Die Fliegenschnur und ihr Schatten - ein kleiner Vergleich

Hier können Fragen und Anregungen rund um das Gerät zum Fliegenfischen ausdiskutiert werden.
Ostsee-Silber

Die Fliegenschnur und ihr Schatten - ein kleiner Vergleich

Beitrag von Ostsee-Silber »

Bernd Ziesche hat geschrieben:Farbe = auf Situation abstimmen (z.B. mit einem CLEAR Kopf den Schattenwurf reduzieren)
Guten Morgen, gibt es eigentlich Vergleiche aus der Praxis (zu diesem Zitat von Bernd aus einem anderen Thread)?

Mir fiel bisher am Strand auf, dass alle Schnüre einen fast identisch kräftigen Schatten werfen, egal ob clear, blau, rot oder weiß, selbst das dünne Vorfach aus Fluocarbon sieht man leider gut, also dessen Schatten.

Bei den üblichen dunklen Sinkschnüren hat man ja doch meist ein eher mulmiges Gefühl und redet sich ein, die sieht der Fisch doch viel eher, zumal mit meist kurzem Vorfach gefischt wird und bei den klaren Schnüren verspricht man sich das Gegenteil, aber ist das wirklich so?

Da ich gerade leider keinen Strand zur Verfügung habe, hing ich mal ein paar Leinen über die Badewanne, welche ein klein Wenig wie ein Sandgrund an der Küste gefärbt ist und somit einen hellen Kontrast für jeden Schatten der Testschnüre bieten sollte.

Mein Eindruck (aus meinen Augen): die dunkelgrüne Sinkschnur wirft einen kräftigen Schatten, leider bringen die Fotos dies nicht ganz so rüber. Die Schatten der Pounch und der beiden Intermediateleinen sind aber nahezu identisch.

Vom Grund der Badewanne (ohne Foto) könnte der Fisch jedoch sehr deutlich einen Unterschied zwischen z.B. der dunklen Sinkschnur und der klaren Intermediate erkennen, wohingegen die cremefarbene und die klare Intermediate wieder fast identisch gut zu sehen sind (deren Konturen), was mich doch überraschte. Das Blau der Pounch dürfte bei blauem Himmel sogar ganz „verschwinden“, die cremefarbene Schnur bei bedecktem Himmel. Die klare Intermediate erscheint wie eine „Irritation der Oberfläche“ und wenn sie kringelt, könnte dies der "knock out" sein.

Mein persönliches Fazit aus diesem simplen Test: einfach hingehen und ein paar rausnehmen...wohingegen selbst ein ganz kleiner „red butt“ an einer Fliege oftmals für den kleinen Unterschied sorgen kann.

Auf bunt gefärbte Leinen („Signalfarben“ wie orange, gelb, rot) würde ich verzichten wollen, ebenso auf dunkle Sinkschnüre, die man aber nun mal braucht, eine hell gefärbte Schnur wirft zwar Schatten, ist aber aus der Sicht des tief stehenden Fisches gegen den Himmel schlechter auszumachen als eine dunkel gefärbte Schnur, dies relativiert sich aber wieder, sofern der Fisch die Schnur seitlich sieht (Stichwort Konturen).

Optimal scheinen aber somit helle und klar gefärbte Leinen sowie eine blaue Schnur bei blauem Himmel zu sein oder auch eine graue Schwimmschnur bei grau bedecktem Himmel.

Erklärung der Nummerierungen:

1. Schwimmschnur Pounch (aqua-blau)
2. Intermediate Clear
3. Intermediate Cream
4. Vorfach Fluocarbon 40er
5. Sinkschnur S 5 (dunkel-grün)

(beide Bilder entstanden aus der Vogelperspektive unter (seitlichem) Tageslicht plus Deckenbeleuchtung)

Mit einem etwas mulmigen Gefühl werde ich heute abend die neue Zandersaison einklingen lassen, mit der dunkelgrünen Sinkschnur...und einem etwas längerem Vorfach...
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piscator
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Beitrag von piscator »

Moin Mirko, die Lichtquelle ist das Problem. Bei direkter Sonneneinstrahlung gibt es in jedem Fall Schattenwirkungen nach optischen Regeln. Bei diffusem Licht (Bedeckter Himmel) wirst du aber andere Ergebnisse erzielen. Das machts dann noch etwas komplexer.
Petri Heil, J.
brauch keine Gewalt, nimm einfach 'ne längere Rute
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Beitrag von TOBSN »

Moin,

abgesehen von dem Schattenwurf, fischen tausende von Anglern seit Jahrzehnten mit dunklen Sinkschnüren auf Lachse, Forellen & Co. Ich glaube nicht, das die Gräten die dunkle Farbe stört!

T
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Beitrag von quiethawk »

@ tobsn: dass sehe ich genauso wie du.
mir stellt sich die frage, ob solche dinge überhaupt diskutabel sind, weil man sie doch schlecht belegen kann oder :q:
eine gewisse scheuchwirkung durch die schnur lässt sich doch einfach nicht verhindern... interessieren würde es mich auch, aber die trutten reden leider nicht annähernd soviel wie meine freundin :lol:
_______________________________
Gruß Henrik
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Beitrag von CDC-Dun »

In: "Die Forelle und die Fliege" von John Goddard, wurde die Sichtigkeit von Fliegenschnüren in und unter Wasser sehr gut dargestellt. Da schnitten die dunklen Leinen besser ab, als die hellen Leinen.

Da aber in diesem Thema jetzt der Schattenwurf gefragt ist, vermute ich mal das transparente Schüre besser abschneiden.

Nächster Punkt: Reflektion
Da liegt dunkel vor hell vor transparent.

Sichtigkeit,
Schattenwurf,
Reflektion,

Da hängt vieles von verschiedenen Faktoren ab.
Hintergrund, Untergrund, Wassertrübung, Sonnenschein, ...

Das Optimale werden wir wohl nie erreichen.

Für mich steht aber eins fest: Bunt gefällt mir nicht.

Gruß
Stefan
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schöngeist
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Beitrag von schöngeist »

Hallo Mirko!

Ich finde es immer wieder erfrischend, welche Gedanken du dir machst und es ist schön, dass du dann zu experimentieren beginnst!!

Leider wirst du wohl nicht darum herumkommen, deine Badewanne zu weiteren Versuchen zu missbrauchen..

Lichtquelleninstallation in den Seitenwänden, Zugabe von Farbstoffen ins Wasser, Anlegen verschiedener Untergründe (mmhhhmm.. Schlamm..!!)

:+++:

keep on rockin!
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Beitrag von ostseelicht »

Oder einfach mit Tauchermaske auf den Grund der Badewanne legen, mit dem Rücken nach unten (oder halt gleich in den natürlichen Bedingungen, also im seichten Uferbereich der Ostsee). ;)

werner
Glück kann man nicht kaufen, aber man kann drin waten.
SilverDoc

Beitrag von SilverDoc »

Was für Gedanken sich gemacht werden.....naja, liegt wohl an der Entfernung zur Küste :roll: :lol:


Und das Experiment in der Badewanne zu machen....hmmm.....nett als Veranschaulichung, aber ansonsten.....isch weis ja nisch ;)
....Einfach mal beim nächsten Ausflug zum Baggersee Flossen an und Brille auf und mal wieder Kind sein, planschen und sich das Spektakel aus 1...2m Wassertiefe anschauen....


Oder weniger nen Kopp drum machen und los gehen, macht das Leben gleich viel entspannter :wink:
Ostsee-Silber

Beitrag von Ostsee-Silber »

SilverDoc hat geschrieben:Was für Gedanken sich gemacht werden.....naja, liegt wohl an der Entfernung zur Küste :roll: :lol:
:+p Und Recht hast Du wohl...

Tja, aus der Perspektive vom Grund der Wanne war noch weniger ergiebig, die Kamera auf Grund gelegt und mehrfach abgedrückt, aber die dunkle Holzdecke hat alles verfälscht. Notiz für die nächste Renovierung: Decke mit Schäfchenwolken.

Einen Hintergrund hatte mein kleiner verzweifelter Versuch noch, ich bin überzeugt, dass die Abschreckung durch eine Fliegenschnur aus der seitlichen Sicht eines Fisches höher ist, als wir vermuten. Ich konnte es nicht vernünftig fotografieren, doch die "Konturen" jeder Fliegenschnur aus seitlicher Sicht sind überaus scharf erkennbar. Ist ja nur Theorie, aber es könnte ein Grund sein, warum so manches Mal ein Fisch im flachen Wasser flüchtet, auch wenn man noch so sanft geworfen hat.

Vielleicht sieht die Meeräsche die Leine sogar noch besser, da sie ja meist noch näher am Ufer sucht als eine Forelle. Und vielleicht sogar noch mal besser, wenn die Leine schwimmt und die Oberfläche "irritiert"?

Und die Meerforelle, die zwischen Tangbüscheln und Seegraswiesen nach Nahrung sucht, muss auch einen Schatten unterscheiden können, um satt zu werden. Der Tang wedelt in der Dünung, wirft Schatten, ebenso das Seegras und auch der kleine Stichling, der sich darin verbirgt. Die Garnele weniger, da sie näher am Grund hüpft und der Sandaal, der an der Oberfläche entlang ringelt oder auch der Wurm, das sind sehr deutlich "schattige Happen" für eine Forelle, die nicht von ungefähr die Seegraswiesen in Bodennähe ansucht.

Ist ihr Blick eher nach oben oder seitlich ausgerichtet, je nach Nahrungsvorkommen vermutlich, egal, aber doch mal eine Überlegung wert. Die Schwimmschnur vermeidet viele Hänger über hohem Seegras, aber ist sie der richtige Weg oder verrät sie uns eher als eine Intermediate?

Ich werde das mal im Auge behalten und hab mir heute sowas bestellt. Vielleicht den Kopf im flachen Wasser absinken lassen mit einer auftreibenden Algenfliege am kurzen Vorfach...?...ich hole mir jetzt erstmal ein paar Zander ab. :lol:
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Bernd Ziesche
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Beitrag von Bernd Ziesche »

Hallo Mirko :wink:
Feiner Test :+++:

Ich erinnere mich noch gut an meinen Guide in den Florida Keys, der sagte: "Nimm eine clear Schnur, und Du bekommst doppelt so viele Anbisse, wie mit einer farbigen Sink- oder Schwimmschnur."
Er sagte dies seinerzeit (10 Jahre her) mit derartiger Überzeugung, dass ich das in dem Moment nicht weiter hinterfragte.

Ich sammelte danach selbst mehrfach (in ganz verschiedenen Gebieten) die Erfahrung, dass z.B. Bonefish(e) ganz arg darauf reagieren, wenn man ihnen die Schnur während der Leerwürfe oder bei der finalen Präsentation zu nahe bringt (bevor die Schnur aufwassert).

Aus der Praxis heraus könnte ich darauf schwören, dass man die Schnur dichter an den Bonefish bringen kann, wenn der Bonefish zwischen Schnur und Sonne steht/schwimmt, also nicht vom Schattenwurf touchiert werden kann.
100%ig (wissenschaftlich fundiert) kann ich das nicht belegen... Der Input hierzu kam ebenfalls von jenem Guide seinerzeit.

Was mir sehr deutlich aufgefallen ist:
Seit ich hier bei uns fast nur noch mit der clear Schnur auf Meerforellen fische, scheuche ich keine oberflächen nahen Meerforellen mehr auf.
Das war vorher regelmäßig (natürlich auch nicht bei jedem Fischgang...) mal der Fall: Wurf und kurz vor dem Aufsetzen ein fetter Schwall und weg war der Fisch. Kein Biss mehr.

Ob es nun tatsächlich der Schhattenwurf oder die Schnur selbst, eine Mischung aus beidem oder ob es sich nach Bedingungen abwechselt, vermag ich nicht zu sagen. Zumindest aber halte ich die Clear Schnüre für eine sehr gute Wahl auf Meerforelle.
In die Karibik würde ich nie ohne dem fahren wollen.
Das Schöne dort ist, man sieht sofort die Reaktion des Fisches und braucht nicht zu schätzen bzw. extreme Langzeiterfahrungen zu sammeln wie bei uns...

LG
Bernd
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Bernd Ziesche
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Beitrag von Bernd Ziesche »

Ostsee-Silber hat geschrieben:
SilverDoc hat geschrieben:Was für Gedanken sich gemacht werden.....naja, liegt wohl an der Entfernung zur Küste :roll: :lol:
:+p Und Recht hast Du wohl...
:wink:
Vielleicht machen wir uns auch teilweise sehr wenig Gedanken, weil wir nie sehen, wieviele Meerforellen unter Wasser auf unsere Präsentationsfehler reagieren.
Davon zumindest bin ich überzeugt. 8)

Die gute Präsentation fängt den Fisch, nicht die tausend Würfe! :p :oops
Gruß
Bernd
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laverda
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Beitrag von laverda »

Bernd Ziesche hat geschrieben:Hallo Mirko :wink:
........... Wurf und kurz vor dem Aufsetzen ein fetter Schwall und weg war der Fisch. Kein Biss mehr.
...........

LG
Bernd


Ich glaube, dass man hier unterscheiden muss, ob sich die Schnur bereits im Wasser befindet, bevor der Fisch die bemerkt oder ob die Schnur schon außerhalb des Wassers wahrgenommen wird.

Jede schnelle Bewegung von außerhalb des Wassers wird nicht nur bei Schnüren meist mit sofortiger Flucht beantwortet. Sobald sich der "Störenfried" im bereits Wasser befindet, also im Erfahrungsbereich der Sinne des Fisches, bevor er den bemerkt, ist die Scheu häufig erheblich reduziert.

Das erlebt man doch immer wieder, dass z.B. das Laufen am Ufer alle Gräten verscheucht, gehe ich aber mit der Wathose im Wasser, schwimmen mir die gleichen Fische sogar noch über die Fussspitzen.

Gruß vom platten Niederrhein
Fliegenruten werfen Masse...............nicht Klasse
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Beitrag von marmoratalover »

Hi Mirko,

nach meinen bisherigen Küstenerfahrungen, die sich jedoch recht stark mit meinen längeren Süsswassererfahrungen ähneln, habe ich bis dato eher den Eindruck, dass Meerforellen in Fresslaune erstaunlich unsensibel sind. Ob die Feinheit der Wahl einer speziellen Fliegenschnur oder die Beachtung des Schattenwurfs wesentlich mehr Fisch bringt, glaube ich nicht, vielleicht den einen oder anderen mehr, aber keine Dimensionssprünge. Dafür sind mir raubende MeFos einfach zu oft so nah gekommen (bis zur Rutenlänge), dass es mir immer wieder den Atem stocken läßt. Einmal stand ich mitten in einem Fressrausch, ich hätte auch ein Felsen sein können, und das obwohl mein Oberkörper + Rute sich bewegte. Letztes Frühjahr nach fertigem Einstrippen Wasser aus dem Korb gekippt und ein kleines Perückchen entheddert, keine Ahnung woher die MeFo kam, Rute angehoben nach dem Motto "und weiter geht`s" und dann hing da eine 51er dran, versteh`wer will. Meine Arme waren bei der Aktion definitiv in Bewegung, aber der Fisch hatte wohl in dem Augenblick nur Augen für die Fliege.

Bachforellen, gerade größere Exemplare sind da wesentlich scheuer und empfindlicher(z.B. oft nur früh morgens ufernah aktiv). Man kann sicherlich mit dem einen Trick oder anderen Kraftakt tagsüber einen Fisch mehr fangen, aber nie viele oder Mehrere.

Ich muss dir aber recht geben, dass es bei sehr frequentierten, überangelten Stellen ( gutes Bsp. Bogebjerg/Fyn) schon mal auf gewisse "Kleinigkeiten" ankommt, die sehr wohl einen Erfolgsunterschied herbeiführen können. Ich für meinen Teil meide inzwischen solche Plätze.

Insgesamt würde ich dorthin tendieren, dass MeFos, die nicht in Fresslaune sind, wesentlich empfindlicher auf Störungen reagieren, als solche auf Raubzug. Zumindest ist das meine Erfahrung bezüglich auf im Süsswasser am Ufer patroullierender Bach- bzw. Regenbogenforellen.

Aber...je fortgeschrittener der Sommer, desto wichtiger für mich die richtige Fliege zu finden. Ansonsten habe ich mit meinem Sinktip (schwarze Spitze) genauso gut oder schlecht gefangen wie mit meiner Cleartip.

TL
Chris :wink:
I´ve been looking for f... äh ...seatrout !!!
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Beitrag von knoesel »

Wenn ein Fisch (oder Taucher) nach oben schaut, kann er (durch das bekannte ca. 97°-Sichtfenster) den Himmel, Wolken,
die Vegetation, Felsen und Menschen in den verschiedensten diffusen Farben erkennen. Die Wasseroberfläche wirkt wie ein alter, unbrauchbarer (löchriger) Spiegel.

Wenn die Wasseroberfläche glatt ist (wie in der Badewanne), dann erkennt man auch außerhalb des 97° -Sichtfensters den Grund der Badewanne als Spiegelbild.

Diese Laborbedingungen treffen wir jedoch am Wasser nie an. Selbst kleinste Wellen unterbrechen den Wasseroberflächenfilm, so dass dort hellere und dunklere Flächen entstehen.

Schaut der Fisch bei sonnigem Wetter nach oben, so wird er in ständigem Wechsel hell-silbrige und dunklere (auch farbige) – mehr oder weniger verzerrte - Flächen sehen,
die ständig vibrieren/sich bewegen und entsprechende Schattenflecken werfen.

Bei Wolken kann die Wasseroberfläche nicht so hell sein, weil die Lichtquellen von vielen Seiten kommen; die Wasseroberfläche wird eher milchig-weiß und kaum Schatten produzieren.
Objekte über Wasser werden schwieriger erkannt als bei Sonne.

Grünlich oder bräunlich gefärbtes Wasser vermindert die Sicht nach oben (und den Schattenwurf der Schnur) noch weiter,
so dass sowohl die auf/im Wasser liegende Schnur und deren Farbe als auch deren Schatten keine große Rolle spielen.

Anzumerken sei, dass Fluo-Schnüre unter allen Lichtbedingungen von der MeFo hervorragend gesehen werden;
deshalb werden diese eigentlich auch nur als backing eingesetzt (damit der Angler besser sehen kann, wo hin seine Schnur zeigt).

Selbstverständlich spielt die Beschaffenheit des Untergrundes auch eine Rolle. Auf sandigem Boden wird man Schatten eher erkennen als auf „Leopardengrund“ oder „Modder“.

Wie bereits erwähnt werden Fische viel mehr durch schlechte Präsentation, schnelle Bewegungen und „ins Wasser stapfen“ vergrault.

Ich bin der Ansicht, dass eine MeFo, die einen Köder erkannt hat, sich hauptsächlich auf diesen konzentriert und weniger auf einen möglichen Schattenwurf der Schnur.
(Von tropischen Fischen hab ich keine Ahnung – es sei denn, ich hatte diese im Aquarium).

Nun bin ich gespannt, wie Mirko diese life-Bedingungen in der Badewanne herstellt. Wolken an der Badezimmerdecke war schon nicht schlecht!
Oder wer geht als Erster mit UW-Kamera auf Tauchstation? ;)
:wink:
Ostsee-Silber

Beitrag von Ostsee-Silber »

Ne ne Klaus, die Badewanne wird nicht weiter hergerichtet, das wird jetzt am Wasser weiter probiert, insbesondere die dunklen Sinkschnüre.

Kürzlich gabs mit der dunkelgrünen Sink 5 gleich 17 Barsche bei fast glasklarem Wasser und voller Sonne an unserem Kanal, leider waren aber keine Zander aktiv. Zwei Barsche Ende 30 durften mit in die Küche und ich konnte mehrfach die platschende Jagd der Rapfen mit ansehen, die ich zwar auch anwarf, aber der schwere Sinker dürfte ihnen die Fliege zügig vor der Nase weggezogen haben.

Das Vorfach verkürzte ich nach Feststellung der Anwesenheit von Barschen auf bis zu 20 cm, es hat sie nicht gestört...das war interessant, zumal der Schatten
der dunklen Schnur ganz deutlich über der hellen Steinpackung zu sehen war. Aber hierbei war gewiss auch Futterneid im Spiel und während alle kleinen Futterfische an der Oberfläche aktiv waren, so zog meine Fliege direkt im Wohnzimmer der Barsche ihre Bahn, dank der Sinkschnur. Interessant war weiterhin, dass alle Barsche wieder nur auf ein einziges Fliegenmuster gingen, jede andere typische Barschfliege wurde ab und an zwar verfolgt, aber verschmäht.

Das war das erste Mal, dass ich eine dunkle Sinkschnur konsequent auf Barsch eingesetzt habe und ich muss sagen, das werde ich wieder machen.
:+q:
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