Fraser River, Kanada: Tag 1, Teil 1

Hier geht es um Traumziel, Traumreisen und Traumfische aus aller Welt. Wer hätte nicht gerne Bonefish am Golf von Mexiko, Lachs in Kanada oder die fetten Salmoniden in Patagonien. Wer sie hatte - soll unbedingt darüber berichten.

Fraser River, Kanada: Tag 1, Teil 1

Beitragvon Strandlaeufer » 11.08.2014, 15:49

Fraser River, Kanada: Tag 1 - Fußballweltmeister und große Fische - Teil 1

Unsere Reiseplanung sah für die deutsche Nationalmannschaft ein gepflegtes Aussscheiden im Halbfinale vor. Am Freitag danach Abflug nach Vancouver, Kanada, Sonnabend eingewöhnen, Sonntag und Montag Lachsfischen auf dem Fraser River. Aber es kam anders. Ganz anders:
Ich habe ein bisschen Sorge, dass uns der Guide nicht finden kann.
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Campground am Harrison River

Aber Punkt acht hören wir auf unserem Campground das Geräusch eines kräftigen Bootsmotors und bereits wenige Minuten pflügen wir, von einigen Hundert PS angetrieben, den dunkelblauen Harrison River hinunter, um dann stromab auf den sandfarbenen Fraser River einzubiegen.
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Harrison River stromab

Der Strom, dessen Namen ich bis vor ein paar Wochen nicht kannte, ist doppelt so breit wie die Elbe und das Städtchen Chiliwack fliegt im Morgenlicht an uns vorbei. Der Guide fragt, womit wir beginnen wollen. Ich verstehe die Frage nicht ganz und sage wie selbstverständlich "salmon". Und er sagt "oh". Der Lachs sei noch geschützt im Hauptstrom, weil der Winter sehr hart gewesen sei und bisher nur sehr wenige Fische aufstiegen. Allerdings sei im Zufluss Vedder River der Chinook bereits freigegeben.
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auf dem Vedder River

Immerhin gleich der Königslachs, da will man doch nicht meckern, denke ich. Wir postieren uns an malerischer Stelle mit einer Eisenbahnbrücke im Hintergrund, über die alle halbe Stunde ein endlos langer Zug mit deutlich über einhundert Waggons rumpelt, mitten im Fluss. Der Guide setzt den Anker ab und macht drei Ruten mit beeindruckend großen und bunten Spinnern klar und wirft 20 Meter hinter das Boot.
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Lachsgeschirr für Chinook

An den Rutenspitzen kann man erkennen, wie schön die Spinnerblätter in der Strömung rubbeln. "This is the most effective method, no motor-vibrations, no noise." sagt der Guide. Ein Spinner ist mit einem leichten Vorblei versehen, einer mit einem schweren, einer ohne, so dass wir verschiedene Flusstiefen befischen. Das Wasser strömt schnell, die Wassertiefe beträgt drei bis fünf Meter. Wir gehen das Prozedere im Fall einen Bisses durch, aber der Guide deutet auch an, dass die täglichen Testbefischungen im Mündungsdelta des Fraser bisher kaum nennenswerten Fischaufstieg zeigten. "It's going to be tough" sagt er und auch die Gespräche mit vorbeifahrenden Bootsführern verheißen nichts Gutes. Nach drei Stunden brechen wir ab und fahren zurück zum Hauptstrom.
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auf dem Fraser River

Nun wird die große Kühlkiste geöffnet und darin finden sich eine Schüssel mit Lachsrogen und ein paar Neunaugen. Die seien der beste Köder für die Stör-Angelei, sagt der Guide. Der Neunaugen-Abschnitt wird direkt auf den verhältnismäßig kleinen (2/0 ?), widerhakenlosen und dickdrahtigen Haken aufgezogen, die Lachseier kommen in tischtennisballgroßen Portionen in Damenstrümpfen an den Haken. Überhaupt ist die Fischerei in British Columbia grundsätzlich nur widerhakenlos gestattet, was die Spannung (und die Aussteigerquote) erheblich steigert, aber das Abhaken wesentlich schonender gestaltet.
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Neunauge und Lachsrogen

Als das Boot verankert und die drei Köder mit schweren, davorgeschalteten Grundbleien auf den Grund des kraftvoll dahinströmenden Fraser River gebracht sind, ist es 12.00 Uhr. Das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft beginnt! Während die Alle-vier-Jahre-Fans in Deutschland in Millionenstärke vor den Geräten hängen, sitze ich als echter Fußballjunkie in Kanada auf einem riesigen Strom in einer Nussschale von Boot und schiele nach dem Sportschau-Live-Ticker. Sehr merkwürdig. Sonja ist so lieb und liest die neuesten Meldungen ab jetzt minütlich vor. Unser Guide outet sich als Nachfahre einer holländischen Familie und ist damit schonmal raus. Eine Rute verneigt sich und schnellt nach oben, doch bevor ich reagieren kann, sagt der Guide "baitfish" und schüttelt den Kopf. Baitfish? Der die schwere Rute einmal krumm macht und dann einen halben Meter hochschnellen lässt? Wenn das ein "Köderfisch" war, möchte ich deren Jäger nicht kennenlernen. Oder doch?
Die erste Halbzeit ist rum und plötzlich wippt und rubbelt eine andere Rute ganz komisch. "Go there", "wait", "wait", "set the hook", ich agiere ferngesteuert und muss plötzlich aufpassen, nicht zur Reling gezerrt zu werden, uuups, da ist richtig Druck dahinter.
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erster Biss

Die Rolle singt und vermutlich stelle ich mich ein bisschen blöd mit der Right-Hand-Multi an. Aber wer diese Kombi erfunden hat, gehört - ehrlich gesagt - auch im Fluss versenkt. Zum Glück erspart mir der Fisch vorläufig jeden Versuch, Schnur einzuholen. Er steht am Flussgrund acht Meter unter uns in der schnellen Strömung und bockt. Nach kurzer Zeit löst er sich wieder und ich kämpfe mit Rolle und Fisch. Drei Minuten später gleitet ein wunderschöner Stör auf der Wasseroberfläche zu uns.
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Fisch längsseits

Der Guide hat inzwischen zwei Stangen quer übers Boot gelegt und ein paar Eimer Wasser in die dazwischen hängende Stoffwanne gekippt. Ich führe den Fisch bis zum Boot und er greift das urtümliche Tier am Schwanz und trägt es zur Wanne. Was für ein schöner, großer Fisch. Ich bin glücklich.
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Stör in Warteposition

Der Guide holt einen bügeleisenartigen Gegenstand aus dem Cockpit und fährt den Fisch damit ab. Dass die BC-Sportfishing-Group überhaupt die Lizenz hat, im Fraser River auf Störe zu fischen, hängt mit der Teilnahme an einem wissenschaftlichen Projekt zusammen. Jeder gefangene Stör muss "getaggt" oder die bereits vorhandene Markierung ausgelesen werden. Dazu dient das "Bügeleisen". Die Daten werden dann an eine staatliche Forschungsstelle weitergegeben, die das Gedeihen der hiesigen Störe (Acipenser transmontanus) überwacht. 108 Zentimeter ist der Fisch lang, und nachdem die Daten niedergeschrieben sind, gleitet er zurück in die hellbraunen Fluten. Mein bis dato größter Fisch! Die Metermarke geknackt, nachdem meine drei größten Fische, Hecht /Heilbutt/ Seelachs, bei 98 cm verharrten. Und das in dieser großartigen wilden kanadischen Landschaft - unglaublich. Ich ahne noch nicht, dass dieses Wort noch eine andere Bedeutung für mich bekommen sollte.
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108 cm vor dem Releasen
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