Auflandiger vs. andersartiger Wind bez. Fangaussichten

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marmoratalover
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Auflandiger vs. andersartiger Wind bez. Fangaussichten

Beitrag von marmoratalover »

Hi @ all,

auch wenn ich erfahrungstechnisch und hinsichtlich der Angelfrequenz mit den Küstenanliegern nicht mithalten kann, habe ich mal meine Erlebnisse nach fast 5 Jahren bezüglich Windstärke und –richtung statistisch ausgewertet. Obwohl ich mich auch gerne mal mit ordentlich Gegenwinden anlege, solange mir beim knietiefen Waten die Dünung nicht regelmäßig eine Gesichtsdusche verpasst, habe ich bei mir definitiv keine augenscheinliche Affinität zu den angesprochenen (oft hochgelobten) Verhältnissen fangtechnisch feststellen können.

Ich glaube eher, dass jeder einzelne Platz/Fischspot seine ganz eigenen ortsspezifischen Faktoren besitzt, wann warum zu welchen Bedingungen günstige Verhältnisse herrschen oder nicht. Zumindest bilde ich mir ein, dass die Meerforelle dies recht gut abschätzen kann.

....und wenn ein Platz augenblicklich eher weniger stark frequentiert ist, wird er meiner Erfahrung nach durch stark auflandigen Wind auch nicht zum Hot Spot. Insofern ist Wind für mich (aus anderen Gründen) mittlerweile auch nur noch zum mentalen Problem geworden :grin: . Wenn es nach den Einheimischen geht, mit denen ich bis dato Erfahrungen ausgetauscht habe, hat jeder Platz hat seine Phasen, Höhen und Tiefen...man muss nur wissen wann (und am besten warum) 8) .

Aber vielleicht gibt`s ja auch gegenteilige Erfahrungen...

TL
Chris :wink:
I´ve been looking for f... äh ...seatrout !!!
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SIMPLE SHRIMP
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Beitrag von SIMPLE SHRIMP »

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Hallo Chris,

da hast Du in 5 Jahren wirklich wertvolle Erkenntnisse gesammelt, daran wird sich in den nächsten 30 Jahren nicht mehr viel ändern. Klar gibt es Tage, da fängt man auch mal Fische bei auflandigem frischen Wind. Zum Butt- und Aalangeln hat es mich früher immer an solche Stellen gezogen, aber die meisten Meerforellen werden gefangen, wenn das Wetter gut ist und die Wurfverhältnisse ein angenehmes und entspanntes Fischen zulassen.

Der einzige Vorteil, den man bei entsprechendem Gegenwind hat, ist, dass man allein Fischen kann, weil andere auf Wind von vorn selten großen Wert legen, willst Du Leute treffen, musst Du schon an Stränden mit ablandigem Wind Angeln. Die meisten haben mit Wind und, damit oft einhergehend, trübem Wasser die gleichen Erfahrungen gemacht, Meerforellen scheinen Schönwetterfische zu sein.

Aber es nutzt das schönste Angelwetter nichts wenn man an der falschen Stelle steht, und gute Stellen sind manchmal auch bei Wind und Regen interessant. Ich möchte in erster Linie schöne Stunden verleben und freue mich dann über jede Forelle, die bei mir passenden Bedingungen unterwegs ist und mir in die Quere kommt.

Klaus
Fjorden
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Beitrag von Fjorden »

Hallo Chris und Klaus,
sehe ich genau so. Es kommt auf die Stelle und Zeit an und da hat jede eigene Gesetze! Meine größten MF habe ich bei schönstem Wetter ohne Wind und dann sogar mit Polyvorfach auf "kleine" 6er Fliege gefangen.
Grüße
Fjorden
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Schwarzfischer 33
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Beitrag von Schwarzfischer 33 »

Habe die Erfahrung gemacht, das direkt in den ersten 2-3 Stunden bei Windrichtungswechsel eine gute Fischaktivität herscht. Nur wer ist da gerade am Wasser wenn er nicht gerade direkt an der Küste wohnt. :cry:
Sind halt schon Glückskinder.

Gruß Klaus
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Bernd Ziesche
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Re: Auflandiger vs. andersartiger Wind bez. Fangaussichten

Beitrag von Bernd Ziesche »

marmoratalover hat geschrieben:
Aber vielleicht gibt`s ja auch gegenteilige Erfahrungen...

TL
Chris :wink:
Hallo Chris :wink:

Ich habe ebenfalls von Beginn an die Erfahrung gesammelt, dass ein bestimmter Platz für einen (zumeist) überschaubaren Zeitraum vergleichsweise viele beißwillige Meerforellen beherbergt.
Einige solcher Plätze sind langzeitstabil und haben immer wieder solch fängige Phasen, während andere Plätze in der Qualität kommen und gehen.

Dass ein hoher Befischungsdruck einen Platz in Punkto Gesamtfangzahl merklich verschlechtert, konnte ich nicht feststellen.
Natürlich verteilen sich die Fänge entsprechen auf mehr Schultern, und somit fängt der Einzelne weniger Fische.

Wenn man Fangzahlen bewerten möchte, sind immens viele Faktoren zu berücksichtigen. Besonders schwer wird es, wenn man verschiedene Plätze unter dem Aspekt des "fangträchtigsten" Windes miteinander vergleichen möchte.

Dennoch habe ich sehr konstant die Erfahrung gesammelt, dass sowohl Spinn- als auch Fliegenfischer die besten und nicht selten meisten Fische bei deutlich bewegtem Wasser fangen.
Dies entsteht primär durch seitliche oder frontal auflandige Winde.
Insbesondere das Fliegenfischen wird bei frontal auflandigem Wind schwierig. Man verliert schnell den Kontakt zur Fliege.
Die größten Meerforellen habe ich zu 80% bei dem Entstehen von deutlichen Wellen (also mit aufkommendem starkem Wind) oder bei dem Abklingen von großen Wellen (also bei abnehmendem Wind) erlebt.
Hingegen bei Windstille und spiegelglattem Wasser habe ich fast keine großen Meerforellen kommen sehen. Einige Ausnahmen gab es natürlich.
Das Gleiche gilt bzgl. der Fangzahl insgesamt.

Kenne ich mich in einer Gegend nicht aus, würde ich instinktiv seitliche Wind mit gut bewegtem Wasser suchen. Kenne ich mich aus, kann evtl. ein bestimmter Platz auch bei nicht optimaler Wasserbewegung den Vorzug erhalten.

Übrigens bestätigen die Fischer mit ihren Netzen ebenfalls bessere Fangzahlen in bewegtem Wasser.
Die meisten von ihnen vetreten die Meinung, dass die Meerforellen bei klarem, glattem Wasser teils weiter draußen und zumindest vergleichsweise sehr vorsichtig sind.
Interessant fand ich die Aussage/Beobachtung eines dänischen Fischers (geht selbst ab und an Angeln), der mir sagte bei deutlich bewegtem Wasser sind die Meerforellen oft voll gefressen, während sie bei glattem Wasser oft eher einen leeren Magen haben. Seitdem er mir das verriet, habe ich selbst darauf geachtet und kann es deutlich bestätigen.
Es deckt sich auch gut mit meiner Erfahrung, dass die Fangzahlen nach einem Tag mit guter Wasserbewegung, oft drastisch zurück gehen, wenn der Folgetag glattes und klares Wasser mit sich bringt.

Das Ganze ist natürlich nie schwarz/weiß. Wenn Du nur exakt frontal auflandigen Wind bewerten möchtest, so kann der Fliegenfischer bei diesem Wind oft sehr schnell kaum noch fischen geschweige denn halbwegs sauber präsentieren. An dieser Stelle würde ich eher die Spinnfischer nach ihren Erfahrungen fragen.

Ob angetrübtes Wasser ein Vorteil ist oder nicht, hängt von der Jahreszeit mit der zugehörigen Wassertemperatur, der Entfernung der Klarwasserkante und der Zusammensetzung der Trübung ab.

Klarwasserkante sehr weit entfernt = nicht so gut
Kreideanteil = sehr schlecht
kalte Jahreszeit und angetrübtes Wasser = Erwärmung = oft gut, sofern die ersten zwei Aspekte nicht zutreffen

Beste Grüße
Bernd

p.s. http://www.first-cast.de/Kueste2.html
Das zweite Bild von unten würde von mir den Titel "Die Herrlichkeit des Nichtfangtages" erhalten.
www.first-cast.de
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kepzky606
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Beitrag von kepzky606 »

Und das vierte Bild von unten beschreibt deine Beobachtungen recht gut ;)

http://www.first-cast.de/Kueste2.html

Gruß Erik
"My biggest worry is that my wife (when I´m dead) will sell my fishing gear for what I said I paid for it!" Koos Brandt
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jodel123
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Beitrag von jodel123 »

Die Bilder 10 und 11 von unten waren auch ein "Nichtfangtag" :D
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Bis denn...
Christian
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Reverend Mefo
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Beitrag von Reverend Mefo »

Superschöne Bilder! Ist das untere Bild ein Lachs?

TL :wink:

PS: Um mal meinen Senf dazuzutragen: Ich kann ebenfalls bestätigen, dass leicht bis mäßig bewegtes Wasser Fisch in die erste Rinnen bringt, in der bei Ententeich meist nur Hornis hängen. Insbesondere, wenn die Saison vorbei ist, also jetzt, ist bei Ententeich (morgens) forellisch nur wenig los, während bewegtes Wasser auch Ende Mai mal Ü50 vor die Füße bringt ... zumal die Schnäbler Welle auch eher nicht mögen :grin:
Kann ich nicht beurteilen.
Müsste ich nackt sehen.
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Bernd Ziesche
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Beitrag von Bernd Ziesche »

Hallo Reverend :wink: ,
eine Meerforelle.

Glattes Wasser war meistens erfolgreich, wenn noch Resttrübung oder Strömung vorhanden war.

Glattes, klares und stehendes Wasser ist zumeist nicht besonders fängig in Punkto Meerforelle, so meine Erfahrung.

Gruß
Bernd
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Jomel
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Beitrag von Jomel »

Moin,

ich sehe es so wie Bernd, eigentlich wann immer es möglich ist, fische ich im Wind.
Und dem Reverend möcht ich zustimmen, dass es im späteren Frühjahr noch wichtiger wird, allerdings kann er ruhig etwas stärker sein, vor ner 5-6 laufe ich noch nicht weg ;) Dann gilt es halt nur, Plätze zu finden, an denen man noch gut fischen kann - frontal ist bei ner 6 schon zu hart.

Aber generell glaube ich zusätzlich gemerkt zu haben, dass die Fische oftmals im zeitigeren Frühjahr eher den hohen Wassertemps "hinterheraufen" die dann nicht immer mit der Windseite zusammenfallen müssen.
Im Herbst, Sommer und späten Frühjahr ist der Wind meiner Ansicht nach an Küstenabschnitten ohen allzu große Strömungsbereiche (tidenbedingte) die treibende Kraft. Wobei im Sommer gerade die ersten Tage nach Starkwinden es wirklich in sich hatten :l: Ist ja eigentlich auch klar, das Wasser hat (ausser im Hochsommer) meist Komforttemperatur und man sucht sich dann als Fisch halt die Ecke aus, wo es am nettesten zum Jagen ist. Leicht angestaubtes Wasser, oder eine Trübungskante in der Nähe, fischt dann am besten und je mehr Welle (bis zum bestimmten Grad) desto besser. Ich habe auch bemerkt, dass die Fische bei stark auflandigem Wind viel besser zupacken und oft regelrecht vollgestopft waren. Genial war in diesem Zusammenhang eine Forelle, die mir im Drill quasi einen ganzen Sandaalschwarm vor die Füße gekotzt hat :o
Aber natürlich gibts auch Außnahmen, ist ja immer so, aber für mich gilt auch einfach, dass ich ein viel fischigeres Gefühl im Wind habe. Allein schon deshalb würde ich nie freiwillig im Windschatten angeln. (eine Ausnahme: Im Spätsommer bei recht gutem Rückenwind unter der Steilküste, wenn oben gemäht wird... manchmal ;) )

So, wird Zeit, dass ich mal wieder loskomme :oops
Hampa? Kemizee!
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