Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Ein Forum für diejenigen, die einen Haufen grundsätzlicher Fragen haben, nicht wissen sollen wie und womit sie überhaupt beginnen sollen und nach ausgiebiger Recherche hier und anderswo mit Ihrem Latein am Ende sind.
Grundsätzlich gilt - Es gibt keine dummen Fragen - aber eine Suchfunktion!

Re: Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Beitragvon Achim Stahl » 30.08.2011, 13:36

Hallo Hanne,


setze dich doch mal mit Martin Purps, dem Fischereibiologen des Landesverbands auseinander. Der kann dir sicherlich die kompetenteste Hilfestellung geben.

Allerdings befürchte ich, dass viele eurer Probleme hausgemacht sind und die Kormorane Gummistiefel tragen. Ein wenig konnte ich deinen Verein ja auch kennen lernen...

Wenn handlange Forellen besetzt werden und ein massiver Befischungsdruck mit allen Methoden besteht, die dazu dienen, diese kleinen Fische zu verangeln, braucht man keinen Kormoran, um den Bestand zu vernichten, ehe er abgewachsen ist.

Dass der Lebensraum wirklich ungeeignet ist, glaube ich eher nicht. Im Oberlauf fehlen vielleicht ein paar Rückzugsmöglichkeiten, wie tiefe Gumpen, unterspülte Ufer und Krautbänke. Mit ein paar gezielten wasserbaulichen Maßnahmen lässt sich da sicher einiges verbessern.

Aber das nützt alles nichts, wenn die Grundeinstellung der meisten Vereinsmitglieder ist:

"Hinfahren, Beute machen, egal wie!"

... und auch alles erlaubt ist. Dafür ist das Gewässer viel zu sensibel.

So lange diese Denke vorherrscht, kann ich dir nur empfehlen, ausgewachsene Puffforellen zu besetzen.

Ansonsten empfehle ich drastische Einschränkungen bei den Angelmethoden, ein Jahreslimit von gefangenen Fischen, in Verbindung mit einem Fangbuch, in das jeder Fisch sofort nach der Entnahme eingetragen werden muß, strenge Kontrollen, auch langjähriger Vereinsmitglieder und die Ausweisung von Schongebieten.


Viele Grüße!


Achim
Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Fischlein her.

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Re: Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Beitragvon Hanne » 30.08.2011, 14:38

Hast Recht, Achim.
Du kennst ja meinen Verein einigermaßen. Nach dem Besatz stürzen sie hin zum Angeln. :evil:

Ich kann als einzige Frau im Verein und mit kurzer Mitgliedschaft eventuell nicht so viel ändern, aber ich will versuchen, nach dem Besatz eine Angelverbotszeit von 6 Wochen durchzusetzen (dieses Jahr hatte ich 2 Wochen durchzusetzen geschafft).
Das wird nicht leicht, denn man wünscht sich einen (anteiligen) Besatz von relativ großen Fischen(!). Was sagt uns das?
Ich setz mich gern in die Nesseln, wenn ich damit etwas erreiche. Auch wenn man mir dann böse ist (hab mich wohl dieses Jahr schon ein bisschen unbeliebt gemacht).
Ich editiere mal: mein (junger) Vereinsvorsitzender und einige andere junge Leute sind dabei aber voll auf meiner Seite. Es sind eher die (vielen) Älteren, die nicht so verstehen und mitziehen.

Wenn ich richtig gräsig werde nächstes Jahr, dann schicke ich die Jungs in der Besatzzeit zum Forellenpuff. :grin: :grin: :grin: (ups, böseböse)

Ich werde auf jeden Fall den Martin Purps kontaktieren, damit ich geholfen werde.
;)
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Re: Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Beitragvon Reverend Mefo » 30.08.2011, 18:13

Hanne hat geschrieben:Ja, die Forellen verpieseln sich, zumindest wenn Niedrigwasser in der Eider ist. Aber wohin? Da kann man lange überlegen. Auch deine Theorie kommt infrage, aber bevor die Eider in den Kanal "fällt", durchfließt sie den Schulensee und den Westensee. Daher dachte ich mir, die werden evtl. in den Seen hängenbleiben. Ob das aber die richtige Heimat für Forellen ist, ist auch zu bezweifeln.


Hallo Hanne, damit hast Du mit Sicherheit zu einem Teil recht. Aber ich bin mir fast sicher, dass ein nicht unerheblicher Teil von Besatzfischen (egal ob Eider oder sonstwo), die nach Genprogramm auch im Salzwasser leben könnten, genau dieses machen werden. In "normalen" Auen kommen Sie dann wie von Bernd beschrieben in 2-3 Jahren wieder und graben Löcher. Und einige werden dann gefangen und gemeldet, und die Quote stimmt wieder. Und in der Eider fällt dieser Teil halt komplett aus. Der Rest, dem vielleicht aus was für Gründen auch immer der obere Teil bis Bordesholm nicht gefällt, wandert ab in den Schulensee. Und da? In der Tat nicht gerade ein Traumrevier für echte Bachforellen. Und falls doch, würden sich doch wenigstens diese Fische sich wieder zum Laichgrubenschlagen bei Euch blicken lassen. Ich glaube, je weiter der Fisch abwandert, desto mehr verlässt er die eigentliche Forellenregion, und desto eher wird er entweder wieder umkehren und sich mit den Zuständen im Oberlauf arrangieren oder eben doch (teilweise auch unfreiwillig) vom Zehnmeterbrett springen.

Ich halte aber auch von Achims Theorie viel. Ich selbst kenne leider auch "Kormorane in Gummistiefeln" (zum Glück nicht aus dem Raum Kiel), und bei einem so langen Fluss mit vielen Versteckmöglichkeiten nicht nur für Fische müssen das neben natürlichen Feinden aus dem Tierreich nicht nur Deine Vereinsmitglieder sein, die den Besatz nicht zur laichreife wachsen lassen.
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Re: Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Beitragvon Hanne » 31.08.2011, 08:53

Ja das stimmt: es sind bei uns an der Eider auch schon öfter die Russen als Kormorane in Gummistiefeln gesichtet worden !!!
Ich will jetzt nicht alles auf meine Vereinskumpels schieben!

Es ist wie immer vielfältig!

Nun besetze ich wieder mit einem guten Gefühl, wenn ich mir vorstelle, dass die Bafos abhauen und zu Mefos werden.
KLasse! Auf an die Ostsee!
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Re: Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Beitragvon Fliegenjeck » 31.08.2011, 11:54

Hallöchen Hanne,
sicherlich ist schon einiges ( das Meiste gesagt ) worden.Zum Besatz noch folgendes: Es sollen ja Fische entnommen werden,die Im Fluß auch natürlich vorkommen. da dieser Stamm dann auch an die Lebensbedingungen in diesem Gewässer optimal angepasst ist. Normal wird dies auch nur gemacht wenn die eigene Reproduktion aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr ausreicht. Fressfeinde, Mensch,Kormoran, Gewässerveränderungen,was weiß der Kuckuck was da alles eine Rolle spielen kann.Ich meine auch zu wissen, das fremde Stämme,zumindest an der Rur, als Besatz eigentlich gar nicht erlaubt sind !In Dänemark die wiedereinbürgerung der Meefoos stößt da doch auf viel Zustimmung, oder ???Die wiedereinbürgerung vom Bären oder Wolf in Bayern ,eher weniger,oder ????
Man kann natürlich auch besetzen wenn man einfach nur fangen möchte.Der ( gierige) Mensch möchte ja seinen "Beitrag wieder raus haben" !?!Wie sinnvoll das ist, kann kein Mensch beantworten ohne eine uferlose Diskussion auszulösen.
Ob das andere sinnvoll ist??? Da gibt es sicherlich für und wieder.Aber anhand von Lachseinbürgerungen scheiden sich dann doch wieder die Geister.......Ob wir Menschen mit unseren Aktionen Recht haben oder nicht , das werden vielleicht unsere Urenkel beantworten können.Die Zeit wird es zeigen........
MfG Nobby...
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Re: Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Beitragvon Hanne » 01.09.2011, 16:03

Besatz ist üblich, das ist keine Frage.
Das mit dem natürlich vorkommenden Stamm ist sehr interessant. Aber wo gibt es das noch? Selbst unser ortsansässiger Züchter holt Fische aus Dänemark.

Was sind das wohl für Stämme, wenn in den Nebenflüssen von Elbe oder Eider wieder Meerforellen oder Störe besetzt werden?

Das alles ist hochinteressant, ufert aber immer in endlose Diskussionen aus, trotzdem fühle ich mich jetzt gut informiert und kann Entscheidungen treffen, ohne mich dabei dämlich zu fühlen.
Meine Betrachtungsweise hat sich zurechtgerückt.
Insofern: Dank auch an euch alle!
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Re: Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Beitragvon Mozilla » 24.12.2016, 09:50

Hanne hat geschrieben:Hast Recht, Achim.
Du kennst ja meinen Verein einigermaßen. Nach dem Besatz stürzen sie hin zum Angeln. :evil:

Ich kann als einzige Frau im Verein und mit kurzer Mitgliedschaft eventuell nicht so viel ändern, aber ich will versuchen, nach dem Besatz eine Angelverbotszeit von 6 Wochen durchzusetzen (dieses Jahr hatte ich 2 Wochen durchzusetzen geschafft).
Das wird nicht leicht, denn man wünscht sich einen (anteiligen) Besatz von relativ großen Fischen(!). Was sagt uns das?
Ich setz mich gern in die Nesseln, wenn ich damit etwas erreiche. Auch wenn man mir dann böse ist (hab mich wohl dieses Jahr schon ein bisschen unbeliebt gemacht).
Ich editiere mal: mein (junger) Vereinsvorsitzender und einige andere junge Leute sind dabei aber voll auf meiner Seite. Es sind eher die (vielen) Älteren, die nicht so verstehen und mitziehen.

Wenn ich richtig gräsig werde nächstes Jahr, dann schicke ich die Jungs in der Besatzzeit zum Forellenpuff. :grin: :grin: :grin: (ups, böseböse)

Ich werde auf jeden Fall den Martin Purps kontaktieren, damit ich geholfen werde.
;)
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Guten Morgen Hanne und euch anderen Schreibern,
das liest sich alles sehr spannend und ich achte deine Bemühungen und die der jüngeren Vereinsmitglieder wegen des sinnvollen Besatzes. Ich war mal Mitglied in diesem Verein (ca. 12 - 13 Jahre her) und kann die Eindrücke von Achim mit den Gummistiefel tragenden "Kormoranen" voll bestätigen! Eine zu große Anzahl an "älteren Herren" (überwiegend schon Rentner damals), mit viel Tagesfreizeit, hat dort mit ALLEN denkbaren Methoden viel Fisch raus gerissen :cry: :no:. Ich habe noch nie so viele fischgeile Kochtopfangler wie in diesem Verein erlebt!! Ein Kumpel und ich als Fliegenfischer waren dort in der Minderheit. AUCH mit unseren Ansichten, Dass "man", um seine Taschen unbedingt voll zu fangen, sogar mit Drillingen und Wurm angelte, hat mich echt angekotzt! Möchte nicht wissen , was da so alles verangelt wurde. Dafür ist diese Strecke viel zu sensibel. Es fehlten auch Schonzonen, freiwillige Schonzeiten, und andere geeignete Beschränkungen. Im oberen Teil bei Brügge fing ich öfter BaFOs von unter 30 cm auf Trockenfliege. Also einiges um 20 bis 25 cm rum. Ich denke, das war Fisch aus "selbst produzierten" Bestand ?? (ich meine, die hatten auch mal Brütlinge ausgesetzt), der dort durchaus seine gehabt Chance hätte, abzuwachsen. Am widerhakenlosen Einzelhaken in der Oberlippe gehakt kein wirkliches Problem mit dem releasen... Aber auch dort oben räuberten sie hemmungslos mit dem kleinen Spinner und DRILLING dran :cry: :cry: BTW: ich habe im mittleren und unteren Teil extrem starke Hechte auf Streamer gefangen. Eine Hechtdame von ca. 120 cm habe ich unter der Brücke vor dem Schulensee verloren. Werde ich nie vergessen. ..... Wegen der obigen Gründe mit den Forellen und der Grundhaltung der Mitglieder bin ich dann doch zügig wieder ausgetreten. Dann doch lieber wieder an die Ostsee und an norwegische Lachsflüsse, wo ich andere Fliegenfischer in einer Saison geguidet habe. Tight Lines und schöne Feiertage euch allen :+++: MOZ
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Re: Besatzmaßnahmen und Fangstatistik

Beitragvon Mozilla » 25.12.2016, 11:42

Fliegenjeck hat geschrieben:Hallöchen Hanne,
sicherlich ist schon einiges ( das Meiste gesagt )

Ja - danke @ll users with answers. Das ist so ;)

Man kann natürlich auch besetzen wenn man einfach nur fangen möchte.Der ( gierige) Mensch möchte ja seinen "Beitrag wieder raus haben" !?!Wie sinnvoll das ist, kann kein Mensch beantworten ohne eine uferlose Diskussion auszulösen.
Ob das andere sinnvoll ist??? Da gibt es sicherlich für und wieder.
MfG Nobby...


JA!! du hast hier den nagel auf dem Kopf getroffen :evil: . Vielleicht ändert sich noch was, wenn mehr und mehr Jüngere Leute in diesen Verein kommen? Es wäre sehr wünschenswert, neue Gedanken (...auch alles, was Achim bereits sagte), dort einzubringen und auch mit Beschluss durchzusetzen.
TL - MOZ
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