Grönland: The Arctic Char Trail

Hier geht es um Traumziel, Traumreisen und Traumfische aus aller Welt. Wer hätte nicht gerne Bonefish am Golf von Mexiko, Lachs in Kanada oder die fetten Salmoniden in Patagonien. Wer sie hatte - soll unbedingt darüber berichten.

Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Hawk » 28.08.2018, 18:37

Eigentlich wollte ich ja nach Florida...
Da ich aber so meine Mühen hatte einen Mitreisenden zu finden weckte ein Thread im Fliegenfischerforum in dem ein Mitreisender für Grönland gesucht wurde mein Interesse, ist ja fast das Selbe :lol:

Vorbereitung

Der ursprüngliche Plan war eine Tour in ein paradisisches Tal mit unberührter Natur, wilden Moschusochsen und Flüssen voller großer Saiblinge.
Nachdem wir die Anreise etc. bereits halbwegs geklärt hatten stellte sich leider heraus das das Tal größtenteils in einem Schutzgebiet liegt und auf der restlichen Tour kaum vernünftige Angelmöglichkeiten vorhanden sind. Schwarzangeln im Schutzgebiet wollten wir nicht also war das Thema vom Tisch.

Die nächste Idee war dann eine Tour vom Flughafen Kangerlussuaq nach Sisimiut. Einige Bäche und Flüsse, sehr große Seen mit stationären Fischen sowie ggf. Angelmöglichkeiten im Fjord.Wir arbeiteten eine schöne Route aus, irgendwann kam ich auf die Idee diese mit dem Arctic Circle Trail zu vergleichen, dem bekanntesten Wanderweg Grönlands. Leider waren die Routen auf weiten Strecken deckungsgleich. Da wir beide lieber eine etwas abgeschiedenere Gegend wollten war auch diese Option vom Tisch.

Martin wollte an diesem Punkt schon aufgeben aber ich hatte mich aber festgebissen. In stundenlanger Kleinarbeit suchte ich bei Google Earth sämtliche Gewässer in 50km umkreis um die beiden Städte zusammen die Fisch beinhalten könnten. Da kam dann doch einiges zusammen und ich konnte auch Martin wieder begeistern. Und so bastelten wir uns eine Route vom Startpunkt Sisimiut die möglichst viele der potentiellen Saiblingsflüsse abdeckt in der Hoffnung das zumindest einige davon auch tatsächlich einen Aufstieg haben.

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Als Alternative sollte auch die Dorschangelei an der küste möglich sein. Nach einigem Schriftverkehr mit dem Fischereiministerium war auch sichergestellt das wir diese Flüsse bis auf einen ( Den Camp North Fluss ) auch tatsächlich befischen dürfen.

Als die Route geklärt war ging es an die Ausrüstungsoptimierung:

Zelt: Tarptent Scarp
Isomatte: Therm a Rest Neoair Xlite
Schlafsack: Cumulus Quilt 450 (Ein unten offener DaunenSchlafsack der fest mit der Isomatte verbunden wird)
Ein leichter Gaskocher mit zwei Kartuschen
An Klamotten eine Goretex Jacke, ein warmer Pullover eine Weste sowie jeweils ein Ersatzschirt, eine Unterhose und ein Paar Socken.
An Angelgerät meine #7 Scott Tidal sowie die #7 TFO als Backup, Wathose und Schuhe und zwei Fliegendosen (Eine für Saibling und eine für Dorsch)
Beim Essen entschied ich mich morgens für Müsli mit Vollmilchpulver, Mittags gab es zwei Flapjacks und Abends eine Treckingmahlzeit von Travellunch die einfach mit kochendem Wasser aufgegossen wird.

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zur Navigation kam mein Handy und ein kleines GPS gerät mit, desweiteren ein Sattelitentelefon (Iridium Go) für Wetterdaten,ok Meldungen nach Hause und natürlich für Notfälle.
Und das wichtigste und Schwerste Utensil, ein MRS Adventurer X2 Packraft, also ein 2 personen Schlauchboot mit moderatem Gewicht (4kg).

Tag 1: Anreise nach Kopenhagen

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Anfang Juli war es dann endlich soweit, ich machte mich mit 30kg beladen auf den Weg quer durch Hamburg zum Flixbus, mit dem ging es Richtung Kopenhagen, wo ich dann meinen Reisepartner Martin das erste mal persöhnlich traf.
Wir teilten das Gepäck etwas auf 20kg aufzugebendes Gepäck + 8kg Handgepäck pro Person, schafften wir grade so eben.
Danach ging jeder erstmal zu seinem Schlafplatz, ich hatte mir für die letzte Nacht noch ein Hotelzimmer gebucht, Martin schlief einfach neben dem Flughafengelände im Zelt :lol:

Tag 2:Kangerlussuaq und Sisimiut

Morgens ging es mit ordentlich Zeitpuffer Richtung Flughafen da wir ggf. probleme beim aufgeben der schweren und sperrigen Rucksäcke befürchteten. Klappte aber alles problemlos und so blieb genug Zeit für ein Frühstück und Kaffe, dann ging der Flug Richtung Kangerlussuaq los.
Aus dem Flieger konnte man zunächst Südnorwegen, dann den Atlantik und nach 3 Stunden das Grönländische Inlandeis bestaunen.
Angekommen checkten wir das Gepäck für den weiterflug nach Sisimiut ein und warteten ab.

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Der Flug wurde einige male nach hinten verschoben, dies scheint hier aber soweit normal zu sein.
Dann ging es endlich in die kleine Propellermaschiene auf den Weg Richtung Sisimiut. nach einer halben Stunde waren wir praktisch da und der Flieger drehte mehrere Runden.
Fanden wir erstmal toll, so konnten wir schonmal unser erstes Gewässer sowie 2 der Fjord und Passquerungen von oben begutachten.

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irgendwann drehte der Flieger dann aber leider (nach einer Durchsage auf Dänisch)komplett um. Meine Sitznachbarin übersetzte das der Wind zu stark für die kurze Landebahn sei und morgen der nächste Flug geht.

Zurück in Kangerlussuaq gabs dann Essensgutscheine die wir dankend annahmen und einen Hotelgutschein den wir ablehnten.
Statt dessen wollten wir an einem einige km vom Flughafen entfernten See unser Zelt aufschlagen.

Nach einer ausgiebigen Mahlzeit machten wir uns auf den Weg durch die kahle statt, dem schlammigen Gletscherfluss und einer alten Radarstation.

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Am See wurden wir von einer großen Menge Mücken empfangen, mit etwas Antibrumm ließ es sich aber aushalten.
Wir versuchten beide noch unser Glück af Saiblinge (zumindest ein paar kleine konnten wir sichten) blieben aber erfolglos.

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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Fazer » 28.08.2018, 18:53

Geiler Bericht Sven :+++: schön angefüttert :grin:
Kommt da gleich noch mehr?
Gruß
Nico

Ich kann mich dem Wasser nicht entziehen (AdMeeF) Bild
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Harzer99 » 28.08.2018, 19:21

1a :+++: :+++: :+++:
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon schöngeist » 28.08.2018, 21:08

:+++:

Freue mich auf die Fortsetzung..

:x
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Hawk » 28.08.2018, 21:13

Tag 3:Start in Sisimiut

Morgens sind steigende Saiblinge im See zu sehen, die Zeit reicht grade noch für ein paar Würfe, ich habe aber leider keinen Erfolg.

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Wir brechen die Zelte ab und machen uns auf den Rückweg nach Kangerlussuaq.

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Nach einem ausgiebigem Frühstück gehts dann wieder in den Flieger nach Sisimiut, diesmal ist es fast windstill, allerdings hängen die Wolken sehr tief. Der Pilot wagt trotzdem den Anflug, diesmal klappt alles und wir laufen zum kleinen Flughafengebäude.
Während wir noch Rätseln wo das Gepäckband ist werden hinter uns die Koffer per Hand reingetragen :lol:

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Wir fahren noch schnell per Taxi in die Stadt und machen die letzten Einkäufe (Gaskartuschen und einige Snacks), trinken eine letzte Cola und dann gehts per Taxi zurück zum Flughafen. Direkt neben dem Flughafengebäude wird das Packraft aufgepumpt und wir quetschen uns zwischen das Gepäck. Platzteschnisch ist das ganze leider etwas grenzwertig geht aber.

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Das Wasser ist erstmal spiegelglatt und wir haben sogar leichten Rückenwind.
Wir paddeln direkt um die Landebahn herum und entscheiden uns entgegen des ursprünglichen Plans nicht den Gebirgspass zu nehmen und den Fjord im Inland zu queren sondern auf dem Seeweg außen rumzufahren.
Nach einigen Kilometern machen wir in einer sandigen Bucht Pause um uns etwas die Beine zu vertreten, der Wind frischt etwas auf, das Wasser ist für meinen Geschmack schon grenzwertig kabbelig fürs Packraft, Martin ist sich aber sicher das das ganze noch safe ist.

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Gegen 19 Uhr paddeln wir dann vorbei an einigen desinteressierten Innuit in unseren ersten Zielfluss. Dieser Fluss ist auch soweit das vorher über Google Earth erkennbar war der letzte Berührungspunkt mit der Zivilisation (Wobei er auch für die Innuit ausschließlich per Boot erreichbar ist, Straßen oder Wege gibt es hier nicht)

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Eine kurze Erkundungstour zeigt das zumindest vereinzelt Fische im Fluss sind, in einer Reuse der Innuit hängen ebenfalls einige Saiblinge.

Wir machen die Ruten fertig und laufen den Fluss hoch, nach einem kurzen Stück landen wir an einem großen See, weiter wollen wir heute Abend nicht mehr, also fischen wir wieder langsam runter. Ich bekomme einen Biss in einer Rausche der ca. 40er Saibling hängt leider nicht.

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Nach dem Abendessen stehe ich so gegen 23 uhr wieder an der Flussmündung und sehe eine Welle auf den Fluss zusteuern. Sieht irgendwie verdächtig aus, also angeworfen und den ersten Biss versaut. Nächster Wurf, nächster Biss und diesmal klappt alles, der erste Arctic Char wird gelandet.
haben ja noch 2 Wochen Zeit um an der Größe zu arbeiten.

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Ich fische noch bis 1 Uhr Nachts weiter, dunkel wird es ja nicht, es kommen immer wieder neue Trupps von Saiblingen an und ich kann noch 3 weitere Fische in der selben Größenordnung landen.

Als ich grade am einpacken bin durchschwimmt noch ein Polarfuchs die Bachmündung und verschwindet am anderen Ufer.
leider zu weit weg um Bilder zu schießen.

Ziehmlich übermüdet gehts ab ins Zelt.

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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon jens_hh » 28.08.2018, 22:32

Sehr geil, bidde mehr!!!
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Frank Carstensen » 29.08.2018, 06:53

Super, freue mich auf die Fortsetzung. :+++:
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon raku » 29.08.2018, 07:22

Super Tour. Bitte weitermachen :+++:
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon LenSch » 29.08.2018, 08:04

Sehr cool! Danke :+++:
Grüße,
der LenSch
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Ralph Hertling » 29.08.2018, 08:05

Moin!
WUN-DER-BAR ... vielen Dank für's Mitnehmen!!!!!
:+++: :grin:
TL
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Matthias » 29.08.2018, 08:06

Fantastisch :+++: :+++:

Vielen Dank.

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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Ned Flanders » 29.08.2018, 09:26

Spitze!
Und vielen Dank!
Ich möchte nochmal dasselbe wie er sagen - aber etwas umständlicher.
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon marasso » 29.08.2018, 09:32

Jo, bitte mehr !! So ist´s ja echt spannend, freu mich schon auf die Fortsetzung!
Ich bin jung,
ich kann waten.
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Athlord » 29.08.2018, 09:37

Wow - das ist mal eine richtig tolle Tour!
Die Mücken sind allerdings Grenzwertig.
Sind die die ganze Zeit so zahlreich anwesend?

:wink:
Jürgen
Ich danke allen, die nichts zur Sache beizutragen hatten und trotzdem geschwiegen haben!
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Re: Grönland: The Arctic Char Trail

Beitragvon Hawk » 29.08.2018, 09:50

Athlord hat geschrieben:Die Mücken sind allerdings Grenzwertig.
Sind die die ganze Zeit so zahlreich anwesend?


Nein gab da sehr starke Schwankungen, am nächsten Morgen ließ sich an der selben Stelle z.B. keine einzige Blicken obwohl es windstill und warm war.
Gab aber auch noch deutlich schlimmere Tage.

Ich habs auch erst nicht geglaubt aber man lernt tatsächlich recht schnell die Biester zu ignorieren und ab einer gewissen Anzahl an Stichen jucken die auch nicht mehr (mein Rekord war ca. 20 Mückenstiche an einem Nachmittag... alleine auf der rechten Handoberseite).
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