Die Talfer in Südtirol - Reisebericht Teil I

Ein weites Feld, was von den Gebirgsseen in Österreich bis hin zum Mittelmeer reicht. Umso vielfältiger dürften die Eindrücke und Erlebnisse sein, über die es zu berichten gilt.

Die Talfer in Südtirol - Reisebericht Teil I

Beitragvon marasso » 23.08.2015, 12:04

In den Sommerferien zieht es uns gerne mal in Gegenden wo es ordentlich rauf und runter geht, ein willkommener Gegensatz zu unserer gewohnten norddeutschen Topographie wo ja schon die Bordsteinkanten als Abhang gelten.
Diesen Sommer wenden wir eine Split-Taktik an: Eine Woche Südtirol, dann eine Woche in der Toskana chillen und darauf eine Woche nach Slowenien.

Ziel in Südtirol ist ein Bauernhof kurz hinter Bozen wo wir eine schmucke Ferienwohnung mitten im Grünen gebucht haben. Hamburg - Bozen ist mit meinem Sprinter kein Spazierritt, aber irgendwann kommt man ja bei jeder Reise an und vom Balkon aus empfängt uns dieser herrliche Ausblick.
aussicht2.jpg


Am Morgen nach langem Ausschlafen sind die Reisestrapazen weggepennt und mit dem Tele kriege ich vom Balkon aus schöne Eindrücke von den Dolomiten:
aussicht3.jpg


Der Tag sieht uns dann durch Berg und Tal wandern, leckere südtiroler Spezialitäten in Almhütten genießen und hier und da mal ein passendes Kaltgetränk zu uns nehmen....
Der Tag darauf: Ab nach Bozen zu Fischer KG ( http://www.fischerkg.it ) um Tageskarten für die Talfer zu kaufen. Die Talfer kenne ich bereits von einem Besuch von vor zwei Jahren und habe durchweg gute Erfahrungen gemacht. Ich kaufe 3 Karten, jeweils mit einem Tag Pause, und lege 75€ dafür auf den Tisch. Beim Durchlesen der Fischereiordnung fällt mir auf, dass das Mindestmaß bei 40 cm für alle Salmoniden 10 cm höher ausfällt als vor zwei Jahren. Nun ja - also entweder sind die Fische wundersam größer geworden oder der Bestand soll durch die Maßnahme extrem geschützt werden. Ich bin also wirklich gespannt, was mich erwartet und aus dem Laden raus geht es direkt ans Wasser. Der Weg ist nicht weit, denn die Strecke beginnt direkt bei Bozen und endet einige KM oberhalb Bozens im Sarntal, das die Talfer in Jahrtausenden tiefer gegraben hat.
Erlaubte Fischmethode ist Fly only - klar.
Mittlerweile ist es später Vormittag und ein weiterer Gegensatz zu meiner norddeutschen Heimat macht sich bemerkbar: Es ist richtig warm, das Thermometer ist schon bei 30 Grad und macht nicht den Eindruck als wolle es da bleiben.
Ärmelloses T-Shirt an, gaaanz dünnes Teil unter die Watbüx und schön Wasser einpacken ist besser.
Bei den Bedingungen ist klar: Trockenfliege!! I´m a dry-fly-fisherman, always have been, always will be - ich liebe es einfach. Wenn immer irgendwie möglich, schwimmt meine Fliege im Bach und taucht nicht. Den Beginn soll eine Stimulator machen, ich sehe nämlich keine Fische steigen und daher möchte ich die Forellen an die Oberfläche locken.
t1.jpg

Das klappt nicht schlecht, denn nach nicht mal 5 Minuten lässt sich eine 25er Regenbogenforelle nicht lange bitten und liefert im Drill eine sportliche Performance ab. Bei der zu erwartenden Fischgröße kommt natürlich meine Eigenbau-Rute Klasse #1 zum Einsatz, in Kombination mit meinem 12er Vorfach ist es nicht damit getan, den Fisch einfach reinzukurbeln. Der Tag geht einfach super weiter, immer wieder lässt sich mal eine Bachforelle, mal ein Regenbogner auf ein Kräftemessen mit mir und der Rute ein und die Zeit vergeht wie im Flug. Nachdem ich ja kein so großer Fan davon bin, untermaßige Fische ( o.k., bei den Bedingungen sind eigentlich so gut wie alle untermaßig ) für ein Foto an die Luft zu zerren, habe ich mir etwas einfallen lassen: Ich schnalle meine GoPro unterhalb des Knies ans rechte Bein und stelle auf Mehrfachfoto, d.h. dass im Abstand von 1 1/2 Sekunden ein Foto gemacht wird. Bei einigen Bissen drücke ich kurz auf den Auslöser und überlasse es dem Zufall, ob es später auf dem Foto auch was zu sehen gibt. 90 % der Fotos zeigen dann auch entweder Wasser und Wasser und Wasser oder mein linkes Bein oder ein verwackeltes Irgendwas, aber ein paar Fotos gelingen:
fi1.jpg

fi4.jpg


Mittlerweile ist es deutlich Nachmittag und es ist auch nicht mehr warm - es ist heiß!! Alle 15 Minuten stecke ich einfach mal den Kopf ins Wasser, das tut richtig gut. Diesen Wunsch hatte ich beim Meerforellenfischen an der Küste noch nie...
Der Tag beweist mir auch, dass das Label "atmungsaktiv" bei Wathosen relativ zu verstehen ist, was ich so an Transpirationsaktivität unternehme bleibt leider vorwiegend in der Büx, die muss Abends mal gewaschen werden :oops
In den vergangenen Stunden habe ich an 20 Forellen gefangen, alle in der Größenordnung von 15-30 cm und ich will ( wen wundert´s) versuchen ob nicht noch was größeres im Bach ist. Ich beschließe also einen Taktikwechsel: Großer Köder = großer Fisch und so kommt ein auf Größe 8 gebundener Foam Hopper ans Band. Meine Idee ist, dass der Hopper einfach so groß ist, dass die Kleinen den nicht packen können und die Großen sich in Hoffnung auf eine fette Portion Eiweiß ( kleines Wortspiel ) an die Oberfläche locken lassen. Die Taktik geht so mittelmäßig auf, denn 1 Minute später kommt der erste Biss - und die Forelle hat..........12 cm !!! Gerade mal doppelt so groß wie der Hopper, gieriges Teil. Aber auch deutlich größere Kollegen des kleinen Gierschlunds haben Appetit auf meinen Hopper und tatsächlich fange ich mehr größere Forellen, hier mal ein Sample:
fi3.jpg


So beschließe ich glücklich und eher well done als medium durchgebraten den ersten Fischtag.

Der folgende Tag ist wieder mit Wandern & Essen & Trinken ausgefüllt. Wer übrigens glaubt, Wandern ist ein Omasport muss mal mit ins Gebirge, meine Beinmuskulatur hat am Folgetag einer Wanderung immer deutlich sauer reagiert und ich bin keine Couchpotato.

Zweiter Fischtag: Wieder schön warm, es werden wohl die gleichen Bedingungen werden wie beim ersten Tag.
Die Taktik bleibt also unverändert, Fischen und Wein sollen trocken sein!
Also los geht´s:
t2.jpg


Die Talfer zeigt sich von ihrer schönsten Seite, da dürfen ein paar Impressionen nicht fehlen:
talfer1.jpg


Im unteren Teil ist die Talfer im Abstand von 200 Metern von kleinen Wehren gebremst deren Ausläufe natürlich Lieblingsplätze vieler Fische sind:
talfer3.jpg


Auch der Ausblick vom Bach aus nach oben hat einiges zu bieten, so fischt man beispielsweise an der historischen Burg Runkelstein entlang die im 16. JH von einer reichen Kaufmannsfamilie direkt an der Talfer gebaut wurde.
runkel.jpg
Ich bin jung,
ich kann waten.
Bild
Benutzeravatar
marasso
Fly Guy
...
 
Beiträge: 682
Registriert: 23.10.2014, 23:14
Wohnort: hamburg

Re: Die Talfer in Südtirol - Reisebericht Teil I

Beitragvon adasen » 24.08.2015, 11:04

Schöner Bericht mit feinen Bildern :l: , vor allem die Idee mit der Gopro unter Wasser am Knie finde ich :--+:
Gruß
André

Ein Leben ohne Hund ist möglich...., aber sinnlos! (Frei nach Loriot)
Benutzeravatar
adasen
Von einem, der auszog...
...
 
Beiträge: 2002
Registriert: 02.11.2005, 13:56
Wohnort: Kleinwaabs

Re: Die Talfer in Südtirol - Reisebericht Teil I

Beitragvon Forelleke » 24.08.2015, 11:35

Schön!

Ich fische meistens im Sommer in der Isar einfach in der Badehose und Neoprenschuhe mit Profilsohle.. ;)

Vor allem diesen Sommer was das sehr erfrischend…und zwischendrin mal kurz schwimmen.

Oder zu den unerreichbare Felsen hinschwimmen statt waten und absaufen.

Danke für dein Bericht, SüdTirol ist klasse, guter Mix zwischen fischen und leckeres Essen

Roel
Benutzeravatar
Forelleke
...
...
 
Beiträge: 111
Registriert: 10.02.2012, 11:00
Wohnort: München

Re: Die Talfer in Südtirol - Reisebericht Teil I

Beitragvon Meerforellenjäger » 24.08.2015, 20:35

Schöner Bericht mit feinen Bildern.
Benutzeravatar
Meerforellenjäger
...
...
 
Beiträge: 311
Registriert: 05.12.2006, 11:17
Wohnort: Nürnberg

Re: Die Talfer in Südtirol - Reisebericht Teil I

Beitragvon franco 123 » 24.08.2015, 21:02

Meine Güte, was für ein super Bericht! Vielen Dank dafür.
Tolle Bilder, unterhaltsam und informativ geschrieben, und der Einsatz der GoPro unter Wasser ist der Hit.
Da ich auch Südtirol-Fan bin, habe ich sofort Urlaubspläne geschmiedet...
Ging es denn angelmäßig in der Toscana und in Slowenien weiter?
Grüße
Frank
Benutzeravatar
franco 123
...
...
 
Beiträge: 173
Registriert: 28.02.2009, 23:09
Wohnort: Wendland

Re: Die Talfer in Südtirol - Reisebericht Teil I

Beitragvon jodel123 » 24.08.2015, 21:41

Prima Bericht :)
Ich habe vor ein paar Wochen einen Tag am Antholzer Bach in Südtirol gefischt.
Auch diesen Bach kann ich uneingeschränkt empfehlen. Konnte dort auf Trockenfliege, Streamer und Nymphe jeweils schöne Bachforellen und Marmoratas fangen.

Südtirol ist auf jeden Fall eine Reise wert :
-------------------------------------
Bis denn...
Christian
Benutzeravatar
jodel123
...
...
 
Beiträge: 301
Registriert: 16.09.2010, 11:49
Wohnort: Hamburg

Re: Die Talfer in Südtirol - Reisebericht Teil I

Beitragvon marasso » 25.08.2015, 18:50

franco 123 hat geschrieben:Meine Güte, was für ein super Bericht! Vielen Dank dafür.
Tolle Bilder, unterhaltsam und informativ geschrieben, und der Einsatz der GoPro unter Wasser ist der Hit.
Da ich auch Südtirol-Fan bin, habe ich sofort Urlaubspläne geschmiedet...
Ging es denn angelmäßig in der Toscana und in Slowenien weiter?
Grüße
Frank



Hallo Frank, danke für die Blumen, und klar, hab im " In und südlich der Alpen" Forum noch was gepostet.
Ich bin jung,
ich kann waten.
Bild
Benutzeravatar
marasso
Fly Guy
...
 
Beiträge: 682
Registriert: 23.10.2014, 23:14
Wohnort: hamburg


Zurück zu In und südlich der Alpen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast