Ökologischer Zustand der Ostsee

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flori072
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Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von flori072 »

Moin!

Ich bin neu im Forum und möchte gerne auf den Erfahrungsschatz der Mitglieder zugreifen. Kurz zu mir: Ich fische seit 30 Jahren auf Meerforellen in der Ostsee und im Fluss, bin aber als nicht direkt an der Küste wohnender immer nur periodisch am Wasser an Wochenenden oder im Urlaub. Mein Heimatgewässer ist die Oste, dort bin ich auch als Gewässerwart aktiv.
Zu meiner Frage:
Nach meinen eigenen Erfahrungen und den Erfahrungen von Freunden, die in der Eckernförder Bucht fast täglich und seit Jahren fischen, sind die Fänge in den letzten Jahren sehr stark zurück gegangen. Wir vermuten, dass der Chemieunfall in Fredericia/DK 2016 mit eine Ursache sein könnte. Ich weiß, dass hierzu schon Infos im Forum kamen. Auch ist mir bekannt, dass wir 2019 und 2020 große Fischstreben in der Eckernförder Bucht aufgrund von Sauerstoffmangel hatten. Mich interessiert, ob die Fänge im Bereich der Eckernförder Bucht, aber auch im Bereich Flensburger Förde bis Damp auch von anderen Anglern schlechter geworden sind, so dass man einheitliches Bild bekommt. Mir ist auch aufgefallen, dass dieses Frühjahr im Bereich Waabs nur sehr wenige Nährtiere (Garnelen, Sandaale etc.) zu beobachten sind. Vielleicht deckt sich auch diese Beobachtung mit denen andere Angler. Manche Angelkollegen sehen als Ursache der schlechter gewordenen Fänge auch die Besatzpolitik in DK. Nach meinem Wissen wurde der Besatz rund um Fünen in der Form verändert, dass weniger Smolt direkt ins Meer gesetzt wird, dafür der Brutbesatz in den Bächen mit eigenen Nachzuchten verstärkt wurde. Dies könnte dazu führen, dass die dänischen Fische weniger weit wandern. Alles nur Vermutungen....
Über einen Erfahrungsaustausch und würde ich mich sehr freuen!
Petri Heil!

Florian
seatrout61
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von seatrout61 »

herzlich willkommen, deine Beobachtungen teile hier viele User einschließlich mir, sh. zb. viewtopic.php?f=1&t=25431
TL Seatrout61

Klassiker: Mörre Silda - Eitz - Eitz Fly - Hansen Flash - Hansen Fight - Snaps - Gladsax...und immer ne handbreit Wasser in der Watbüx...
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IdEfIx
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von IdEfIx »

Hallo flori072 und herzlich willkommen bei uns MeFo-Verrückten :zsch:

Ja es gibt in der Ostsee eine Vielzahl an Problemen, aber vielleicht solltest Du Dich hier ersteinmal richtig durchlesen, denn das alles neu für Dich zu posten könnte Stunden dauern und ehrlich gesagt habe ich dazu z.z. keine Lust. Was damals in Fredericia/DK 2016 passierte ist nicht nur eine große Sauerei, auch was danach alles so passierte, was man im Nachhinein erst später herausbekommt. Die Auswirkungen werden wir von zeit zu zeit zu spühren bekommen, d.h. noch in den nächsten zwei Jahrzehnten. Das Chemieunternehmen hat amerikanische Eigner/Investoren, den interessiert die Natur hier reichlich wenig. Die Verwaltung untersteht der dänischen Kommune Fredericia, die vermutlich ihre Aussichtspflicht verletzt habt, ansonsten wäre es vielleicht nicht zu so einer schweren Umweltkatastrophe gekommen. Auffällig war besonders, das man kaum etwas in den Medien darüber lesen konnte, was auch kein Wunder war, denn ihnen wurde unter Strafandrohung verboten, weiter darüber zuberichten oder Nachforschungen zuunternehmen.

Wer darüber z.z. am bestens Bescheid weiß, ist die GEOMAR (GEOMAR Zentrum für Ozeanforschung Kiel) . Als deren Forschungschiff einmal im Flensburger Hafen am Kai lag, nutze ích die Gelegenheit für ein Interview. Zu vielen Fragen bekam ich ausführliche Antworten, aber zum Thema Fredericia/DK 2016 sagten sie mir ganz klar, das sie darüber nicht sprechen dürfen und zum Stillschweigen vergattert wurden. :q: :oops

Vor zwei Jahren liefen 3 ~ 4.000 Diesel in den Apenrader Fjord, und das schlimme daran war, das es das zweite mal in 10 Jahren war. Der Defekt hieß Korrosion an Tankwänden, was nichts anderes heißt, vermutlich wurde wieder einmal die Aussichtspflicht verletzt, aber diesmal fiel die Zuständigkeit an die Kommune Apenrade, aber auch hier gilt, das eine Krähe der anderen nicht das Augen aushackt, oder?

Das zu dem Thema sollte ersteinmal reichen .. alles weitere später

Gruss Rudi :wink:
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Fliegenjens
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von Fliegenjens »

Moin Florian,

herzlich Willkommen hier von Ostefischer zu Ostefischer. In welchem Gebiet bist Du dort GW?
1150 Fliegengrüsse aus dem Teufelsmoor
Jens

Der Trick im Leben ist nicht der, zu bekommen was man will, sondern es noch zu wollen nachdem man es bekommen hat.
flori072
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von flori072 »

Moin Jens, Moin Rudi,

vielen Dank für eure schnelle Rückmeldung. Dann werde ich mal weiter im Forum stöbern zum Thema Ostseeökologie. Interessant wäre die Frage, wie weit sich die Folgen der Verunreinigungen aus Fredericia gezogen haben. Ich war schon seit 15 Jahren nicht mehr im Bereich Weißenhaus oder z.B. auf Fehmarn. Wie haben sich da die Fänge entwickelt?

Zu Jens: Ich bin Gewässerwart des ASV Zeven.

Grüße von der Oste!

Florian
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Fliegenjens
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von Fliegenjens »

ah ok, ich bin im Bremervörder Verein
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Jens

Der Trick im Leben ist nicht der, zu bekommen was man will, sondern es noch zu wollen nachdem man es bekommen hat.
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IdEfIx
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von IdEfIx »

flori072 hat geschrieben: 02.06.2021, 17:25 Moin Jens, Moin Rudi,

vielen Dank für eure schnelle Rückmeldung. Dann werde ich mal weiter im Forum stöbern zum Thema Ostseeökologie. Interessant wäre die Frage, wie weit sich die Folgen der Verunreinigungen aus Fredericia gezogen haben. Ich war schon seit 15 Jahren nicht mehr im Bereich Weißenhaus oder z.B. auf Fehmarn. Wie haben sich da die Fänge entwickelt?

Zu Jens: Ich bin Gewässerwart des ASV Zeven.

Grüße von der Oste! Florian
Wir als Angler können keine Rückschlüsse hinsichtlich der Verunreinigungen aus Fredericia ziehen, sondern nur Vermutungen anstellen.
Das Mittsommernachtfest findet in Skandinavien immer am Wochenende um den 21. ~ 23. Juni statt und gilt als kürzeste Nacht des Jahres, weil es nicht richtig dunkel wird. Das Fest nennt man auch „Sankt-Hans-Fest“. Im Sommer 2016, also im gleichen Jahr wie die Umweltkatastrophe in Fredericia bekam Südnorwegen die Folgen zu spüren, weil es ungewöhnlich viele tote Muscheln und Krebse hab. Als man dann Proben an ein norwegisches Labor schickte stellte man fest, das die Meerestiere einen ungewöhnlich hohen Vergiftunggrad hatten. Dazu gab es einen kleinen Zeitungs- u. Internet Artikel, aber danach hörte man davon nichts mehr - das nur mal als Info. Vor ca. 3 Jahren gab es mal eine Meldung, das der Ostseelachs (Salmo Salar) stark mit Schwermetallen belastet ist aber kann (und wie) man daraus Rückschlüsse aus Fredericia ziehen?
flori072
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von flori072 »

Moin Idefix,

du hast Recht, Nachweise zu finden nach 5 Jahren ist schwierig. Bleibt uns Anglern nur über die Öffentlichkeitsarbeit den Finger immer wieder in die Wunde zu legen, so dass eine breitere Öffentlichkeit sieht, wie es um die Ostsee steht. Leider sind wir nur eine kleine Randgruppe, dennoch lohnt es sich am Ball zu bleiben, wie zumindest einige erfolgreiche Projekte zu Wiedereinbürgerung der Meerforelle in DK un D zeigen.

Florian
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IdEfIx
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von IdEfIx »

Hi Florian

die MeFo-Fänge kannst Du in den Aktuelle Meerforellenfänge Monat 2... zurückverfolgen :!:
Die die Sommer 2020,19,18 Rekordsommer waren und deshalb viel Wasser verbraucht wurde, war der Grundwasserstand bedrohlich niedrig, d.h. das auch die Bäche wenig Wasser führten.
Als Beispiel mal die dänische Insel Alsen, wo es mind. drei Bäche gibt, die auch tief genug sind, um Smolts auszusetzen führten die drei Sommer wenig Wasser, ob auf der Aufzucht etwas geworden ist, ist fraglich. Zuständig dafür sind die Jungs vom A.N.A. Team http://www.vandplejen-ana.dk/ , die regelmäßig Fließgewässer rund um Alsen besetzen, desweiteren Bachläufe in Süd Jütland bis zur Insel Fünen. Sie dürfen allerdings für diesen Bereich nur 80.000 Smolts ausbrüten. Der Anteil der Brütlinge setzt sich wie folgt zusammen: der größte Teil (Schlupf Smolts also wenn der Dottersack gerade aufgebraucht ist), dann eine Teil an Sommerlingen (1/2 jährig), dann 1 jährige Smolts und ein kleiner Restanteil sogar auf 2 jährige Smolts. Mittlererweile stellte sich aber heraus, das das direkte Besetzen ins Meer an 1 + 2 jährigen Smolts nur eine Zwischenmahlzeit für die Schweinswale, Robben und Kormorane etc. war. Trotzdem wurden vor Kurzem 500.000 Smolts direkt in die Ostsee rund um Fünen ausgesetzt.

Gruss Rudi :wink:
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Hansen fight
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von Hansen fight »

Danke Rudi für den Link. Leider kann ich ich nicht wirklich dänisch, aber was was ich glaube so rauslesen kann ist, dass 2017 u. 2018 viel weniger Laichfische zum Abstreifen gefangen wurden als die Jahre zuvor . Optimal wäre wenn jemand die Statistiken vieleicht übersetzen könnte ?
Als mich interessiert es schon sehr.
Gruß Christoph
Fliegenfischen macht froh.Fliegenbinden ebenso.
flori072
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Re: Ökologischer Zustand der Ostsee

Beitrag von flori072 »

Moin Rudi,

danke für die Infos. Die Seite vandplejen.dk ist wirklich gut, da war ich auch schon mehrfach unterwegs. Man kann für jeden dänischen Bach das ökologische Potenzial (angegeben in Brut (dänisch: yngel) pro 100 Quadratmeter ersehen und den Besatz. Interessant finde ich deine Aussage, dass die direkt ins Meer gesetzten Smolts kaum einen Effekt auf die Fischerei haben, da sie weggefressen werden. Fest steht, dass der natürliche Nachwuchs den Zuchtfischen auf jeden Fall in der Überlebensfähigkeit überlegen ist. Dennoch denke ich gerade mit Blick auf das fünische Projekt, dass der Smoltbesatz spürbar zu mehr Fängen geführt hat, zumindest in den 90er Jahren, als die Bäche auf Fünen aufgrund des noch nicht so guten Zustands noch nicht so gut besetzt waren. Wenn man das natürliche Potenzial der fünischen Bäche zusammenzählt, dann ist die natürliche Smoltproduktion nicht so hoch wie der Smoltbesatz direkt ins Meer. Dennoch finde ich den Ansatz völlig richtig, als Ziel eine natürlichen Bestand aufzubauen, der sich von alleine reproduziert. Dies ist noch ein weiter Weg und man wird abwägen müssen, ob man den Angeltourismus auf Fünen weiterhin fördern will mit Besatz oder evtl. einen Rückgang von Angeltouristen in Kauf nimmt, wenn die Fänge weniger werden.

Gruß
Florian
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