Kola Peninsula - Ponoi

Bei Osteuropa fällt den meisten zuerst Slowenien mit seinen türkisen Flüssen ein. Im Osten gibt es aber auch einige andere teilweise unentdeckte Traumreviere, über deren Erkundung es sich zu berichten lohnt.
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troutcontrol
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Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von troutcontrol »

Samstag, 14. Juli 2012

Was für ein traumhafter Start!!

Es ist 17:00 Uhr. Ich schwitze wie Sau. Der Weg vom Zelt zum Lower Home Pool war doch weiter war als gedacht und Temperaturen von jenseits der 20° C auf der einen Seite und Fleece Klamotten auf der anderen Seite vertragen sich ganz wunderbar. Meine linke Hand ist blutverschmiert, der linke Ringfinger suppt immer noch vor sich hin, weil ich beim Entfernen des Kabelbinders am Rutenrohr mit dem Messer abgerutscht bin - nur 2 cm lang, dafür aber schön tief.

Um mich herum schwirren ungefähr 50 Mozzys. Ich trage einen Moskitohut, was recht nett ist - aber wie soll ich jetzt zum Knotenbinden meine Brille aufsetzen? Und Rauchen??? Ich werd narrisch, diese Scheiß-Viecher sind so schnell, es ist zum Verrücktwerden! Während ich hastig die Fliege anbinde, wird mir klar, warum der Lower Home Pool so heißt wie er heißt - ich befinde mich am unteren Ende der Strecke, da, wo man wieder aus dem Wasser steigt, wenn man den Pool durchgefischt hat, sehr schlau von mir!! Durch den Schleier meines Hutnetzes (welches ich danach nie wieder trage - wie Mawill mir schon sagte: Man sieht zu wenig, zumindest bei meinem Modell) sehe ich immerhin, dass weiter oben mindestens 3 Fische gefangen werden - aber da jetzt hin laufen? Ach nee, es gibt auch bald Abendessen und das ganze schreit hier sehr nach einem Restart nach dem Abendessen.

Ich mache ein paar Würfe (ohne die Rute zu zerbrechen oder ins Wasser zu fallen) und ziehe mich dann in Würde zurück - in mein Zelt im Ryabaga Camp!!


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troutcontrol
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von troutcontrol »

Alles wird gut, rede ich mir ein, als mich nach dem opulenten 5-Gänge Menü rein zufällig :oops am oberen Ende des Homepools wiedereinfinde: Im Anschluss an die Begrüßung durch den Camp-Manager wurden die Bootsbesatzungen bekannt gegeben - ich bin nicht nur mit Thomas, der schon an definitiv allen Lachsflüssen dieser Erde gefischt hat und den ich bereits aus dem Flieger kenne, zusammen im Boot, wir beginnen morgen sogar mit Max, dem Head Guide des Camp: Was soll jetzt noch schiefgehen?

Aber nun steh ich hier am Einlauf des Ryabaga in den Ponoi im Wasser, hab mir angesichts des rechten Flussufers und des flussaufwärts blasenden Windes gedacht, dass heute nicht der richtige Tag ist, um mit dem Werfen über die linke Schulter zu beginnen :grin: und daher ohne schlechtes Gewissen einen Skagit Compact von 33 g nebst 13´ clear intermediate Tip montiert, als Fliege eine Cascade auf einem Zwillingshaken.

Zweiter Wurf, Biss, gekonnter Küstenfischerei-Anhieb ("don´t strike"), Fisch schießt aus dem Wasser - abgerissen! Ist alles nicht wahr, oder??? Bin ich jetzt auch noch zu blöde, um einen richtigen Knoten zu binden? Ich nun nicht mehr so richtig in Stimmung, pfeif daher auf die Attitüde (sollen sie mich halt für zu blöd halten) und bitte einen der Guides, mir eine neue Fliege anzuknoten, meine Hände sind ohnehin zu tatterig dafür. Knoten sieht auch nicht anders aus als meiner, egal. Ich fisch zunächst ohne Biss flussabwärts, mittlerweile sind fast alle weg und oben ist alles frei. Ich also zurück, dritter Wurf, Biss, Anhieb ("don´t strike!"), Haken sitzt!!! Rückwärts aus dem Wasser, alles hält, ein gefärbtes Weibchen von 82 cm. Ein Photo wär auch ganz nett, aber die Camera liegt natürlich sicher im Zelt. :lol:

Es ist nach 0:00 Uhr, taghell - und ich hab meinen ersten russischen Lachs! Alles wird gut!! ;)

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Ralph Hertling
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von Ralph Hertling »

Moin!
Ganz herzlichen Dank für die Stimmungsbilder und - berichte!!
Weiter so, und viele schöne Fische seien Dir beschieden!!!!
:-)
TL
Ralph
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troutcontrol
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von troutcontrol »

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Die Halbinsel Kola liegt im Norden Russlands und beherbergt unzählige Lachsflüsse, wobei zwischen den nördlichen, in die Barent See mündenden und den südlichen, in das Weiße Meer mündenden Flüssen unterschieden wird. Die Hauptflüsse des Nordens sind Yokanga, Varzina, Kharlovka/Litza/Rynda und Kola, allesamt Großlachsflüsse. Die Hauptflüsse des Südens sind Ponoi, Varzuga und Umba, wobei zumindest die beiden erstgenannten für ihre große Anzahl an - allerdings kleineren - Lachsen bekannt sind. Die Anreise erfolgt über Helsinki, bevor es am nächsten Tag mit einem Charterflieger (!) ausschließlich für Angler nach Murmansk geht, wo die Verteilung des Gepäcks auf die verschiedenen Camps geschieht. Mit etwas Glück ist dann das Gepäck auch noch komplett - sieben über Manchester Anreisenden war es hingegen nicht so hold. :o

Mit dem Helikopter geht es dann in 2 1/2 Stunden ab in die Tundra. Das Ryabaga Camp selbst befindet sich am Ponoi, ca. 60 km von der Mündung entfernt.

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Das Camp ist hinsichtlich der Unterkunft - zumindest im Vergleich mit anderen Camps - purer Luxus.

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Und zum Essen fällt einem auch wenig ein ...

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Zuletzt geändert von troutcontrol am 22.07.2012, 17:59, insgesamt 3-mal geändert.
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Frank Carstensen
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von Frank Carstensen »

Hi Martin,
Glückwunsch zum Lachs! Hast wohl gleich Sushi draus gemacht :lol:
Ich hoffe doch, dass die Verletzung nicht allzu hinderlich war :o

Bis demnächst...
Viele Grüße // Frank

Bild Bild Bild Bild
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troutcontrol
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von troutcontrol »

Sonntag, 15. Juli 2012

Um 6:00 Uhr wird der Generator angestellt und Kaffee gekocht, ab 7:00 Uhr gibt es "kaltes" Frühstück (Müsli usw.) und ab 8:00 Uhr warmes (englisches) Frühstück - man verhungert jedenfalls nicht... :grin:
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Um 9:00 Uhr geht´s mit den Booten los, wir fahren mit Head Guide Max ca. 30 min zum Beat Lower Tomba, der wie alle Beats mehrere Kilometer lang ist.
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Ich hab auf Wunsch von Max den Skagit Compact gegen einen Rage Compact ausgetauscht, wirft sich natürlich eleganter, wenn man sich erst mal an das Werfen vom Boot aus gewöhnt hat und insbesondere daran denkt, dass sich auf der rechten Seite des Bootes hinter einem noch das Ankerseil im Wasser befindet. :oops

Thomas hat einen Lachs am Band und 5 Sekunden später steigt auch bei mir ein guter ein - aber irgendwie überfordert mich die Situation intellektuell - oder käme sonst noch jemand auf die Idee, die Rolle bei einem springenden Lachs festzuhalten? Mann, Mann, Mann... :roll:

Als Ausgleich fang ich kurze Zeit später einen Grils von vielleicht 4 Pfund ("don´t strike!") und mehreren Seeläusen...
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bald darauf einen richtig guten ("don´t strike!"), der mehrere Male bis ins Backing geht. Wo hab ich eigentlich den Unsinn mit der Handballen-Bremse her (kloing, rumpel, ratter, ratsch)?
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Nach dem Fisch stell ich jedenfalls die Bremse so ein (und fass sie danach nicht mehr an), dass ich noch kommod Schnur abziehen kann - das reicht aus, um den Fisch einerseits mit mehr als halbkreisförmig gebogener Rute zu liften (wann brechen die Dinger eigentlich?), andererseits um bei einer Flucht entsprechend Schnur geben zu können. Wieder was gelernt! :grin:
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84 cm - sehr schön!

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Es geht allerdings auch noch größer...
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15 min Drill, 88 cm und geschätzte 16 Pfund - ich bin nicht unglücklich (alles auf Green Highlander Variant Messing Tube)!!!

Thomas fängt natürlich auch seine Fische ...
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mit 7 Fischen im Boot war der Tag wirklich nicht schlecht.

Abends geh ich noch mal an den Home Pool, aber meine Cascade mögen sie nicht. Laurence hingegen..
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hat mehr Glück...
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Zuletzt geändert von troutcontrol am 24.07.2012, 19:29, insgesamt 4-mal geändert.
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knattermaxe
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von knattermaxe »

Wieder ein Bericht der "SÜCHTIG" macht. :+++:

Mehr, mehr...

Petri
Markus
_________________________
Tod dem Gyrodactilus Salaris!
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troutcontrol
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von troutcontrol »

Montag, 16. Juli

Die tägliche Rotation bringt uns heute Matthew aus Irland als Guide und einen Beat stromaufwärts. Gestern waren Laurence und Gerald mit ihm unterwegs und doch arg enttäuscht von ihrem Fang (3 (?) Fische im Boot). Bei uns geht es gleich gut los, ich fang einen gefärbten Lachs auf meine Green Highlander Tube ("don´t strike!") , die von Fisch zu Fisch dünner wird. :grin:
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Matthew demonstriert mir dann das "Nicht-Anschlagen" wie folgt:

1. Ich halte meine Rute normal und er zieht vorne langsam, aber bestimmt, die Rute 5 cm - 10 cm zu sich - "Don´t do anything! Just wait"
2. Nunmehr zieht er wieder, diesmal aber bestimmt 20 cm: "Don´t strike! Just lift the Rod", also nur sanft, aber bestimmt anheben. Hört sich nicht schwer an!

Den nächsten Biss quittiere ich dann natürlich wieder mit einem reaktionsschnellen Anhieb aus dem Handgelenk, wieder ein schöner gefärbter Lachs, aber dann kommt es beim nächsten Fisch wie es kommen muss: Hirn sagt: Nicht anhauen. Arm: Will anhauen. Ergebnis: Nicht Fisch, nicht Fleisch, ein lächerlicher Lift zu einem viel zu frühen Zeitpunkt, Fisch ab. Doch schwerer als gedacht. ;)
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Beim nächsten Fisch ("don´t strike!") hau ich wieder an, ein schöner blanker Fisch kommt an Bord, eigentlich ist meine Anhieb-Quote ja gar nicht schlecht, abgesehen von den beiden Abrissen ist mir nur einer abgegangen, trotzdem nagt es an mir...richtige Lachs-Angler hauen halt nicht an!!

Werferisch ist der Tag eine Offenbarung, wir haben leichten Wind stromabwärts, da läßt sich hinten im Boot wunderbar Zirkeln (Circle-Spey) und vorne mit C-Spey werfen, ein Traum, insbesondere weil ich den intermediate Skagit Tip am Rage gegen ein 10´ Salmon Extra Strong Polyleader ausgetauscht habe, die Tuben sind halt nicht so groß.

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Warum Tony und der andere Lawrence hier so böse gucken, weiß ich auch nicht, zumindest kann es nichts persönliches sein, denn ich bin mit letzterem nach dem Fischen gegen 19:00 Uhr immer in die Sauna gegangen - herrlich! :+++:
Zuletzt geändert von troutcontrol am 24.07.2012, 16:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Ammaluschi
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von Ammaluschi »

Klasse Martin, bringt Spass mitzulesen. Und Top-Fotos :+++:
Gruß Lutz :wink: :wink:

Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres.
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Egebjerggaard
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von Egebjerggaard »

Hallo Martin,
klasse live-Ticker, bitte meeehr davon!
Und: don´t strike! :grin:

Tight lines!!
knæk og bræk
Thomas
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knoesel
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von knoesel »

Klasse Morgenlektüre :+++:
"Good luck" weiterhin
:wink: Klaus
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Henk
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von Henk »

Martin,
wieder ein klasse Bericht der aus dem Leben geschrieben und live erleben lässt . Ich freue mich auf die Fortsetzung !

Achso, Petri natürlich !! 8)

Liebe Grüße
Henk
das kannste schon so machen - aber dann isses halt Kacke !!
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alfredo.fly
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von alfredo.fly »

Mensch Martin,

kaum lässt man Dich mal alleine fahren da schneidest Du Dir gleich wieder den Finger ab! :oops :oops :oops
Vielleicht hätte ich doch lieber mitkommen sollen!!! :grin:
Ich habe gerade wieder einen Fünfer in mein Sparschwein gesteckt :+++:
Was natürlich absoluter Mist ist, ich kann doch kein Russisch!

Erzähl doch ruhig noch ein wenig, was gab es denn sonst noch so?

Gruß Wilfried
Einfach gar nicht ignorieren!!!!
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troutcontrol
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von troutcontrol »

alfredo.fly hat geschrieben: .. gerade wieder einen Fünfer in mein Sparschwein gesteckt
Moin Willy,
hab ich was von 2015 gesagt? Du musst sofort die Sparquote erhöhen !! :grin:

Grüsse
Martin :wink:
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Polar-Magnus
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Re: Kola Peninsula - Ponoi

Beitrag von Polar-Magnus »

Netter Bericht, aber :arrow:

Wann geht es denn hier weiter :?:
Wir sind doch erst am dritten Tag angekommen...

Gruß

Ingo
Ein Fliegenfischer ist manchmal glücklich, aber nie wunschlos.

Du bestimmst das Ziel, du bestimmst den Weg und du bestimmst die Regeln. Es ist dein Spiel, dein Leben.
Zitat von gonefishing aus seinem sagenhaften Patagonien Reisebericht.
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