Farbe der (Intermediate-) Sinkschnur / Schußkopf

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Fjorden
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Farbe der (Intermediate-) Sinkschnur / Schußkopf

Beitrag von Fjorden »

Hallo,
ich greife mal Mirkos Anmerkung aus dem Intermediatethread auf, das eine braune, oder grüne Intermediateschnur Schatten wirft. Wie seht ihr das? Hat eine klare Intermediate Vorteile, oder spielt es keine Rolle, der viel gefischte Lawson (Shakespeare) Schußkopf ist z.B. grün? Spielt die Gewässertrübung und der Wellengang eine Rolle?, bei viel Wind und trübem Wasser kann man eine grüne oder braune Sinkschnur nehmen, oder nicht?
Gruß
Fjorden
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Fliegendose
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Beitrag von Fliegendose »

Hallo Fjorden

Die Farbe spielt meiner Meinung nach keine Rolle.
Klare Schnüre werfen übrigens genau so einen Schatten wie schwarze, da sie kein Licht durchlassen.
Hauptsache das Vorfach ist lang genug, dann klappt es schon.

Gruß
Mario
Ostsee-Silber

Beitrag von Ostsee-Silber »

Hallo Fjorden, ich wollte Dich nicht irritieren.

Ich habe aber ein paar Grundätze, die nicht richtig sein müssen, aber mein Vertrauen stärken. Und das liegt nicht nur in der Fliege, sondern auch in der Schnur und im Vorfach, halt alles, was in das Blickfeld der Meerforelle geraten könnte.

Das, also mein, Problem, ist eine dunkle Schnur, insbesondere, wenn sie sinkt. Mir fehlt einfach das Vertrauen und ich habe viele Stunden an der Küste mit einer dunklen Schnur gefischt, ohne Kontakt.

Was die Forelle sieht, ist wieder ein anderes tiefes Thema, aber im klaren Wasser der Ostsee ist sie sehr empfindlich auf grüne Farbtöne. Dazu kommt der Schatten, den aber nun mal jede Schnur wirft.

Aber die Forelle sieht es sehr wahrscheinlich anders, eine helle Schwimmschnur fällt weniger auf, trotz des Schattens, als eine Blaue. Auch Blau sieht sie sehr gut, da bin ich sicher.

Wenig Farbe, wenig Lichtbrechung, das kommt der Presentation der Fliege nur entgegen. Der Schatten bleibt, aber auch der Reiz der Nahrung.

Mein Intermediatekopf ist Grau oder Klar, eine andere Farbe wie Weißlich ist nicht zu bekommen, meine Schwimmschnüre dürfen auch mal Farbe haben. Hab nun seit einem Jahr einen aquablauen schwimmenden Kopf gefischt, der mir viele Fische brachte. Das war eine Ausnahme, weil sich das Taper so genial wirft.

Es ist nicht nur der Schatten, den eine Meerforelle sieht. Wir müssen versuchen, ihr Augenmerk so gut es geht auf die Fliege zu richten und sie nicht durch andere Farbstörungen davon abzuhalten. Die Ostsee hat zumeist klares Wasser und jede Farbe stört die "Ruhe" zwischen Grund und Oberfläche.

Ich habe mit hellen Leinen und klaren Poyleadern beste Erfahrungen gemacht, so wenig wie möglich sollte die Forelle von unserer Leine sehen, keine bunte Loop-on-Junction oder so Kram, da stehen die Hornhechte ja auf Rot und die sehen nicht schlechter als unsere Meerforellen, das sollte man vermeiden, meine ich.

Wie Mario schreibt, das Vorfach lang genug machen. Der Durchmesser der Fliegenschnur wirft den Schatten, ein langes dünnes Fluocarbon davor weniger. Lasst das Polyleader ruhig glänzen, es stört die Forelle nicht,weil sie die Quelle nicht erkennt.

Dann muß man nur noch die Meerforelle finden, die gerade hungrig ist.

Am Kanal kann man das sehr gut testen, ich habe hier meine Polyleader getestet. Glasklares Wasser, kaum Bewegung. Die Fliege muß runter, die Barsche stehen am Rande der Steinpackung. Ein braunes fast sink Polyleader, kein Biss, nur Nachläufer. Umbau auf ein klares Intermediate-Polyleader, davor Fluocarbon, aus dem Nachläufer wird ein Biss. Das war bemerkenswert.

Die Barsche sehen den Unterschied, die dunkle Schnur stört ihre Umgebung. Nicht viel anders sollten wir die Küste sehen.

Bei starker Wassertrübung sei es mal dahingestellt, aber ich benutze kein dunkles Vorfach und keine dunkle Fliegenschnur mehr, egal ob auf Barsche, Meerforellen oder Lachse.

Den Schatten einer klaren Intermediate oder Sinkschnur, die alte Wet Cel war klasse, kann die Meerforelle vielleicht nicht zuordnen, aber den dunklen Schatten einer Schnur und die dunkle Schnur, als Quelle des Schattens, sehen können, das mag weder Fisch noch Fischer, oder?
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janw
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Beitrag von janw »

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LG Jan
Ostsee-Silber

Beitrag von Ostsee-Silber »

Hallo Jan, das kann ich leider nicht sagen, der Kopf war ein "Special" von Troutcontrol.

Vielleicht erinnert er sich, beim letzten Bindetreffen habe ich ihn in Empfang genommen. :wink:
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TOBSN
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Beitrag von TOBSN »

Ostsee-Silber hat geschrieben:Hallo Fjorden, ich wollte Dich nicht irritieren.

Ich habe aber ein paar Grundätze, die nicht richtig sein müssen, aber mein Vertrauen stärken. Und das liegt nicht nur in der Fliege, sondern auch in der Schnur und im Vorfach, halt alles, was in das Blickfeld der Meerforelle geraten könnte.

Das, also mein, Problem, ist eine dunkle Schnur, insbesondere, wenn sie sinkt. Mir fehlt einfach das Vertrauen und ich habe viele Stunden an der Küste mit einer dunklen Schnur gefischt, ohne Kontakt.

Was die Forelle sieht, ist wieder ein anderes tiefes Thema, aber im klaren Wasser der Ostsee ist sie sehr empfindlich auf grüne Farbtöne. Dazu kommt der Schatten, den aber nun mal jede Schnur wirft.

Aber die Forelle sieht es sehr wahrscheinlich anders, eine helle Schwimmschnur fällt weniger auf, trotz des Schattens, als eine Blaue. Auch Blau sieht sie sehr gut, da bin ich sicher.

Wenig Farbe, wenig Lichtbrechung, das kommt der Presentation der Fliege nur entgegen. Der Schatten bleibt, aber auch der Reiz der Nahrung.

Mein Intermediatekopf ist Grau oder Klar, eine andere Farbe wie Weißlich ist nicht zu bekommen, meine Schwimmschnüre dürfen auch mal Farbe haben. Hab nun seit einem Jahr einen aquablauen schwimmenden Kopf gefischt, der mir viele Fische brachte. Das war eine Ausnahme, weil sich das Taper so genial wirft.

Es ist nicht nur der Schatten, den eine Meerforelle sieht. Wir müssen versuchen, ihr Augenmerk so gut es geht auf die Fliege zu richten und sie nicht durch andere Farbstörungen davon abzuhalten. Die Ostsee hat zumeist klares Wasser und jede Farbe stört die "Ruhe" zwischen Grund und Oberfläche.

Ich habe mit hellen Leinen und klaren Poyleadern beste Erfahrungen gemacht, so wenig wie möglich sollte die Forelle von unserer Leine sehen, keine bunte Loop-on-Junction oder so Kram, da stehen die Hornhechte ja auf Rot und die sehen nicht schlechter als unsere Meerforellen, das sollte man vermeiden, meine ich.

Wie Mario schreibt, das Vorfach lang genug machen. Der Durchmesser der Fliegenschnur wirft den Schatten, ein langes dünnes Fluocarbon davor weniger. Lasst das Polyleader ruhig glänzen, es stört die Forelle nicht,weil sie die Quelle nicht erkennt.

Dann muß man nur noch die Meerforelle finden, die gerade hungrig ist.

Am Kanal kann man das sehr gut testen, ich habe hier meine Polyleader getestet. Glasklares Wasser, kaum Bewegung. Die Fliege muß runter, die Barsche stehen am Rande der Steinpackung. Ein braunes fast sink Polyleader, kein Biss, nur Nachläufer. Umbau auf ein klares Intermediate-Polyleader, davor Fluocarbon, aus dem Nachläufer wird ein Biss. Das war bemerkenswert.

Die Barsche sehen den Unterschied, die dunkle Schnur stört ihre Umgebung. Nicht viel anders sollten wir die Küste sehen.

Bei starker Wassertrübung sei es mal dahingestellt, aber ich benutze kein dunkles Vorfach und keine dunkle Fliegenschnur mehr, egal ob auf Barsche, Meerforellen oder Lachse.

Den Schatten einer klaren Intermediate oder Sinkschnur, die alte Wet Cel war klasse, kann die Meerforelle vielleicht nicht zuordnen, aber den dunklen Schatten einer Schnur und die dunkle Schnur, als Quelle des Schattens, sehen können, das mag weder Fisch noch Fischer, oder?
Moin,

meine schwarze Fireline hat noch kaum eine Trutte gestört und mit dunklen Fliegenschnüren fange ich gut. Der Lawson ist dunkel und fängt verdammt viele Fische. Ich glaube nicht dass die Trutten sich an soetwas stören. Beim Trolling werden Lachse oft genug im Schraubenwasser gefangen und wenn ein sich drehender Propeller nicht die Störquelle hoch zehn ist, dann weiß ich's auch nicht... IMHO ist die Farbe nicht entscheidend, ich fühle mich jedoch mit einem dunklen Grün oder Braun am wohlsten. Das entspricht eher dem natürlichen Umfeld einer Meerforelle. Ich will damit sagen, dass in der Ostsee genug dunkler, langer Kram rumschwimmt um einer Forelle bekannt vorzukommen...

T
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Vossi
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Beitrag von Vossi »

TOBSN hat geschrieben:.......in der Ostsee genug dunkler, langer Kram rumschwimmt um einer Forelle bekannt vorzukommen...

T
Moin Mr. T.

das ist mit Abstand die einfachste und verblüffenste Feststellung, die ich seit langem gelesen habe. Ich fand das eigentlich immer zu banal :oops

Schön zu wissen, dass ich nicht allein bin :wink:
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Bernd Ziesche
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Beitrag von Bernd Ziesche »

Guten Morgen :wink: ,

Lärm von vorbei fahrenden Booten stört die Meerforelle in vielen Fällen nicht. Ich habe oft Meerforellen gefangen, nachdem kurz zuvor ein Boot über die Fangstelle gefahren ist. An vielen Stellen wären die Meerforellen ansonsten - aufgrund des permanenten Lärms unter Wasser, nur noch auf der Flucht.
Hier und da wird es dennoch mal eine Meerforelle aufschrecken, wenn ein Lärmgeräusch entsteht.

Die Scheuchwirkung der Fliegenschnur bei der Karibikfischerei ist unbestritten. Man sieht oft, wie Fische - vom Schattenwurf der Fliegenschnur aufgeschreckt, flüchten.
Meines Wissens stammt aus diesem Bereich die Idee der klaren Schnur. Nämlich um die Stärke des Schattenwurfs zu reduzieren, und um die Schnur selbst mit einem abgeschwächten Kontrast auszustatten.
Wenn man die Clear-Schnur neben einer dunkelgrünen Schnur in die Badewanne legt, wird der Unterschied schnell klar.

Bei der Merforellenfischerei an der Ostsee sehe ich schon hier und da einmal eine Meerforelle, die ich mit dem Ablegen meiner Schnur aufgeschreckt habe. Es ist unverkennbar: die Schnur senkt sich sanft auf das Wasser und ein blitzartiger Schwall verrät die (unter der Schnur) aufgeschreckte Meerforelle.
Nun stehen allerdings die meisten Meerforellen nicht so dicht an der Oberfläche, dass ich sie sehen könnte, wenn sie aufgeschreckt werden.
Insofern gehe ich davon aus, dass ich nur einen (den erheblich kleineren) Teil dieser Meerforellen entdecke.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Situationen (ich meine die deutliche Mehrheit), in denen die Meerforelle von der Schnur nicht aufgeschreckt wird. Den plötzlichen Schwall habe ich fast immer bei sehr ruhiger Oberfläche gesehen.
Dies kennt man auch vom Meeräschenfischen. Manchmal kannst Du die Fliegenschnur immer und immer wieder mitten in den Schwarm legen und manchmal sind sie extrem schreckhaft.
Die Antwort ist also kein einfaches ja oder nein, als vielmehr situationsabhängig.

Beim Fischen mit der farbigen Schnur habe ich kein ungutes Gefühl. Ich verwende aber zumindest ein langes und dünnes monofiles Vorfach am Ende der Fliegenschnur (mind. größer Rutenlänge).
Man kann auch Meerforellen fangen, indem man 80cm monofiles Vorfach hinter einer farbigen Fliegenschnur fischt, so das Testergebnis eines Freundes, der kein Vorfachmaterial mehr zur Hand hatte. Ich denke allerdings, dass es in einigen Situationen klar von Nachteil ist.

Fazit:
Mit der klaren Schnur ist man sicher nie im Nachteil.
Mit der farbigen Schnur und einem "langen & dünnem" Vorfach habe ich in den meisten Situationen kein schlechtes Gefühl beim Fischen an der Ostsee.

Gruß
Bernd
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bobbel76
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Beitrag von bobbel76 »

Die Farbwahl wenn es nicht gerade Neon ist halte ich für völlig überbewertet, der Lawson ist mM der Beste Sk für die Fischerei an der Küste.Der wird von hunderten gefischt und fängt. Wie Mario schon sagte Transparente werfen ebenfalls Schatten.
Vielmehr würde ich mich um ein langes Vorfach den Kopf zerbrechen, welches möglichst gestreckt sanft aufsetzt,so das die Fliege sofort anfängt zu fischen.
Eventuell vorher das Wasser zu beachten und nicht gleich bis zur Halskrause ins Wasser zu laufen, nicht unnötig viele Leerwürfe und nicht Platscher mit der Fliegenschnur zu verursachen.
Dann bin ich mir ziemlich sicher macht ein dunkler Farbton der Schnur kein Prozent über Erfolg und Misserfolg aus.
Ostsee-Silber

Beitrag von Ostsee-Silber »

Bobbel hat geschrieben:Dann bin ich mir ziemlich sicher macht ein dunkler Farbton der Schnur kein Prozent über Erfolg und Misserfolg aus.
Hallo Bobbel, das sehe ich anders, aber das ist ja auch gut so.

Wie Bernd schreibt, kommt es sicher auf die Situation an sowie auch auf die Verhaltensweise des Anglers, wie Du schreibst, alles greift ineinander.

Auch Tobsn hat recht, finde ich, schön pauschal auf den Punkt. Seegras ist Grün, Tang hat bräunliche Töne. Ein mineralienhaltiger Fluss in Norwegen hat sehr viele braune Töne und eine braune Fliege passt sehr gut in diesen Bereich, sowie eine grünliche Fliege sehr gut zum Küstenfischen passt, finde ich.

Viel mehr Wert legen wir auf die Farbe der Fliege, aber warum, wenn die Farbe der Schnur ja auch fast egal ist?
Warum fängt die eine Fliege mit ihren Farben besser als eine andere, warum ... aber das kann man vermutlich nicht so vergleichen.

Andersrum, eine kleine Magnus wirft einen kleinen Schatten und diesen registriert die Meerforelle auch, wenn sie gerade im Seegras döst, doch kommt sie wegen eines Snacks hoch? Einen größeren schnellen Schatten, den eines schnell geführten Sandaals, registriert sie noch schneller, denke ich und wird ebenfalls aktiv oder nicht.

Ich persönlich bin überzeugt, dass sich eine Ausprägung der Jagdsinne unserer Meerforellen auch auf den Schatten der Beute ausdehnt, sie findet kleinste Jungfische im dichten Seegras und lokalisiert über Schatten, Bewegung und dann erst die Optik. Jeder winzige Stichling verrät sich im dichtesten Grünzeug durch die Reflektion seiner Augen, ebenso der junge Plattfisch, von dem nur die Augen aus der Sandbank hervorschauen. Beim Plattfisch fehlen die Punkte Schatten und Bewegung, zumindest solange er nicht flüchtet.

Weiterhin denke ich, es kommt auf die Situation bei der Nahrungssuche an. Ist die Meerforelle Grundorientiert, stört die Fliegenschnur vielleicht weniger, egal welche Farbe sie hat. Jagt die Meerforelle oberflächennah, stört sie ein Schatten vielleicht eher, eventuell wird sie sogar zusätzlich durch die Fliegenschnur, das „Platschen“, animiert?

Jede Störung der Oberfläche kann dazu führen, den Fisch zu verschrecken, muß es aber auch nicht, situationsbedingt. Und ich denke, auch jede Störung unter Wasser, wie eine schwarze Sinkschnur, kann die Forelle zur Flucht verleiten.

Ein Beispiel aus dem letzten Urlaub, ich stehe vor drei Wochen bei schönstem Sonnenschein und Niedrigwasser auf einer Sandbank, das Wasser ist glasklar und vor und neben mir wechseln sich Seegras mit Tang ab, der helle Sandboden wird durch die Sonne aufgehellt.
Eigentlich fische ich nicht richtig, sondern schaue mir die Bedingungen bei Niedrigwasser an und laufe die Sandbänke ab, da schwimmt eine etwa 60er Forelle seelenruhig vor meinen Watschuhen her.

Ganz langsam zieht sie über die Bank, der Kopf geht mal nach links, mal nach rechts, sie sucht, sie ist aktiv. Ich kann nicht werfen, so nah ist sie, wie die Fliege in ihre Bahn legen? In diesem Moment flüchten ein paar kleinere Sandaale aus dem Sand, aber die Forelle reagiert nicht, sie zieht weiter und ist nun etwa zwei Meter neben mir. Was sucht sie? Ich fühle mich gerade mit meiner kleinen Garnele am Band ganz wohl, obwohl ich eher auf Sandaale getippt hätte.

Ich versuche zu schwippen, die Schnur nur sanft abzurollen, in ihre Bahn, die Fliege soll vor ihr am Grund sein, dann zupfen, so denke ich gerade, als der Schatten der Rutenspitze und der Schnur über ihrem Kopf auf die Oberfläche gelangt.

Sie ist in bester Kondition, wie ich sehe und so schnell kann ich ihr nicht nachschauen, wie sie abdampft. Das war eine klare Situation, der Schatten hat sie erschreckt, er war unnatürlich, passte nicht auf die Sandbank. Dabei war nur die Spitze der Schnur aus den Ringen und der Schatten des Polyleaders hat ausgereicht, um diese Chance nicht verwerten zu können.

So meint es Bernd wohl, in dieser Lage war die Reaktion der Meerforelle deutlich, es war wie im Aquarium und es war eindeutig mein Fehler, dazu die Sonne schön hoch im Rücken. Wie oft aber sehen wir die Fische nicht, wenn wir sie verschrecken? Wieviele Fische flüchten an einem Tag an der Küste, wenn der erste Wurf sofort auf Distanz geht? Es ist womöglich besser, dies nicht beantworten zu können.

Ein zweites Beispiel, vor zwei Jahren auf Fyn im Herbst. Ich stehe wieder auf einer Sandfläche und werfe über eine Seegraswiese. Dort hatte ich eine Forelle ausmachen können, die sich nahe der Oberfläche verraten hatte. Wieder steht die Sonne hoch, schräg neben mir, mein Schatten und der meiner Rute fällt links ins Wasser, während ich halbwegs geradeaus werfe. Ich habe eine bunte Magnus am Band und die Forelle kommt, sie folgt der Fliege. Ein dicker fetter Herbstfisch, der schon vollgefressen ist und nur halbwegs Interesse zeigt. Aber er kommt, ich erkenne seinen Laichhaken und will gerade die Fliege wegziehen, da stoppt er, er stoppt genau an der Kante, dem Übergang vom Seegras zum Sand, kein Schatten von mir ist sichtbar, glaube ich, aber mein Vorfach.
Wieder ein klares Polyleader mit einer Spitze aus Fluocarbon, doch ich selbst erkenne klar den Schatten auf der Sandfläche, den die Kombi wirft und die Forelle hat es meines Erachtens nach auch erblickt. Über dem Seegras ging der Schaten wohl unter, bzw. störte den Fisch nicht, aber über dem Sand kam ihm das wohl komisch vor. Er drehte ab.

Ein drittes (und letztes) Beispiel, ich hatte mal eine schwimmende quietschorangene WF und davor ein dunkelbraunes fast sink Polyleader. Auch wieder Sonne auf einer Sandbank und ich bekam drei Fische, deren Bisse ich mit ansehen konnte, trotz des klaren Schattens der Kombi.
Bernd Ziesche hat geschrieben:Fazit: Mit der klaren Schnur ist man sicher nie im Nachteil.
So könnte das Fazit aussehen, aus meiner Sicht könnte es lauten, in mancher Situation hilft auch die schönste Fliege nicht, in einer anderen Situation entscheidet die Schnur und das Vorfach über den Erfolg. Und die Plazierung zur Sonne, zum Mond, die Weite des Wurfes, die Einholgeschwindigkeit, die Konzentration der Meerforelle auf eine bestimmte Nahrung und so weiter.

Deshalb habe ich mich für das Fischen an der Küste entschieden und habe zum größten Teil andere Fischereien vernachlässigt. Weil es immer wieder eine neue Situation gibt und man für die Küste kaum ein Ja oder Nein finden kann, wie beim Fischen auf Lachs. Aus meiner rein persönlichen Sicht natürlich.
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knoesel
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Beitrag von knoesel »

Es ist bekannt, dass hohe Schalldruckpegel Fische erschrecken bzw. erheblich stören. Deshalb wurden einige, in der Ostsee geplante, Speedboat-Races abgesagt. Hohe Schalldruckpegel entstehen durch z.B. schnell drehende Schrauben und/oder durch das Aufschlagen von Booten auf die Wasseroberfläche (RIBs).
Deshalb vermeide ich das Fischen, wenn die Minentaucher oder Kampfschwimmer in der ECK-Bucht mit ihren schnellen Booten üben und zusätzlich Hubschrauber einsetzen. Auch der Schalldruck der Rotorblätter von Helos überträgt sich nämlich ins Wasser (die kann man sogar im getauchten Uboot hören). Ich solchen Manöverzeiträumen habe ich im Bereich Robinsonhütte noch nie eine MeFo gefangen.

Ins Wasser fliegt ständig allerlei – auch buntes - Zeugs, das Fische gerne auf „Nahrungstauglichkeit“ untersuchen und häufig sogar sofort danach schnappen. Das haben wir schon oft erlebt. Platscht allerdings ein 30 gr schwerer F-Schusskopf mit einer ungewohnten Farbe, wie z.B. hellblau, in der Nähe oder über einer MeFo ins Wasser, dann wird sie sich vermutlich erschrecken und flüchten, zumal der lange Schatten zusätzlich nicht in die Umgebung passt.

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob die hellblaue Farbe des o.g. schwimmenden Schusskopfs gegen den Himmel evtl. doch nur als Dunkelgrau erkannt wird, eine Farbe, die während der Nacht vorherrscht und also bekannt sein dürfte?

Ich gehe mal davon aus, dass die Schnurhersteller untersucht haben, welche Farben unsere Zielfische stören und welche nicht. Die Farben der Schnüre dienen m.E. nach der besseren Unterscheidung der einzelnen Kategorien und unterliegen evtl. sogar der Mode. Aus meiner Anfängerzeit besitze ich z.B. noch grüne Parallel-Schnüre (L7F) für meine ersten (aus DT geschnippelten) Schussköpfe; diese Level-Schnüre nennt man heute running-lines und erhält sie meist nur noch in den Farben Gelb und Orange. Warum eigentlich?

Also: Spielt die Farbe einer Schnur wirklich eine so große Rolle? Warum keine roten Schnüre, wo doch bekannt ist, dass diese Farbe mit der Tiefe als erste „verschwindet“? Ich meine, nur für sinkende Schnüre, nicht jedoch für schwimmende spielt die Farbe der Schnur eine (wenn auch kleinere) Rolle. :wink:
Wir können den Wind nicht ändern -
aber die Wurfmethode anpassen.
;)
Petri-Heil ~~ Alleweil
Klaus aus Eckernförde
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Polar-Magnus
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Beitrag von Polar-Magnus »

knoesel hat geschrieben:Also: Spielt die Farbe einer Schnur wirklich eine so große Rolle? Warum keine roten Schnüre, wo doch bekannt ist, dass diese Farbe mit der Tiefe als erste „verschwindet“? Ich meine, nur für sinkende Schnüre, nicht jedoch für schwimmende spielt die Farbe der Schnur eine (wenn auch kleinere) Rolle. :wink:
An dieser Stelle gelangen wir zu einer quälenden Frage, die seit einiger Zeit immer noch unbeantwortet über dem LMF kreist:
...meine neue Fliegenschnur ist rot.....könnte es sein,dass sie giftig ist?
Sorry, musste hier sein... 8)

Ingo :wink:
Ein Fliegenfischer ist manchmal glücklich, aber nie wunschlos.

Du bestimmst das Ziel, du bestimmst den Weg und du bestimmst die Regeln. Es ist dein Spiel, dein Leben.
Zitat von gonefishing aus seinem sagenhaften Patagonien Reisebericht.
Fjorden
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Beitrag von Fjorden »

Hallo,
vielen Dank für die bisherigen Antworten, Mirko deine Barschbeobachtung gibt mir auch zu denken, bisher habe ich bei Zandern keine Scheu festgestellt, die Hechte fallen da mal raus, die stört tatsächlich wenig.
Problem könnte bei einer auffälligen Sinkschnur, und da glaube ich sind die klaren doch unauffälliger, sein das die Schnur über Fische gezogen wird und da fällt eine grüne oder braune Sinkleine doch auf. Wenn die Fische ihre Konzentration jedoch auf die Fliege ausgerichtet haben spielt die Farbe m.E. tatsächlich keine Rolle.
Bei den Schwimmschnüren fühle ich persönlich mich mit Weißen wohler, obwohl es dort m.E. nur eine geringe Rolle spielt.
Mirko warum ist die alte Wet Cel 1 so toll?
Grüße
Torsten
Ostsee-Silber

Beitrag von Ostsee-Silber »

Hallo Torsten, warum die so toll ist, kann ich gar nicht genau erklären.

Sie gefällt mir einfach, habe sie aber leider inzwischen zu kurz geschnibbelt, um sie auf der 8er Rute zu fischen, schade. Ihr neuer Platz ist die 6er Rute, die nur etwas zu weich ist dafür.

Hast Du noch eine 8er oder 9er Wet Cel abzugeben? 8+)
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Bernd Ziesche
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Beitrag von Bernd Ziesche »

Hallo :wink:

Wenn man einmal gesehen hat, wie der Schattenwurf einer Fliegenschnur einen Tarpon zu einer leicht unruhigen Bewegung veranlasst, sich diese Bewegung danach wie eine Schockwelle durch eine Fussballfeld-große Schule mit 200 Fischen um die 80-150 Pfund schwer fortsetzt, hat man keine Zweifel mehr, ob es heikle Situationen gibt.
Beim Tarpon schwimmt wie bei den Wildgänsen der älteste und erfahrenste Fisch vorweg. Kommt der Schatten der Schnur, weiß er was die Stunde geschlagen hat.
Sowas konnte ich gleich mehrfach erleben. Das Ergebnis jedesmal das gleiche: Nicht ein Anbiß trotz massenweise Fisch, welche die Fliege danach passierten.
Die Bisse kamen immer dann, wenn kein Fisch vom Schatten aufgescheucht worden war.
Gleiches gilt für das Fischen auf Jacks, Barracudas, Bonefishe und etliche andere Sorten.

Gut das Wasser im karibischen Bereich ist extrem klar.

Dennoch ist es auch bei uns zumindest klar genug, um dass die Fische den Schatten oder die Schnur wahrnehmen können.
Und eine Reaktion in negativer Form konnte ich etliche Male im laufe der Jahre eindeutig beobachten.

Wie oft dies passiert, bleibt im Verborgenen. Und das ist auch gut so, sonst hätten wir jetzt weniger zu schreiben :grin: !

Gruß
Bernd
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