Auch wenn darüber schon mehr als einmal diskutiert worden ist, möchte ich hiermit eine Kleinigkeit anhand meiner Beobachtungen etwas diversifizieren :
Dass eine eher schneller eingestrippte Fliege tendenziell eher zum Erfolg führt, kann man grundsätzlich so stehen lassen. Grundsätzlich bedeutet jedoch immer, dass es Verhältnisse geben kann, wo sich mit behäbig gezupften Fliegen vielleicht ein Schneidertag noch abwenden lässt. Es gab schon bei einer von BZ angestoßenen Diskussion einige Mitglieder, welche der Meinung von BZ aus eigenen Erfahrungen deutlich widersprachen, zumindest dass eine umfassende Pauschalisierung dieses Standpunktes unrealistisch ist.
Neben den äußeren Einflüssen (Wassertemp./Jahreszeit, aktuelle Wetter-/Nahrungsverhältnisse vor Ort) ist meiner Meinung nach auch die eigene Entscheidung über die Fliegenwahl einer der wichtigsten Faktoren, aus welcher sich die Entscheidung über die Einstrippgeschwindigkeit ergeben sollte.
Winterfischer werden mir am ehesten beipflichten, dass Variationen des Tempos in Grenzbereichen wichtig sind. Was mich jedoch deutlich stärker geprägt hat, waren Beobachtungen (1x im Frühjahr und 1x im Herbst) in zwei Fällen, wo MeFos langsam und entspannt in Grundnähe von Tangbüschel zu Tangbüschel schlichen, davor innehielten und ab und zu in diesem stocherten, wohl um Tangläufer abzuernten. Das war für mich eine willkommene Testsituation im Frühjahr, in deren Verlauf sich eindeutig zeigte, dass alles, was sich zu schnell und zu weit oberhalb der Fische bewegte, völlig ignoriert wurde. Sogar ein im Mittelwasser geführter Blinker hatte nicht einmal eine Scheuchwirkung, so vertieft waren die Fische beim Beobachten etwaiger Bewegungen innerhalb des Tangbüschels. Erst ein langsam über den Grund hüpfender Tangläufer konnte eine MeFo zum Anbiss verleiten. In der zweiten Situation befischte ich im Herbst ein ufernahes, tiefes Loch, welches selten enttäuscht. An diesem Tag wollte sich jedoch irgendwie nichts ergeben, obwohl die Verhältnisse, abgesehen von einem Kälteeinbruch, eigentlich akzeptabel waren. Nach mehreren Versuchen mit div. Fisch- und Garnelenimitationen im Oberflächen- und Mittelwasser, sollte eine Mysisimitation ihre Chance bekommen. Eine etwas kompliziertere Perücke in der RL zwang mich das Einstrippen solange zu verzögern, bis die Fliege schon auf dem Grund angekommen war. Beim ersten Anzug vom Grund hoch konnte eine 62cm MeFo den kleinen Happen nicht widerstehen.
Auf der anderen Seiten darf man nicht aus den Augen verlieren, dass BZ wahrscheinlich äußerst viel mit Samsökiller und BZ Toby fischt, wohl auch in der Absicht die eher größeren Fischfresser ans Band zu bekommen. Eine solche Fliegenwahl begrenzt den Ermessensspielraum für die Einstrippgeschwindigkeit so ziemlich auf 0, was meiner Meinung nach aber mit hoher Sicherheit nicht auf jede Fliege und Vor-Ort-Situation blind übertragen werden sollte (wer lässt schon eine Tangläuferfliege knapp unter der Oberfläche durch den fängigen Bereich sausen). Insofern hat für mich auch die langsamere Führung bestimmter Fliegen in bestimmten Situationen durchaus ihre Existenzberechtigung, auch wenn die Anzahl solcher Situationen im statistischen Vergleich wahrscheinlich deutlich in der Minderheit liegt.
TL & Petri für die Frühjahrssaison 2010
Chris
Einstrippgeschwindigkeit in Abhängigkeit der Fliegenwahl
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marmoratalover

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Einstrippgeschwindigkeit in Abhängigkeit der Fliegenwahl
I´ve been looking for f... äh ...seatrout !!!
Hi Chris,
ich stimme Dir zu: die Einholgeschwindigkeit ist abhängig von der Fliegenwahl. Diese ist jedoch abhängig davon,
welches Muster die angetüdelte Fliege darstellen soll.
Eine Mysis z.B. kann sich nie wie ein Schnellboot bewegen, ein Sandaal dagegen wird eher selten „auf der Stelle stehen“.
Insbesondere wird sich ein kleiner Fisch nur unwesentlich schneller gegen eine Strömung (als diese selbst) bewegen
als ein größerer, der mehr Kraft entwickeln kann.
Bei Reizfliegen spielt die Einholgeschwindigkeit wohl eher eine untergeordnete Rolle.
Grundsätzlich behaupte ich also: Je kleiner die Fliege, desto geringer die Einstrippgeschwindigkeit.

ich stimme Dir zu: die Einholgeschwindigkeit ist abhängig von der Fliegenwahl. Diese ist jedoch abhängig davon,
welches Muster die angetüdelte Fliege darstellen soll.
Eine Mysis z.B. kann sich nie wie ein Schnellboot bewegen, ein Sandaal dagegen wird eher selten „auf der Stelle stehen“.
Insbesondere wird sich ein kleiner Fisch nur unwesentlich schneller gegen eine Strömung (als diese selbst) bewegen
als ein größerer, der mehr Kraft entwickeln kann.
Bei Reizfliegen spielt die Einholgeschwindigkeit wohl eher eine untergeordnete Rolle.
Grundsätzlich behaupte ich also: Je kleiner die Fliege, desto geringer die Einstrippgeschwindigkeit.
Wir können den Wind nicht ändern -
aber die Wurfmethode anpassen.
Petri-Heil ~~ Alleweil
Klaus aus Eckernförde
aber die Wurfmethode anpassen.
Petri-Heil ~~ Alleweil
Klaus aus Eckernförde
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Acipenser
Wenn ich eine Mysis wie ein Schnellboot durchs Wasser strippe, kann sie nicht auch ein kleines Fischchen imitieren? Die Bewegung von kleineren Beutetieren zu imitieren, ist sowieso relativ schwer. Ich glaube, kaum jemand führt seine kleinen Tangläufer oder Mysiden in Echt-Geschwindigkeit.
Ich kann zwar nicht aus großartiger Erfahrung sprechen, behaupte aber: Es kann keinen generalisierten Zusammenhang zwischen Fliegengröße, -muster und Einstrippgeschwindigkeit geben.
Aus den Eigenschaften Größe, Form, Farbe, Einholgeschwindigkeit, -tiefe und Bewegungsmuster wird es wohl immer mehrere Kombinationen geben, die den Fisch ansprechen und mehrere, die zu dem Zeitpunkt nicht das Beutespektrum bedienen.
Ich kann zwar nicht aus großartiger Erfahrung sprechen, behaupte aber: Es kann keinen generalisierten Zusammenhang zwischen Fliegengröße, -muster und Einstrippgeschwindigkeit geben.
Aus den Eigenschaften Größe, Form, Farbe, Einholgeschwindigkeit, -tiefe und Bewegungsmuster wird es wohl immer mehrere Kombinationen geben, die den Fisch ansprechen und mehrere, die zu dem Zeitpunkt nicht das Beutespektrum bedienen.
Gruß Sebastian
Nur nicht die Nerven verlieren!
Nur nicht die Nerven verlieren!
Mich würde interessieren wie Ihr einen Tangläufer durchs Wasser zieht, diese machen ja eher kleinere ruckartige Bewegungen. Da ich ja leider noch nicht erfolgreich war, würde mich schon interessieren ob ich evtl. an meiner Einstrippmethode feilen muss.
Grüße,
doddsen
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doddsen
"Habe kaum Angelgerät im Haus und die Frau gibt das ganze Geld für Brot aus."
- Bernd Ziesche

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Moin Chris,
ich bin absolut kein Verfechter des grundsätzlich nur Schnelleinholens.
Da gibt es extrem viele Einflußfaktoren.
Manchmal muß die Fliege tief kommen...
Manchmal ist die Fliege sehr klein und soll z.B. einen Tangläufer imitieren....
Manchmal nimmt der Fisch die Fliege gar nicht, weil er sie fressen will...
Usw....
Um erst einmal eine gute Richtung zu haben, mit der man auf guten Fangerfolg hoffen darf, ist das schnelle Einholen in den meisten Situationen erfolgreicher.
Dabei spielen viele Faktoren wie eben auch das optimale Hakensetzen eine Rolle.
Ansonsten probieren ist immer gut. Ich würde hier mit der hohen Geschwindigkeit starten, weil man den Fisch eher mit der langsamen Führung vergraulen kann!
Beste Grüße
Bernd
ich bin absolut kein Verfechter des grundsätzlich nur Schnelleinholens.
Da gibt es extrem viele Einflußfaktoren.
Manchmal muß die Fliege tief kommen...
Manchmal ist die Fliege sehr klein und soll z.B. einen Tangläufer imitieren....
Manchmal nimmt der Fisch die Fliege gar nicht, weil er sie fressen will...
Usw....
Um erst einmal eine gute Richtung zu haben, mit der man auf guten Fangerfolg hoffen darf, ist das schnelle Einholen in den meisten Situationen erfolgreicher.
Dabei spielen viele Faktoren wie eben auch das optimale Hakensetzen eine Rolle.
Ansonsten probieren ist immer gut. Ich würde hier mit der hohen Geschwindigkeit starten, weil man den Fisch eher mit der langsamen Führung vergraulen kann!
Beste Grüße
Bernd
www.first-cast.de
Fliegenfischerschule
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