7er, und wenn ich ihn erreiche auch mit einer 10er auf die Wiese stellen und das testen. Errechnen und logisch vorstellen kann ich es nämlich nicht.

Du stellst aber auch wieder Theorien auf, die ein normal sterblicher kaum nachvollziehen kann ;)

Aber ist gutes Gehirn-Jogging
Grüße

Ulf

Catch & Release if you want!

www.goeff.de
Benutzeravatar
Bernd Ziesche
...
Beiträge: 3060
Registriert: 20.09.2006, 14:49
Wohnort: am Fischwasser
Kontaktdaten:

Beitrag von Bernd Ziesche »

Hier ein konkretes Beispiel aus der Praxis:

Ein erfahrener Lachsangler, der bereits etliche Lachs über 10 Kg (sorry Mawill ;) ) erfolgreich landen konnte.
Er fing an jenem Tag einen 14 Kg Lachs.
Der Drill dauerte etwas über eine Stunde.
6 Grad Wassertemperatur = optimale Vorraussetzung zum Releasen.

Bereits im Drill sagte mir der Fänger, dass er den Lachs releasen wolle. Ich erwiderte, dass wir nach dem Landen sehr schnell handeln müssten.
Zwei Fotografen standen neben uns. Ich tailte den Fisch, entnahm den Haken schnellst möglich. Zwei schnelle Bilder und ab ins Wasser.

Ergebnis: Wir entschieden nach einer halben Stunde, dass der Fisch dem Verzehr zugeführt wurde.
Er hatte sich im Drill zu sehr verausgabt.

Der Fänger fragte mich hinterher, ob er zu wenig Druck ausgeübt hatte (zu lasch gedrillt hatte).

Nein, die Rute hatte die ganze Zeit deutlich Biegung. Mehr war da nicht zu machen.
Allerdings war die Rutenspitze zu oft deutlich über dem Fisch. Dies war besonders in der Endphase, welche sich extrem hinzog der Fall. Der Lachs stand teils sehr ruhig. Letzteres behielt ich an jenem Tag erst einmal für mich, weil jener Fänger sehr enttäuscht war, dass er den Lachs nicht releasen konnte.
Man sollte aus meiner Sicht auch niemandem in den Drill hinein reden. Besser hinterher mal den einen oder anderen dezenten Tipp / Anregung geben.
Einen Tag später fing ich selbst einen sehr ähnlichen Lachs, etwas kleiner. Nach 12 oder 13 Minuten war er an Land. Einziger Unterschied: Ich hatte die Rute flach gehalten und den Druck permanent von links nach rechts und wieder zurück verlagert.
Nach der Landung war mein Lachs deutlich agiler!

Gruß
Bernd
Dateianhänge
Der Wille war da, doch die extrem geringe Überlebenschance forderte eine andere Entscheidung von uns!
Der Wille war da, doch die extrem geringe Überlebenschance forderte eine andere Entscheidung von uns!
Typisches Bild eines Lachsdrills. Rute hoch. Druck arbeitet teils deutlich gegen die Erdanziehung.
Typisches Bild eines Lachsdrills. Rute hoch. Druck arbeitet teils deutlich gegen die Erdanziehung.
Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 19.03.2010, 12:01, insgesamt 2-mal geändert.
www.first-cast.de
Fliegenfischerschule
Benutzeravatar
Bernd Ziesche
...
Beiträge: 3060
Registriert: 20.09.2006, 14:49
Wohnort: am Fischwasser
Kontaktdaten:

Beitrag von Bernd Ziesche »

Ulf ;) ,
die 5 Gramm sind nur der Unterschied im Wurfgewicht. Um dies Wurfgewicht (12 oder 17 Gramm) zu beschleunigen entsteht in der Tat ein ganz anderer Druck! Und weiter oben stehen bereits Zahlen: 380-450 Gramm Belastung auf der Rute sind möglich (bei rechtem Winkel).

Man denkt nur instinktiv immer, dass man mit einer 7er Rute (im Vergleich zur 4er) immens mehr Druck ausüben kann.
Tatsächlich aber, kann man auch mit der 10er Rute immernoch keinen Ziegelstein anheben, sofern man die Rute im rechten Winkel ausrichtet.

Gruß
Bernd
www.first-cast.de
Fliegenfischerschule
Benutzeravatar
Polar-Magnus
Eigentlich war ich's nicht...
...
Beiträge: 2610
Registriert: 22.04.2008, 12:27
Wohnort: Wedemark bei Hannover

Beitrag von Polar-Magnus »

An dieser Stelle hätte ich denn auch mal eine Frage:

Wenn ich mir das mit den Winkeln alles so durchlese, scheint ja folgende Quintessenz zu gelten:

Je mehr ich mit der Rutenspitze nach unten (also Richtung paralelle zur Wasseroberfläche) komme,
desto mehr Druck auf den Fisch und desto schneller die Ermüdung.

Was das mit dem Druck angeht komme ich ja durchaus mit, aber wenn ich mir der Rutenspitze
im Drill im theoretischen Extremfall direkt auf den Fisch zeigen würde fehlt mir duch jegliche
Pufferung, eben durch das nachgeben der Rute, so dass:

a) Die Gefahr des Ausschlitzers dramatisch steigt, evtl. auch des Vorfachbruchs (bei feiner Fischerei).

b) ich die Rückstellkraft der Rute eben nicht zur Fischermüdung einsetze. Bei einem 90 Grad
Winkel der Rute zum Fisch arbeitet der Fisch doch immer geradewegs gegen die Rückstellkraft der Rute.

Zusammengefast würde ich doch sagen, dass bei einer Flucht ein etwa 90 Grad-Winkel eine gute "Gegenkraft"
und ein Schockabsorpung einbringt. Wenn ich allerdings massiv gegenhalten will,
ist ein neigen der Rute sicherlich produktiver, weil ich den Weg, den sich die Rute rückstellen möchte verringere.

Irgendein Denkfehler :?:

Gruß,

Ingo :wink:
Ein Fliegenfischer ist manchmal glücklich, aber nie wunschlos.

Du bestimmst das Ziel, du bestimmst den Weg und du bestimmst die Regeln. Es ist dein Spiel, dein Leben.
Zitat von gonefishing aus seinem sagenhaften Patagonien Reisebericht.
Antworten