Tourtagebuch Saltfjell 2020

Hier sind es vor allem die Lachsflüsse, die viel locken. Mandal, Gaula, Orkla, Namsen und viele weitere Flussläufe halten mächtige Fische bereit. Allerdings hat Norwegen mit seinen Fjorden und Küsten weitaus mehr zu bieten - schreibt darüber.
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Hawk
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Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Hawk »

Dieses Jahr sollte es eigentlich für eine 3-wöchige Tour nach Kanada sowie 10 Tage auf die Maledieven gehen.
Corona hat dem ganzen leider einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht.

Als Alternative hatte ich dann mehrere Touren für Norwegen und Schweden geplant, entweder allein oder mit meinem kumpel Nicki, im Notfall auch mit der Option nach Rückreise in Quarantäne zu gehen.
Als Norwegen dann verkündete das im August die Grenzen offen sind entschieden wir uns schließlich fürs Saltfjell, eine Tour die ich so schon länger auf dem Zettel hatte, allerdings u.a. weil man sie gut mit Flugzeug + Bahn erreichen kann und so um die elendig lange Anfahrt herumkommt.
Aufgrund von Corona entschieden wir uns dann aber doch gegen Flugzeug und für das Auto, die Anreise erfolgte nicht durch Schweden, was zu diesem zeitpunkt noch etwas problematisch war sondern über Dänemark mit der Fähre Hirtshals Larvik.

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Unsere Tour solle an der Dunderland Bahnstation nordwestlich von Mo I Rana starten, von da aus 12km an der Straße entlang und dann für 60km ziehmlich genau Richtung Norden, die meiste zeit entlang eines Flusses allerdings mit einem Abstecher an einige hoch gelegene Bergseen. In Røkland sollte die Tour dann Enden und von da aus mit der Bahn zurück nach Dunderland.

13.08.2020
Nach einem ausgiebigem Frühstück prüfe ich zum bestimmt 5 mal meine Packliste und kontrolliere ob wirklich alles dabei ist.
Anschließend wird der ganze krempel ins auto geschleppt und es geht los, zunächst Richtung Kiel nochmal meine Eltern besuchen und anschließend die letzten nötigen Einkäufe bei einem seriösen Tackle Dealer in Kiel tätigen.
Gegen 15 uhr sammel ich Nicki ein, auch sein gepäck wird verstaut (unglaublich wieviel Krempel man für 2 Wochen mitschleppt) und dann gehts los Richtung Hirtshals.
An der Dänischen Grenze werden wir rausgewunken und müssen Fährtickets sowie einen Übernachtungsnachweis für Norwegen vorzeigen ( Ich hatte extra dafür 2 tage in einem sehr günstigem Hotel gebucht) dürfen aber ohne probleme weiterfahren.
Gegen 21 uhr sind wir in Hirtshals, 1 Stunde später sind wir auf der Fähre. Wir haben Schlafsessel gebucht, die sind aber ziehmlich unbequem, ich lege mich nach einigem hin und her lieber auf den Boden und versuche zumindest etwas schlaf zu bekommen. Die wenigen Mitreisenden im Schlafraum machen das aber leider nicht einfach, alle paar min macht ein Handy Geräusche, einer ist laut am Schnarchen einige unterhalten sich und hin und wieder furzt einer laut :evil: :evil: :x :+x.

14.08.2020
Um 2 uhr morgens kommen wir in Hirtshals an. Die ersten 4h darf ich jetzt fahren danach wechsle ich mit Nicki.
Mit viel Koffein geht das so halbwegs gut, wobei die zeit sehr langsam vergeht und man ja leider auch nicht sonderlich schnell fahren darf.
Gegen 6Uhr übernimmt Nicki und ich darf erstmal schlafen.
Unsere erste Mission ist die leider vorgeschriebene Desinfektion unseres Angelgeräts. im voraus hatte ich mich da ja schon schlau gemacht und so fuhren wir das Nature Center an der Gaula an. Hier ist eine Desinfektion auch möglich, aber leider nur wenn man auch in der Gaula fischen möchte. Uns wurde aber eine Adresse genannt die für Desinfektionen an unserem Gewässer zuständig ist.

8 Stunden später gegen 18 uhr kommen wir auch dort an und sind schon happy das wir es fast geschafft haben. Der Campingplatzbesitzer der unser gerät desinfizieren soll gibt uns aber zu verstehen das er dafür leider gerade keine zeit hat und wir doch morgen wiederkommen sollen.
Wir geben ihn zu verstehen das daseigentlich nicht unser Plan ist und er nennt uns eine andere Desinfektionsstation, kann uns aber keine genaue Adresse nennen sondern schickt uns zu einer tanke an der wir Fragen sollen, die können uns den Weg beschreiben.
Also wieder 25min Fahrt zurück, an der Tankstelle weiß natürlich niemand was. :evil:
Wir fragen uns durch den Ort und versuchen online Infos zu finden aber nichts.
Eine Stunde später sind wir wieder am Campingplatz.
Der Besitzer sagt uns das er sich um Gäste kümmern muss er wäre so in einer halben Stunde für uns da.

Wir bereiten unser Abendessen zu, vor unserer Nase ein hübscher Lachsfluss der aber nicht befischt werden darf.

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Anderthalb Stunden später geht es dann endlich los, unsere gesamte Angelausrüstung wird mit dem Desinfektionsmittel getränkt. Die Fliegen in meiner Box finden das nicht so toll.
dafür haben wir endlich die Papiere in der Hand. Der Campingplatzbesitzer bekommt als Dankeschön noch 2 Flaschen Bayrisches Helles von einer kleinen Bräuerei über die er sich sichtlich freut.

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Von hier aus sind es nochmal 20 min Autofahrt die wir nutzen um unsere Fliegen zu trocknen.

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Unser Plan war eigentlich unsere Rucksäcke am Einstiegspunkt der Tour zu deponieren, zur Dunderland Station zurückzufahren, dort das Auto zu parken, die 12km an der Straße zurückzulaufen, dann 3km in die Wildnis und dort das zelt aufbauen.
Da es jetzt allerdings schon fast 22 Uhr ist verwerfen wir diesen Plan, parken stattdessen direkt am Einstieg, setzen uns nochmal an den Fluss und trinken ein oder zwei Bier und schlafen anschließend im Auto. Von hier aus haben wir schon einen guten Ausblick auf den beginn der Tour, in den Bergen sieht es noch ziehmlich kalt aus...

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Toddy
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Toddy »

Mehr mehr mehr :+++:
Freue mich schon auf die Fortsetzung.
Danke für's mitnehmen Hawk.

Greez Toddy
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Reverend Mefo
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Reverend Mefo »

Sven Du elender Sadist ;)
Los Paul!
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jjörg
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von jjörg »

:wink: :+++: das fängt ja schon mal gut an.....

und weiter geht's
JJ :zsch:
Wenn die Mefo ne Kuh wäre hätten wir mehr
Milch
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Fazer
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Fazer »

Reverend Mefo hat geschrieben:Sven Du elender Sadist ;)
:lol:
Ja los, quäl´ uns nicht so ;)
Gruß
Nico

Ich kann mich dem Wasser nicht entziehen (AdMeeF) Bild
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Hawk
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Hawk »

15.08.

Am nächsten morgen wachen wir bei Nieselregen auf, Frühstücken, ich nehme noch ein schnelles Bad im Fluss, dann ziehen wir unsere Wanderklamotten an (zu zweit in einem kleinen Kombi garnicht so einfach).

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Schnell noch unsere Sachen zusammengepackt, das Auto halbwegs aufgeräumt und dann geht es los. Ich lege mir noch einen Müsliriegel für die erste Pause raus und packe ihn kurz aufs Autodach während ich den Rucksack aufsetze.

Über den Fluss, einige 100m entlang der Bahnlinie und dann sind wir auch schon mitten in der Wildnis.

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Wir müssen zunächst 250 Höhenmeter aufsteigen und dann parallel zum Fluss laufen.
Die Vegetation ist allerdings deutlich höher und dichter als erwartet, wir kommen nur extrem langsam voran, mehrmals rutschen wir in den dichten Pflanzen aus weil wir irgendwo hängen bleiben auf einen glatten Stein oder in ein Loch treten.

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3 Stunden später haben wir die ersten 2km geschafft, dann wird die Vegetation langsam etwas offener und Sumpffelder ermöglichein ein schnelleres vorankommen. Hin und wieder gibt es leider trotzdem nochmal Bereiche mit dichtem Gebüsch. Ich denke mir das ich jetzt gut den Müsliriegel vertragen könnte und stelle fest das der vermutlich noch auf dem Autodach liegt.
Die nächsten 2 Wochen wird heiß diskutiert ob er dort noch liegen wird wenn wir zurück sind :lol:

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Um 15 Uhr sind wir völlig fertig, der vor uns liegende Abschnitt sieht wieder deutlich beschwerlicher aus, also entscheiden wir uns das Zelt aufzubauen. Nach einigem suchen finden wir am Rand eines Sumpfeldes einen halbwegs trockenen und ebenen Platz.

Wir sind auch nur 100m Luftlinie vom Fluss entfernt, leider sind der Großteil dieser 100m senkrecht runter.

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Zum Angeln und Wasserholen müssen wir dann nochmal 1km laufen, was ohne den schweren Rucksack deutlich angenehmer ist.
Der Fluss läuft hier durch eine Schlucht, der Weg zum Wasser ist eine ordentliche Kletterei.

Wir schaffen es heil zum Fluß runter und fangen an die wenigen ruhigeren Bereiche zwischen dem tosenden Weißwasser zu befischen. Die ersten Forellen lassen auch nicht lange auf sich warten, allerdings nur ungefähr handlange Fische, größere zeigen sich nicht.

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Wir klettern soweit es geht am Fluss entlang, irgendwann wird uns die Sache aber zu gefährlich und wir geben auf.
Auf dem Rückweg füllen wir noch an einem kleinen Bach unsere Wasserbeutel auf dann geht es zurück zum Zelt.

Auf einem kleinen Hügel machen wir Rast und versuchen die beste Route für die morgige Tour herauszufinden.

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Das Ziel für den nächsten Tag liegt hinter dem Bergrücken auf der rechten Seite.
Unser Plan ist morgen noch weiter aufzusteigen um so die dichte Vegetation und die Bäche zu umgehen und dann am Bergrücken entlangzulaufen.

Nach einem schnellen Abendessen geht es ab ins Zelt.
Zuletzt geändert von Hawk am 26.10.2020, 07:28, insgesamt 1-mal geändert.
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raku
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von raku »

Dat riecht ja mal wieder nach ner megageilen Tour :+++: . Bitte ganz schnell fortsetzen :wink:

Grüße auss'em Pott
Ralf
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Ned Flanders
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Ned Flanders »

Geil, ein Müsliriegel als Cliffhanger :+++: :+++: :+++:
Vielen Dank!
Ich möchte nochmal dasselbe wie er sagen - aber etwas umständlicher.
tyfly
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von tyfly »

Super Bericht, danke. Gerade jetzt, wo niemand so richtig loskommt.
VG
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Josi
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Josi »

Danke für den Bericht in trüben Tagen :+++:
Grüße
Josi
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Hansen fight
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Hansen fight »

Bitte,bitte wann gehts denn weiter :q:
Fliegenfischen macht froh.Fliegenbinden ebenso.
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OnnY
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von OnnY »

Absolut genial und toll getippselt Sven.... :l: :+++:
Gruss Andreas
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superfredi
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von superfredi »

Schön geschrieben! :+++:
Bitte weiter mit dem Bericht ! Abenteuer pur...... :l:
Go go go

Ps ...mein Tipp : der Müsliriegel liegt noch auf dem Dach - was sagt Ihr ?
Zuletzt geändert von superfredi am 28.10.2020, 14:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Hawk
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Hawk »

superfredi hat geschrieben:...mein Tipp : der Müsliriegel liegt noch auf dem Dach - was sagt Ihr ?
Zusatzinfo: Das Auto stand auf einem gut frequentiertem Rastplatz an der E6 ;)
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Athlord
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Re: Tourtagebuch Saltfjell 2020

Beitrag von Athlord »

Hawk hat geschrieben:
superfredi hat geschrieben:...mein Tipp : der Müsliriegel liegt noch auf dem Dach - was sagt Ihr ?
Zusatzinfo: Das Auto stand auf einem gut frequentiertem Rastplatz an der E6 ;)
Dann wurde der Müsliriegel aufgegessen und die leere Verpackung + ein Zettel mit Dankschgön auf dem Autodach platziert.... :grin:

Und ward Tied!
Fortsetzung bidde....
Ich danke allen, die nichts zur Sache beizutragen hatten und trotzdem geschwiegen haben!
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