Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

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SIMPLE SHRIMP
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von SIMPLE SHRIMP »

ArminK hat geschrieben: 30.04.2021, 18:01
Vor dem Abwurf rotiert er die Rute mit dem Handgelenk, aber beim Abwurf ist das Handgelenk blockiert.
Snap - Peter Hayes.jpg
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Snap - Joan Wulff.jpg
Snap - Joan Wulff.jpg (123.7 KiB) 474 mal betrachtet
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Armin, Du hast eine eigene Sicht der Dinge, wir hatten diese Diskussion schon einmal >KLICK<, unsere Wahrnehmung ist unterschiedlich und deshalb kann ich Deine Interpretationen manchmal nicht nachvollziehen.

Gruß
Klaus
ArminK
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von ArminK »

Hallo Frank,

ich stelle nicht Alles und Jeden in Frage und wenn fange ich bei mir selbst an.
Ich bin auch Roman Moser, Hans-Ruedi Hebeisen, Mel Krieger, Michael Mauri, Bernd Zische . . . Joan Wulff usw. (ich könnte noch über 100 Namen aufzählen) dafür dankbar, mich auf meinem Weg weitergebracht zu haben. Trotzdem erlaube ich mir, das ein oder andere zu hinterfragen und eine andere Meinung zu haben ohne irgendjemanden zu diskreditieren.
Die Diskussionen hier machen das Forum doch interessant und trotz unterschiedlicher Sicht auf den ZWICK genießt Klaus meinen höchsten Respekt und ich war bei mancher Diskussion nur zweiter Sieger. :grin:

Ich wünsche dir einen schönen Maifeiertag.

Gruß

Armin

P.S. nimm mal eine Rute in die Hand und bewege sie mit dem Handgelenk und dann mit steifem Handgelenk.
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SIMPLE SHRIMP
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von SIMPLE SHRIMP »

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Es regnet, zumindest zeitweise, da kann man stöbern und entdeckt neue Videos, z.B. eines von Peter Hayes, der mir vor dieser Diskussion gar nicht bekannt war: Practice fly casting rods.
Diese Vorführung beinhaltet einige Beispiele, die die hier geführte Diskussion illustrieren könnte. Auch finde ich es gut, Anfängern von Anfang an eine flexible Wurftechnik zu vermitteln und das ganze Spektrum zu zeigen. Ich weiß von Kursen, da wurde z.B. erst in den Fortgeschrittenenlehrgängen Doppelzugtechnik oder Switchcastwürfe erklärt.

TL
Klaus
fly fish one
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von fly fish one »

Lieber Armin,

es war gar nicht despektierlich gemeint. Ich finde das super wie wir miteinander schreiben, frotzeln und uns auf den Arm nehmen! Macht mir wirklich Freude! Kommt auch immer richtig was bei rum! Und danke für den 1. Mai, ich hoffe Du hattest auch einen schönen Tag! Ich bin gerade etwas geknickt, wenn ich noch eine kleine "Gechichte" (ihr wisst schon, die Sache mit Birne) zum Besten geben darf. Ich war bei Fischen, den ganzen Tag und auch den ganzen Tag Schneider...ja bis ich an eine Stelle kam, ich hatte kurz vorher erst auf Nymphe gewechselt, wo Forellen richtig aktiv stiegen! Es sah aus wie graue, ach was weiß ich denn, EntoDingsBums ist nicht meine Stärke. Ich machte also auch was Graues drauf. Nüschts, nächste Trockenfliege, müssen insgesamt der Reihe nach so 10 Stück gewesen sein. Gut, Royal Cochman soll ja auch super sein! Und hängt und ist weg! Vorfach gerissen, am Ring. Warum? Bequemlichkeit, ich Trollo, habe das Tippet vom letzten Mal nicht gewechselt, sondern wieder benützt! Mache ich sonst nie und so folgte die Strafe auf dem Fuße! Ich habe noch einen Coachman montiert, aber nüschts mehr, also meine Fliege nicht, aber drum herum haben die Biester munter weiter Mücken an der Oberfläche attackiert! Ich habe dann kleinlaut, durchgefroren, hungrig und durstig Feierabend gemacht. Aber weißte was, ich bin total happy! :zsch: Astreiner Tag.

LG,
Frank
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ArminK
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von ArminK »

Hallo

@Klaus

www.youtube.com/watch?v=lkqw62huYEA

Ihn kannte ich noch nicht und sein Accelerator Flycasting Trainer scheint mir ein wertvolles Trainingsgerät zu sein.
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 01.05.2021, 14:35 Auch finde ich es gut, Anfängern von Anfang an eine flexible Wurftechnik zu vermitteln und das ganze Spektrum zu zeigen.


Und das fängt schon mit Griffhaltung und Fußstellung an.
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 01.05.2021, 14:35 Ich weiß von Kursen, da wurde z.B. erst in den Fortgeschrittenenlehrgängen Doppelzugtechnik oder Switchcastwürfe erklärt.
Das hängt immer von den Fertigkeiten der Teilnehmer ab. Es bringt wenig weitere Techniken zu zeigen, wenn die Basics noch extreme Probleme bereiten. Ich bin da flexibel und zeige auch Doppelzug und Switchcasts in Anfängerkursen wenn´s passt. Der richtige Weg zwischen Langeweile und Überforderung zu finden ist oft nicht ganz einfach.

@Frank
Steigende Fische, die unseren tollen Trockenmücken die kalte Schulter zeigen, kenne wir alle. Das war die gute alte Naßfliege oder der Aufsteiger oft die Lösung.
Aber Hauptsache
fly fish one hat geschrieben: 01.05.2021, 19:53 Astreiner Tag.


Gruß

Armin
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Harald aus LEV
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von Harald aus LEV »

ArminK hat geschrieben: 02.05.2021, 09:05
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 01.05.2021, 14:35 Ich weiß von Kursen, da wurde z.B. erst in den Fortgeschrittenenlehrgängen Doppelzugtechnik oder Switchcastwürfe erklärt.
Das hängt immer von den Fertigkeiten der Teilnehmer ab. Es bringt wenig weitere Techniken zu zeigen, wenn die Basics noch extreme Probleme bereiten. Ich bin da flexibel und zeige auch Doppelzug und Switchcasts in Anfängerkursen wenn´s passt. Der richtige Weg zwischen Langeweile und Überforderung zu finden ist oft nicht ganz einfach.
Hallo Armin,

genau das ist die Krux bei den Einsteigerkursen.
So wie Du es beschrieben hast, mache ich es auch.
Wenn ich sehe, dass jemand in der Lage ist, diese Techniken bereits im Einsteigerkurs zu erlernen, bringe ich es ihm im Einsteigerkurs bei.
Die meisten wären aber damit hoffnungslos überfordert und würden total gefrustet nach Hause fahren .

Gruß
Harald
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SIMPLE SHRIMP
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von SIMPLE SHRIMP »

.
Moin,

meine Erfahrungen mit Wurfkursen waren etwas differenzierter, am effizientesten waren gemischte Kurse, Anfänger und Fortgeschrittene zusammen und das volle Programm.

Es fing immer damit an, die Fliegenschnur mit der Rutenspitze zu bewegen und sie auf einer geraden Bahn flach vor sich in enger Schlaufe ruckfrei zu beschleunigen und auf einer geraden Linie abzulegen. Dazu braucht es mit einer Hand den 'Zwick' oder 'Snap' am Ende der Rutenbewegung, beim Einsatz beider Hände genügt schon ein 'kurzer' Zug mit der Schnurhand am Ende der Rutenbewegung um bei fast 'stehender' Rute superenge Schlaufen zu produzieren.
Der nächste Übungsschritt war, die Pause und das Ablegen nach dem Rückwurf wegzulassen und einen vollständigen Wurf vor sich abzulegen, sowohl ohne wie auch mit Zugunterstützung. Mancher Anfänger brauchte etwas länger, mancher überholte andere, die sich als Fortgeschrittene eingestuft hatten.

Darauf bauten alle anderen Wurfausführungen auf, jeder Teilnehmer sah was die anderen machten und konnte versuchen Gelungenes nachzumachen und weniger gut Ausgeführtes wegzulassen.
.
Basic Cast 1.jpg
Basic Cast 2.jpg
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von ArminK »

Hallo

@Harald,

du hast ja einiges an Erfahrung mit Kursen. Wie siehst du das mit dem "Zwick/Snap" speziell bei Anfängern?

@Klaus
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 03.05.2021, 13:48 am effizientesten waren gemischte Kurse, Anfänger und Fortgeschrittene zusammen und das volle Programm.
Das überrascht mich doch etwas, da ich Anfängern doch viele Hilfestellungen geben muss und Verbesserung durch Abgucken beim Nachbarn kaum funktioniert. Natürlich gibt es auch Talente die, was sie sehen direkt umsetzen können und vor allem bei Kursen mit Kindern/Jugendlichen ist es erstaunlich wie schnell die Fortschritte machen.
Das Problem bei uns ist, dass die Nachwuchstalente meist zwischen 40 und 50 sind. War bei mir auch so. :grin:

Gruß

Armin
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Harald aus LEV
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von Harald aus LEV »

Hallo Armin,

das kommt ganz darauf an, wie der Teilnehmer wirft, wie er die Inhalte umsetzt und vor allem, wie er stoppt. Daher ist es individuell verschieden, wem ich das mit dem Zwick zu welchem Zeitpunkt zeige und wem nicht. Auch mit dem Zwick kannst Du einen Einsteiger komplett aus dem Konzept bringen, wenn er bis dahin ganz passabel geworfen hat und dann den Zwick unkontrolliert setzt oder dosiert und der Wurf in die Wicken geht. (In dem Video musste Herr H.R.H. - der bereits Weltmeistertitel als Fliegenfischer gewonnen hatte - auch erst einmal von Herrn Gebetsroither genau instruiert werden).

Es gibt Teilnehmer, die nehmen die Rute nach meiner Erklärung und Vorführung in die Hand und werfen, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten - gute Beschleunigung und exakte Stopps, jedenfalls beim Einzelwurf. Die sind aber eher selten.
Die meisten müssen erst einmal realisieren wie sich die Schnur verhält, wie sie die Rute beschleunigen und stoppen um sie zu laden, und das Wechselspiel der Energieübertragung zwischen Rute und Schnur verstehen. Und zwar nicht nur theoretisch, sondern vor allem praktisch zu fühlen, was da abgeht.
Und mit dem Grundwurf ist es ja nicht getan. Vor allem ist es wichtig, verschiedene Techniken zu erlernen, damit man sich, wenn man allein am Fluss steht, auf die jeweiligen Begebenheiten einstellen kann.
Auch deshalb finden meine Kurse nicht auf der Wiese oder einem Sportplatz statt, sondern direkt am Wasser. Hier spürt man die Oberflächenhaftung des Wassers beim Rückschwung und hat von Beginn an mit der Strömung zu tun. Also sozusagen unter echten Bedingungen.
Natürlich ist es für die meisten anschließend schwierig, das erste mal allein am Wasser zu stehen. Wie schwierig muss es aber erst für diejenigen sein, die das Werfen auf einer Wiese erlernt haben und nun zum ersten Mal allein am Wasser sind?

Wie machst Du das und wie baust Du Deine Kurse auf?

Gruß
Harald

PS: Was Du über Kinder und Jugendliche schreibst, kann ich voll bestätigen. Öfter schon sah der Vater blass aus neben seinem Sohn ;)
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von SIMPLE SHRIMP »

ArminK hat geschrieben: 03.05.2021, 18:01
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 03.05.2021, 13:48 am effizientesten waren gemischte Kurse, Anfänger und Fortgeschrittene zusammen und das volle Programm.
Das überrascht mich doch etwas, da ich Anfängern doch viele Hilfestellungen geben muss und Verbesserung durch Abgucken beim Nachbarn kaum funktioniert. Natürlich gibt es auch Talente die, was sie sehen direkt umsetzen können und vor allem bei Kursen mit Kindern/Jugendlichen ist es erstaunlich wie schnell die Fortschritte machen.
Das Problem bei uns ist, dass die Nachwuchstalente meist zwischen 40 und 50 sind. War bei mir auch so. :grin:
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Wenn man als 'erfahrener' Fliegenwerfer die 'Wurfkünste' anderer beobachtet und analysieren kann, welche Eingabeimpulse die Flugbahn der Fliegenschnur beeinflussen, kann man den Probanden auf diesen Zusammenhang hinweisen. Wenn der Lernende diese Zusammenhänge begriffen hat, ist er eher in der Lage sowohl Wurfabläufe bei anderen zu erkennen wie auch eigene Eingabeimpulse zu verändern und Auswirkungen zu bemerken. In vielen Sportarten werden Bewegungsabläufe durch Betrachtunsanalysen kopiert, nur mit Erklärungen würde das nicht funktionieren.

Ich halte überhaupt nichts von schematisch eingeübten Bewegungsabläufen, die Probanden sollen zuerst lernen, wie man mit einer Fliegenrute eine Fliegenschnur beschleunigen und gezielt in Bewegung setzen kann, danach können alle Wurfabläufe und Wurfausführungen viel effizienter eingeübt werden. Auch Anfänger sollten bei der Handhabung einer Fliegenrute schon wissen was aus Eingabeimpulsen resultiert.

TL
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von ArminK »

Hallo

@Harald

Meist finden meine Kurse auf der Wiese statt, was natürlich den Einfluss von Adhäsion und Strömung nicht wiedergeben kann. Für Wasserwürfe mit Ein- und Zweihand suche ich Trainingsplätze am oder im Wasser.
Die Anfängerkurse beginne ich mit einer kurzen! theoretischen Einweisung. Die anschließenden praktischen Übungen unterbreche ich, um dann allen Teilnehmern weitere Details zu zeigen. Nach einer gewissen Zeit kristallisieren sich unterschiedliche Begabungen heraus, die ich berücksichtigen muss. Aus meiner aktiven Zeit als Sportler (Fußball,Tischtennis) weiss ich, dass der Erfolg fast immer das Resultat harter Arbeit ist. Das ist beim Erlernen des Fliegenwerfens nicht anders und die Kunst ist es, den optimalen Weg für Lernerfolg bei gleichzeitig Spaß und Kurzweiligkeit zu finden.

@Klaus
Videoteaching war in meiner aktiven Zeit oft angesagt, um Bewegungsabläufe zu analysieren. Aber selbst mit Zeitlupe war es oft schwer alles zu erkennen und richtig zu interpretieren. Die anschließende Umsetzung für den eigenen Trainingsfortschritt ist noch mal ein ganz anderes Thema.
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 04.05.2021, 13:59 Auch Anfänger sollten bei der Handhabung einer Fliegenrute schon wissen was aus Eingabeimpulsen resultiert.

Das Problem ist doch die Kontrolle und Steuerung der Eingabeimpulse und weißt du wirklich immer, warum der Wurf jetzt besonders gut war. Ich kenne einige Werfer, keine Anfänger, die einen Fehler in ihrem Wurf haben, genau wissen weshalb wieso und warum, aber große Probleme haben das abzustellen.
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 04.05.2021, 13:59 Ich halte überhaupt nichts von schematisch eingeübten Bewegungsabläufen, die Probanden sollen zuerst lernen, wie man mit einer Fliegenrute eine Fliegenschnur beschleunigen und gezielt in Bewegung setzen kann, danach können alle Wurfabläufe und Wurfausführungen viel effizienter eingeübt werden.
Ich stolpere etwas über den Begriff "schematisch", weil ich bestimmte Bewegungsabläufe mit der Fliegenrute einübe, um die Fliegenschur gezielt zu bewegen.
Was machst du für Übungen?

Gruß

Armin
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von SIMPLE SHRIMP »

ArminK hat geschrieben: 03.05.2021, 18:01
@Harald, du hast ja einiges an Erfahrung mit Kursen. Wie siehst du das mit dem "Zwick/Snap" speziell bei Anfängern?
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Harald aus LEV hat geschrieben: 04.05.2021, 09:42
... das kommt ganz darauf an, wie der Teilnehmer wirft, wie er die Inhalte umsetzt und vor allem, wie er stoppt. Daher ist es individuell verschieden, wem ich das mit dem Zwick zu welchem Zeitpunkt zeige und wem nicht. Auch mit dem Zwick kannst Du einen Einsteiger komplett aus dem Konzept bringen, wenn er bis dahin ganz passabel geworfen hat und dann den Zwick unkontrolliert setzt oder dosiert und der Wurf in die Wicken geht. (In dem Video musste Herr H.R.H. - der bereits Weltmeistertitel als Fliegenfischer gewonnen hatte - auch erst einmal von Herrn Gebetsroither genau instruiert werden).

Es gibt Teilnehmer, die nehmen die Rute nach meiner Erklärung und Vorführung in die Hand und werfen, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten - gute Beschleunigung und exakte Stopps, jedenfalls beim Einzelwurf. Die sind aber eher selten.
Die meisten müssen erst einmal realisieren wie sich die Schnur verhält, wie sie die Rute beschleunigen und stoppen um sie zu laden, und das Wechselspiel der Energieübertragung zwischen Rute und Schnur verstehen. Und zwar nicht nur theoretisch, sondern vor allem praktisch zu fühlen, was da abgeht.
Und mit dem Grundwurf ist es ja nicht getan. Vor allem ist es wichtig, verschiedene Techniken zu erlernen, damit man sich, wenn man allein am Fluss steht, auf die jeweiligen Begebenheiten einstellen kann.
Auch deshalb finden meine Kurse nicht auf der Wiese oder einem Sportplatz statt, sondern direkt am Wasser. Hier spürt man die Oberflächenhaftung des Wassers beim Rückschwung und hat von Beginn an mit der Strömung zu tun. Also sozusagen unter echten Bedingungen.
Natürlich ist es für die meisten anschließend schwierig, das erste mal allein am Wasser zu stehen. Wie schwierig muss es aber erst für diejenigen sein, die das Werfen auf einer Wiese erlernt haben und nun zum ersten Mal allein am Wasser sind?
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ArminK hat geschrieben: 04.05.2021, 18:21
@Klaus
Videoteaching war in meiner aktiven Zeit oft angesagt, um Bewegungsabläufe zu analysieren. Aber selbst mit Zeitlupe war es oft schwer alles zu erkennen und richtig zu interpretieren. Die anschließende Umsetzung für den eigenen Trainingsfortschritt ist noch mal ein ganz anderes Thema.
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 04.05.2021, 13:59 Auch Anfänger sollten bei der Handhabung einer Fliegenrute schon wissen was aus Eingabeimpulsen resultiert.

Das Problem ist doch die Kontrolle und Steuerung der Eingabeimpulse und weißt du wirklich immer, warum der Wurf jetzt besonders gut war. Ich kenne einige Werfer, keine Anfänger, die einen Fehler in ihrem Wurf haben, genau wissen weshalb wieso und warum, aber große Probleme haben das abzustellen.
SIMPLE SHRIMP hat geschrieben: 04.05.2021, 13:59 Ich halte überhaupt nichts von schematisch eingeübten Bewegungsabläufen, die Probanden sollen zuerst lernen, wie man mit einer Fliegenrute eine Fliegenschnur beschleunigen und gezielt in Bewegung setzen kann, danach können alle Wurfabläufe und Wurfausführungen viel effizienter eingeübt werden.
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Ich stolpere etwas über den Begriff "schematisch", weil ich bestimmte Bewegungsabläufe mit der Fliegenrute einübe, um die Fliegenschur gezielt zu bewegen.
Was machst du für Übungen?
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Ich habe es oben schon beschrieben:

Die Teilnehmer sollen von Anfang an Rutenbewegung und Eingabeimpulse mit dem Resultat, dem 'Flug' der Fliegenschnur verbinden. Deshalb werden die ersten Übungen sichtbar vor dem Körper ausgeführt.

Es fängt immer damit an, die Fliegenschnur mit der Rutenspitze zu bewegen und sie auf einer geraden Bahn flach vor sich in enger Schlaufe ruckfrei zu beschleunigen und auf einer geraden Linie abzulegen. Dazu braucht es mit einer Hand den 'Zwick' oder 'Snap' am Ende der Rutenbewegung, beim Einsatz beider Hände genügt schon ein 'kurzer' Zug mit der Schnurhand am Ende der Rutenbewegung um bei fast 'stehender' Rute superenge Schlaufen zu produzieren. Mit einem kurzen Leinenstück und wenig Schurgewicht reicht nach einer Schnur straffenden Bewegung eine 'kleine' Impulseingabe mit der Rutenspitze um die Leine gestreckt in Gegenrichtung abzulegen. Mit längerer Leine biegt sich die Rute schon vor Erreichen der 12-Uhr Position (wenn Leine und Rute einen Rechten Winkel bilden), in dieser Position wird der bewegten Leine noch der finale Beschleunigungsimpuls (Zwick oder/und Zug) mitgegeben. Die Rute wird auf die Anfangsposition für den Gegenwurf nachgeführt, der gesamte Rutenbewegungswinkel beträgt bei normalen Leinenlängen etwa 90°.

Der nächste Übungsschritt ist, die Pause und das Ablegen nach dem Rückwurf wegzulassen und einen vollständigen Wurf vor sich abzulegen, sowohl ohne wie auch mit Zugunterstützung. Wer eine Fliegenschnur mit engen Schlaufen flach vor sich bewegen kann, hat Rute und Schnur im Griff, versteht das Zusammenspiel und ist in der Lage sich auch andere Wurfausführungen anzueignen.

Darauf bauten alle anderen Wurfausführungen auf, jeder Teilnehmer sah was die anderen machten und konnte versuchen Gelungenes nachzumachen und weniger gut Ausgeführtes wegzulassen. Die Teilnehmer wurden zwischendrin auch dazu ermuntert, mit Rute und Schnur zu spielen, die Schnur vor sich kreisen zu lassen oder Achterschwünge auszuführen und die Schnur dabei mit einem 'Zwick' des Handgelenks 'abzuschiessen'.

Haralds Rheinische Methode habe ich nicht angewendet, anfangs wirkt sich schon unangenehmer Wind störend aus, die Teilnehmer sollten erst einmal lernen und erfahren wie sie selbst mit der Rute den Flug der Fliegenschnur beeinflussen können. Einen Fahranfänger würde ich auch zuerst einmal das Bewegen des Fahrzeugs erlernen lassen, bevor er in den Verkehr oder das Gelände geschickt wird.

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Harald aus LEV
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von Harald aus LEV »

Hallo,
@SimpleShrimp,
ich habe jetzt mal auf das ellenlange Zitieren des ganzen Textes verzichtet.

Du schreibst: "
Haralds Rheinische Methode habe ich nicht angewendet, anfangs wirkt sich schon unangenehmer Wind störend aus, die Teilnehmer sollten erst einmal lernen und erfahren wie sie selbst mit der Rute den Flug der Fliegenschnur beeinflussen können. Einen Fahranfänger würde ich auch zuerst einmal das Bewegen des Fahrzeugs erlernen lassen, bevor er in den Verkehr oder das Gelände geschickt wird.

Punkt 1:
Erst einmal ist das nicht "meine Rheinische Methode". Das ist zu viel der Ehre, denn ich hab sie nicht erfunden.
So habe ich es 1985 und auch in späteren Kursen bei verschiedenen Wurflehrern gelernt. Auch das Lernen der 2-Hand-Techniken in Schweden und Irland fanden alle direkt am Fluss statt.

Punkt 2:
Natürlich wirkt sich Wind auf den Wurf aus. Aber ich finde es besser, die Teilnehmer lernen von Anfang an, damit umzugehen und erhalten die notwendigen Tips dazu, als dass sie in geschützter Umgebung die heile Welt kennen lernen und dann am Fluss nichts mehr auf die Reihe bekommen, weil sie mit dem Wind nicht umgehen können. Wie sollen da erst Meerforellenfischer zurecht kommen?

Punkt 3:
Ich musste in der Fahrschule sowohl mit dem PKW, als auch mit dem Motorrad vom ersten Moment an im fließenden Verkehr fahren und bei meinen Kindern war es auch nicht anders.
Auch glaube ich nicht, dass die meisten Fahrschulen erst auf einem Übungsgelände üben.

Und abschließend:
Nicht immer ist m.M.n. der "Zwick" erforderlich.
Viel wichtiger ist auf die pro-dynamische Beschleunigung der Schnur und die exakten Stopps am Ende der Bewegung zu achten.
Der "Zwick" dann zusätzlich gesetzt, ist ein weiterer positiver Push.
Wenn der "Zwick" aber lediglich dazu dient, ein ungenügend beschleunigte und schlaff daher kommende Schnur zu pimpen, ist er aus meine Sicht zweckentfremdet.
Außerdem kenne ich viele erfahrene Fischer, die ohne den "Zwick" werfen und trotzdem sehr gute Resultate erzielen.
Dieser "Zwick" ist - wie so viele Stile auch - eine Variante, die man machen kann, aber nicht muss.
Der Grundansatz meiner Kurse ist, die Fertigkeiten weiter zu geben, wobei sich nicht der Teilnehmer an den Kursleiter anzupassen hat.
Viel wichtiger ist, dass sich der Kursleiter individuell auf den Teilnehmer einlässt und dabei versucht, seine evtl. Schwächen auszugleichen und seine Stärken herauszustellen.

Und damit klinke ich mich jetzt hier aus.
Zum einen haben wir den Faden schon genug gekapert und zum anderen hat jeder Kursleiter seine eigenen Methoden und seinen eigenen Stil.
Wie er es macht, ist letztendlich seine Sache. Wichtig ist (für mich) dass der Teilnehmer nach dem Kurs selbstsicherer ans Wasser gehen kann und mehr Erfolg beim Umgang mit der Fliegenrute hat.

Gruß
Harald
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von SIMPLE SHRIMP »

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Moin Harald,

viele 'Fäden' werden mit unpassenderen Beiträgen gekapert, hier ist noch nichts aus dem Ruder gelaufen. Wenn Du Dich jetzt aus dieser Diskussion raus nimmst, bleiben ja nicht viele übrig, die überhaupt Interesse an dem Thema 'Wurfausführungen' haben. In einigen anderen Fäden wurde schon mit Begriffen wie 'Steifes Handgelenk' oder 'Handgelenkeinsatz' argumentiert wenn es um effizienteres Werfen oder Wurffehler ging. Solche Ansichten sind natürlich auch bei manchen Wurfkursen Thema und wurden und werden bei Werfertreffen diskutiert.

Bei einem früheren Zusammentreffen wurde mal der Handgelenkeinsatz diskutiert und praktisch ausprobiert, Testgerät war eine 9 Fuß Rute Klasse 6 mit längerem Fighting Butt. Alle Teilnehmer mussten mit dieser Rute ein Programm absolvieren, angefangen beim Schnurabziehen und 'Rausschütteln', über kurze Zielwürfe, Seiten- und Überkopfwürfe auf verschiedene Distanzen, Rollwürfe und Switchcasts (Speystyle) usw., also der normale Einsatzbereich mit und ohne Zugunterstützung wurde durchgespielt. Danach wurde den Teilnehmern der Fighting Butt der Rute mit breitem Kabelklettband am Unterarm fixiert und das Programm wiederholt. Alle Werfer fühlten sich mit 'versteiftem Handgelenk' deutlich eingeschränkt.

Zu Demozwecken brauchbar, zum Lernen genügt es, den Butt in den Ärmel zu stecken, um das Abkippen zu limitieren, in der Praxis ist für mich der Handgelenkeinsatz beim Fliegenwerfen unverzichtbar.

Gruß
Klaus

P.S.: Zur Information: Das Kursprogramm umfasste vier zweistündige Übungseinheiten auf Gras plus zwei Stunden am Fließwasser, danach vier Stunden betreutes Fischen. Die Abende wurden für Theorie, Geräteanpassungen, Schnurspleißen, Knotenübungen und Fairy Tales, etc. genutzt. Übungseinheiten am/im Wasser (auch bei Wind) waren bei Zweihandkursen und beim Zweihandfischen auf Meerforellen sinnvollerweise auch eingeschlossen.
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Wasserübungen.jpg
sprottenfan
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Re: Handgelenkeinsatz > 'Zwick'

Beitrag von sprottenfan »

Moin, ich bin zwar noch kein Wurflehrer und schon gar nicht Experte, habe aber die Erfahrung gemacht, das der Stopp mit Zwick, also Handgelenkseinsatz effizienter und vor allem präziser erfolgt als ohne diesen. Die Bescleunigung gelingt auch besser vor allem beim Rückschwung, dem viel zu wenig Beachtung geschenkt wird bei einem gelungenen „Gesamtwurf“. 8)
Die Leber streikt, die Hose spannt,
heute geht es nicht an den Strand
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