Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Hier sind es vor allem die Lachsflüsse, die viel locken. Mandal, Gaula, Orkla, Namsen und viele weitere Flussläufe halten mächtige Fische bereit. Allerdings hat Norwegen mit seinen Fjorden und Küsten weitaus mehr zu bieten - schreibt darüber.

Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Hawk » 30.03.2020, 21:35

Auch 2019 habe ich wieder eine Wander und Angeltour im Norden unternommen.
Meine Kumpels mussten leider beide aus beruflichen/familiären Gründen absagen, aber ich hatte eh schon länger mit dem Gedanken gespielt mich mal alleine auf den Weg zu machen und so war das eine gute Gelegenheit die Pläne in die Tat umzusetzen.

Nach einigem hin und her Entschied ich mich für den Femundsmarka-Nationalpark.
Die Gegend ist bei Norwegern und Schweden recht beliebt dadurch trifft man eigentlich jeden Tag einige Menschen und es gibt auch ein weites Netz and offiziellen Wegen und Trampelpfaden.

Hier meine Route:
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Gestartet bin ich am nördlichen Ende des Femundsees am Fähranleger Synnervika, von dort ging es ein Stück um den Femundsee, am Fluss Mugga hinauf bis kurz vor die Schwedische Grenze, übers Fjell zum Volsjøan, runter an Reva und Revsjøan bis zum Rogen, und dann am Fluss Røa wieder Flussabwärts zum Femundsee.

26.07.19
Nachdem ich noch bis spät Abends meine Ausrüstung geprüft und gepackt hatte machte ich mich nach einer eher unruhigen Nacht gegen 8 Uhr morgens auf den Weg Richtung Norden. Leider wurde kurz vor dem urlaub mein Auto zum wirtschaftlichen Totalschaden erklärt und mir von der Werkstatt dringend abgeraten damit in den Urlaub zu fahren. Zum Glück erklärten sich meine Eltern dazu bereit für den urlaub die Autos zu tauschen, daher machte ich einen kurzen Zwischenhalt in Kiel, danach ging es dank Vollsperrung der A7 über Eckernförde weiter Richtung Norden. Über die Brücke, vorbei an Kopenhagen und Göteborg. Gegen 22 Uhr reichts mir langsam mit der Fahrerei, leider bin ich genau auf der höhe Oslo und die hier vorhandenen Raststätten laden nicht grade dazu ein hier eine Nacht zu verbringen. Ich fahre noch fast eine Stunde weiter bis ich eine ruhige Ecke in der nähe einer Tankstelle finde. Schnell die Isomatte aufpumpen und ab in den Schlafsack...

27.07.2019
Morgens erstmal das Auto wieder reisefertig gemacht und mir an der Tanke Frühstück und einen Kaffee besorgt, nochmal an der Bank gehalten um ein paar kronen Bargeld dabei zu haben und dann geht es weiter Richtung Ziel. Zwischenzeitlich mache ich kurz Rast an einem See mit herrlichem Panorama und glasklarem Wasser direkt vor meinen Füßen schwammen Elritzen und an der Kante waren Forellen am patrollieren. Ich konnte mich grade noch zurückhalten...

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ich wundere mich mit der Zeit etwas über die Zeitangaben von Google Maps.
Irgendwann bin ich nurnoch 60km von meinem Ziel entfernt und soll trotzdem noch zwei Stunde fahren :q:
Dann lotzt mich google auf eine Schotterpiste, die mit jedem Kilometer enger und schmaler wird und ich verstehe. Ich schleiche die immer abenteuerlicher werdende piste teilweise mit nur 10km/h entlang und halte sogar hin und wieder an um zu schauen wie ich dicke Steine auf der Straße am besten umfahre. Nach ungefähr einer Stunde auf dieser Höllenpiste lande ich wieder auf einer normalen zweispurigen Schotterpiste und es geht entspannt ans Ziel.

Ich parke bei Synnervika, ziehe mich in Ruhe um trinke noch ein letztes Bier und dann geht es bei 24° im Schatten auf in die Natur.

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Zunächst noch auf einer breiten Piste die aber zusehends schmaler wird.

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Nach 2km bin ich wieder am Femundsee und brauche dank Hitze, windstille und 20kg Gepäck auf dem Rücken erstmal eine Pause.
Kaum sitze ich werde ich allerdings von mehreren Bremsen attackiert erst mit Anwendung von Gewalt und viel Antibrumm werde ich sie wieder los.

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Weiter geht es und ich stehe an der kanalisierten Verbindung zwischen dem Femundsee und dem Feragen. Ohne Gepäck würde ich hier wohl grade noch Rüberspringen können, mit dem Schweren Rucksack entscheide ich mich lieber die Brücke zu suchen die einige 100m Flussabwärts sein soll.

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Noch ein Stück weiter entlang des Sees dann überquere ich zum ersten mal die Mugga und bin gleich von dem Gewässer begeistert.

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In ständiger Begleitung von Mücken und Bremsen geht es weiter Flussauf.
An einem platz an dem Wohl regelmäßig Leute ihr Camp aufschlagen und ich dementsprechend auch einigen Angeldruck vermute schaue ich oberhalb einer Rausche neugierig ins Wasser und kann meinen Augen kaum trauen. Da steht eine locker 40cm Forelle in der Strömung und schert mehrmals aus um sich nymphen zu schnappen.

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Eigentlich wollte ich noch 1-2km weiter aber es ist schon 18 Uhr, ich bin von der langen Autofahrt noch etwas geschlaucht und ich habe hier einen guten Zelt und Angelplatz also was will man mehr...
Also Zelt aufgebaut, umgezogen und ab ins Wasser.

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Leider hat die Forelle ihren Standplatz scheinbar gut gewählt, von oberhalb komme ich nicht an den Fisch heran, von der Seite aus habe ich zwar Deckung kann aber aufgrund der Bäume nicht werfen und von unten kann ich die Fliege nicht vernünftig präsentieren da der Fisch knapp oberhalb der starken Strömung steht meine Schnur also zwangsläufig in der Strömung landet und die Nymphe zu schnell wegzieht und verscheuche ich den Fisch leider entschneidere mich aber mit einigen kleinen Forellen und einer 30er Äsche eine weitere etwas größere Äsche steigt mir wieder aus.

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Ich entscheide mich flussabwärts noch einen Versuch mit der #7 und einem handlangen Tandem Streamer zu machen Zielfisch sollten eigentlich große Forellen sein. Der Fluss mündet hier in einen kleinen Teich ich mache einen weiten Wurf in den Mündungsbereich dabei verheddert sich leider die Schnur. Während ich noch am enttüddeln bin Ruckt es plötzlich an der Rute. und es fühlt sich nach einem ordentlichen Fisch an.
Nach kurzem Drill stelle ich fest das die vermeintliche Forelle recht stachelig ist.

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Statt Forellen fange ich noch einige weitere schöne Barsche und einen Mini Hecht. Leider werde ich weiterhin und Mücken und vor allem auch Bremsen attackiert. Ich wusste vorher garnicht das es da oben überhaupt Bremsen gibt, bei meinen vorherigen Touren hatte ich mit denen nie Probleme. Gegen 22 Uhr bereite ich mir noch mein Abendessen zu und verziehe mich ins Zelt.
Bis wenige Tage vor der Reise bestand eine Feuerwarnung d.h. es wäre kalte küche angesagt. Diese wurde aufgehoben so das zumindest Campingkocher wider erlaubt waren. Ich hatte einen kleinen Spirituskocher dabei und bin damit sehr sorgsam umgegangen, ein offenes Feuer hätte ich bei der trockenen Hitze als zu gefährlich empfunden.
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon rastello » 30.03.2020, 23:29

Hallo,
Toller Reisebericht und schöne Bilder, da sage ich Dankeschön fürs virtuelle mitnehmen und natürlich Petri zu den Fischen! :+++: :+++: :+++:

Gruß aus dem Schwarzwald Armin
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Cowie » 31.03.2020, 09:38

Danke für's Mitnehmen, Sven! :+++:

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung... :l:
Liebe Grüße und T. L.


Wolfgang
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Freund Hein » 31.03.2020, 14:50

Wir waren mal unweit des Rogen. Alleine die Barsche dort sind schon eine Reise wert.
Wir hatten Sie in einer sehr guten Größe von 30-50 cm. Im Magen hatten die paar die wir gegessen haben
ausschliesslich Bachflohkrebse. Gebissen haben die auf Streamer mit einer Vehemenz die ich so nicht kannte.
Kulinarisch ziehe ich Barsch auch jeder Forelle vor.
Sehr schöner Bericht!

VG
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Frank Carstensen » 31.03.2020, 15:13

Herrlich, mehr davon. :+++:
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Aurelia » 31.03.2020, 15:58

Da kriege ich aber feuchte Augen - war vor 36 Jahren auch mal an Fehmundsee und Rogen wandern.
Damals habe ich noch nicht geangelt, aber käme ich dort mal wieder hin, würde ich auch eine Angelrute mitnehmen.
Danke für den Bericht und die schönen Fotos! :+++:
Gruß, Ines
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Hawk » 31.03.2020, 16:42

28.07.2019
Als ich morgens aufwache ist es noch angenehm kühl, ich sitze Barfuß vor dem Zelt koche mir erstmal einen Kaffee und esse danach in ruhe mein Müsli.
Die Mücken sind noch nicht aktiv dafür werde ich von Ameisen angegriffen :evil:
Nach dem Frühstück ist es so warm das ich mich zu einem kurzen Bad endschließe bevor ich mich auf den Weg mache.
Das Tagesziel ist überschaubar, 5km den Fluss aufwärts und unterhalb des Nedre Muggsjøan das Lager aufschlagen.

Und so mache ich mich auf den Weg, entlang von zahlreichen riesigen Ameisenhaufen und traumhaften See und Flussabschnitten.
Auf einmal vor mir ein Tor man bewegt sich hier in einem, bestimmt über 100km² großen, Rentiergattern.

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Auf halber Strecke entscheide ich mich für eine Pause und gehe erstmal für eine Weile fischen.
Ich probiere es mit der Trockenfliege und kann trotz Mittagshitze mehrere Äschen und einige kleine Forellen landen.

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Danach mache ich mich wieder auf den Weg über Stock und Stein.
Bei einer Hütte treffe ich eine Norwegische Familie die mir die nächsten Tage noch öfter über den Weg laufen wird, auch sie waren Fischen, hatten heute allerdings nur kleine Forellen erwischt.

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Mein Ziel ist ein bei google earth gut zu erkennender Wasserfall unterhalb des Nedre Muggsjøan. Dieser liegt ca. 600m abseits des Weges und sollte daher deutlich weniger frequentiert sein als mein vorheriger Schlafplatz. Irgendwann muss ich also den Pfad verlassen und mich noch für 600m durch das Gebüsch schlagen.
Bei meinen Letzten Touren im norden war ich ja meistens deutlich weiter im norden und auch höher unterwegs, da war die Fortbewegung abseits der Wege recht einfach.
Diesmal ist es deutlich anstrengender Hügel, Moore, Büsche und vor allem Moosüberwucherte Steinfelder machen mir das Leben schwer und ich brauche für die paar Meter fast eine halbe Stunde und verbringe dann nochmal eine ewigkeit damit einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Irgendwann finde ich eine flache Felsplatte direkt am Fluss und sichere die Heringe einfach mit Steinen, es ist ja zum Glück nicht windig...

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Direkt unter dem Wasserfall schnappt sich dann auch gleich beim ersten Wurf eine gute Forelle die Trockenfliege und kommt auch mit, zwei Würfe später verliere ich eine weitere, ähnlich große. Weiter Bachabwärts habe ich eine kurzweilige Fischerei mit zahlreiche Forellen, allerdings deutlich kleiner als die ersten beiden Fische. Leider sind keine Äschen mehr dabei.

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Zum Abendessen wandert die Forelle in eine Linsen-Kokus-currysuppe. In der Dämmerung mache ich noch ein paar Würfe mit Streamer,kann aber keinen Fisch mehr überzeugen.
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Maqua » 31.03.2020, 17:44

Danke Sven, das motiviert zum durchhalten!
Klasse Landschaft und Gewässer! :l:
Gruss Manni :wink:





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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Hansen fight » 31.03.2020, 18:02

Gerade in der schwierigen Corona Zeit liebe ich diese schönen Reiseberichte :+++:
Super Danke Sven
Dort in der Gegend gibt es doch auch Bären ?
Fliegenfischen macht froh.Fliegenbinden ebenso.
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon FALKFISH-THOR » 31.03.2020, 18:16

Wie immer ein schöner Bericht Sven und toll, dass du solche Touren auch alleine machst! :+++:
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon tyfly » 31.03.2020, 18:19

Richtig top.
Danke dir
Ostseefreund
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon adasen » 31.03.2020, 18:48

Klasse Reisebericht! Danke für das Teilen :l:
Wann gehts weiter :x
Gruß
André

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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon han hugo » 31.03.2020, 21:57

Danke :+++:
wer fängt hat recht!
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon BjoernS » 01.04.2020, 07:51

Deine Touren sind einfach :+++: :+++: :+++:

Vielen Dank! Ich bin gespannt wie es weitergeht...! :x

tl
Björn
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Re: Tourtagebuch 2019: Femundsmark

Beitragvon Fliegenjens » 01.04.2020, 12:06

Danke Sven...mach schnell weiter :wink:
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Jens

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