Tins (Zinnpilker)

Viele der edlen Wekzeuge und Hilfmittel, mit denen wir bei unserem Hobby hantieren, müssen nicht unbedingt von der Stange aus dem Ladenregal sein.
Watstock, Schnurkorb, Kescher und Co. können auch aus eigener Produktion sein, die gemeinsam mit Freunden oder allein eisige Winterabende füllen kann.

Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Frank Buchholz » 26.11.2014, 22:03

Moin!

Ich habe heute drei neue Gußformen eingeweiht die gestern angekommen sind und muß feststellen: Blinker kaufen ist doof. Hier mal ein paar Eindrücke:

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von oben: Do-it Mold diamond jig, flutter jig und casting spoon von Barlow´s Tackle. Kostenpunkt je 31$. Gußmaterial ist eine ungiftige Hartzinnlegierung wie sie aus Essgeschirr eingeschmnolzen wird. Edelstahl-Drahteinlagen kann man selber biegen oder dort gleich günstig mitbestellen. Da von diesem Pseude-antiken Trinkbecherschrott aus den 70ern momentan eine Menge auf dem Markt herumschwirrt ist es mit ca. 17 Euro das Kilo deutlich günstiger als reiner Zinn. Das tolle an dem Material ist dass es einen sehr schönen Glanz hat und diesen -im Gegensatz zu Blei - auch lange beibehält. Es ist hart genug um es mit dem Dremel zu bearbeiten. Der Schmelzpunkt ist mit ca. 230 Grad gerade noch hoch genung um auch mal Pulverlack zu verarbeiten - was aber nicht nötig ist. Ihr könnt das Zeug glatt in der Küche auf dem Herd schmelzen wenn Mutti grad nicht da ist. :oops

Ich habe alle drei Formen durch mein Testbecken gezogen und bin echt beeindruckt von dem Lauf. Das Material hat eine ähnliche Dichte wie Stahl. Selbst der vierkantige Diamond Jig der aussieht wie ein Betonklotz hat bei schneller Führung ein sehr unregelmäßiges, flottes Köderspiel, und der Flatter Jig rotiert besser als ein Snaps. Alle Formen lassen sich leicht auf Drahteinlage (=Durchläufer) modifizeiren.

Speed-Jigging mit Flatter Jigs ist übrigens in Nordamerika gerade der letzte Schrei auf Brown- und Lake Trout. Wegen der größeren Tiefen allerdings größere Muster, ich finde 10-30gr passt für die Ostsee bessser. Im Hafen mit leichtem Gerät macht sowas jedenfalls mächtig Spass (s.fotos). Das Teil am Dorsch ist ein halbunzer Flatterjig, Gewicht mit Zinn 10gr, 6er Assist Hook (Tönnchenwirbel) am oberen Öhr. Gefischt vom Pier in ca. 5m Tiefe.


Gruß
:wink:
Frank
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Jari_St.Pauli » 26.11.2014, 23:32

Toll!
Das wäre auch irgendwann mal was für mich.

Petri und halt uns auf dem Laufenden in dieser Angelegenheit.

:+++: :x :+++:
Zuletzt geändert von Jari_St.Pauli am 27.11.2014, 09:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Toddy » 27.11.2014, 07:45

Moin Frank,
schicke Teile, sieht interessant aus. Bin mal auf die Durchlaufvarianten gespannt. Da kannste dann ja bitte mal von berichten.
Gruß Toddy :wink:
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Frank Buchholz » 01.12.2014, 20:19

Nach ein paar Probewürfen in den kalten Ostwind mußte heute ganz, ganz schnell ein Durchläufer her, keine Zeit für einen Graveurtermin. Also schnell mit dem Dremel ein wenig Platz geschaffen und mit Knete abgedichtet.

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Grund für die Eile: Wegen der Spray bin ich heute ein Stück von den Steinen zurückgetreten auf denen ich sonst stehe. Als ich am Ende des 2. oder 3. Wurfes direkt unter der Rutenspitze checken wollte wann genau der Blinker anfängt seitlich weg zu spinnen ist eine gute 50er eingestiegen und hat sich mit wenigen Schlägen des fest montierten Einzelhakens wieder etnledigt. Die knapp Untermaßige 2 Minuten später hing natürlich bombenfest...

Ich hab mich zunächst mit dem 16gr (2/3 oz) begnügt, die anderen werden sorgfältiger vom Graveur gearbeitet. Der soll mir die Gnubbel für die Ösen sauber schlitzen. Erste Tests im Becken ließen keinen Unterschied zu den festen Ösen erkennen. Der Draht im Bild ist mit 0.6mm etwas dünn, zumindest für ein 40er Vorfach, der Blinker rotiert besser wenn er auf 1mm gegossen wird. Dann brechen allerdings die Augenhöhlen durch. Bei einem leichten Einzelhaken ist dass nicht so schlimm, den dreht er mit, aber wenn man den Haken mit Bindematerial aufhübscht oder mit ner Mono Loop Krautfrei macht merkt man das deutlich.

Fazit bis jetzt: Fliegt excellent auch gegen den Wind, spielt gut, fängt gut. :+++: Zum eigentlichen Butterfly-Jiggen wird allerdings die klassische Öse mit Assist Hook empfohlen. Mal gucken wie das der Durchläufer macht, dazu brauche ich aber ruhiges Wetter. Was der Hartzinn auf die Dauer mit der Schnur anstellt muß ich auch mal schauen. Tips zum Entgraten von so feinen Bohrlöchern sind hochwilkommen!

Gruß
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Fazer » 01.12.2014, 20:30

Frank Buchholz hat geschrieben:Tips zum Entgraten von so feinen Bohrlöchern sind hochwilkommen!



Hi Frank, nimm doch einfach ´nen Bohrer mit einem etwa 1mm dickerem Durchmesser als die Bohrung, den
Du dann mit der Hand vorsichtig aufsetzt und mit Gefühl drehst.
Gruß
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Frank Buchholz » 01.12.2014, 21:15

Guter Vorschlag, danke! Ich war irgendwie auf Dremel und Feile fixiert, und die drücken den Grat immer so doof ins Loch rein.
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon axel f. » 01.12.2014, 21:38

Gibt aus der Metallbearbeitung spezielle entgrater für Löcher. ........Bild kommt morgen,lieg schon in der Falle :+pof:
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Kystefisker » 01.12.2014, 23:41

... einfach mit'nem Handentgrater (60 Grad-Winkel) oder, wenn es Maschinell bearbeitet werden soll, mit'nem Minisenker Entgraten..... !

"kf"
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Jari_St.Pauli » 02.12.2014, 01:23

Kystefisker hat geschrieben:... einfach mit'nem Handentgrater (60 Grad-Winkel) oder, wenn es Maschinell bearbeitet werden soll, mit'nem Minisenker Entgraten..... !

"kf"


Jawoll! :lol: :lol: :lol:

DAS ist für mich das Zitat der Woche: "Spiralgenutete Senker mit festem Führungszapfen"

Danke Kyste! :lol: :lol: :lol:
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon axel f. » 02.12.2014, 07:49

Genau das meinte ich!
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon axel f. » 02.12.2014, 12:46

....und so etwas!
Eine kleine Auswahl an Querloch-und Zapfensenkern.
Dann ein Handentgrater(nicht entgräter :grin: )für lange Aussenkonturen, daneben noch ein Handentgrater für Löcher!
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Frank Buchholz » 02.12.2014, 22:13

Danke Danke, ich schätze der Lochentgräter ist der mit dem dicken Griff? Die Durchläufer machen sich gut, ich war heute wieder ne Stunde testen. Beim 3. Wurf stieg ein guter Dorsch ein, gerade als ich den Köder an der Oberfläche in Sicht bekam und einen Spinnstopp ausprobiert habe.

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Ich hab dann ein wenig mit der Führung experimentiert, kurz darauf stieg ein spritziger Grönländer ein und hat sich mit dem 4. Sprung verabschiedet. Daraufhin bin ich ein wenig in die Vertikale gegangen, ist ja schließlich ein Butterfly- Jig, und hab das Teil in 6m Tiefe absinken lassen um es dann mit kurzen scharfen Rucken ranzuflattern: Schöner dumpfer schwerer Widerstand und zu meiner Überraschung kein Dorsch sondern ein weiterer 45er Gröni.

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Nicht schlecht für ne Stunde Fischen mit Eis in den Ringen. Die Schnur hat sich auch nicht beschwert, im Gegensatz zu der buzz bomb komischerweise kein Abrieb.
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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon alex-zander » 11.12.2014, 19:59

super Idee und super Material - Zinn! Geniales Material ungiftig und von geringerer Dichte als Blei.
Hab mal auf den einschlägigen Seiten aus USA recherchiert und werde das auch mal versuchen.
Mein Plan ist das Gießen eines selbst hergestellten Prototyps aus Holz in einer verlorenen Form aus Formsand.
Dann kann ich Köder in meiner optimalen Gewichtsklasse herstellen. Eventuell lassen die sich auch noch mit dem Lötkolben nachjustieren.
Meine Idee ist die Hakenöse durch einen eingegossen Wirbel zu ersetzen in der Hoffnung, dass das die Aussteiger verringert.
Mal schauen was dabei rauskommt.

Schade, dass ich für den Praxistest 600 km zur Küste muss.

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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon Frank Buchholz » 30.12.2014, 22:42

Als schnellwechsel-Alternative zu den Durchläufern kann man mit dem Dremel an der Form ein wenig Platz für einen Wirbel schaffen der dann gleich in die Öse mit eingegossen werden kann und dann einen open-Eye Siwash Haken ans Ende draufkneifen. Hier ein paar größere 40er. Der abgebildete Wirbel ist allerdings nicht zu empfehlen da zu schwach:

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Der Lauf, besonders Spin-Stop ist eher noch besser als beim Durchläufer. Heute hatte ich in den letzten anderhalb Stunden Tageslicht 6 Dorsche und eine kleine Forelle. Dabei weder Fehlbisse noch Aussteiger. :+++:. Wichtigste Erkenntnis: Beim Fischen in tiefem Wasser ist es am besten den Jig so zu führen wie es von seinen Designern gedacht ist, nämlich vertikal zupfend wie einen senkrechten Jerkbait. Nachdem ich die erste halbe Stunde keinen Biss hatte bin ich von 20gr auf 16gr runter, hab den Pilker bis auf den jeweils 4-6m tiefen Grund der Förde absacken lassen und dann mit je 2-3 trockenen Zupfern hochgejiggt. Nicht wirklich vertikal sondern sowas dazwischen, mit Schnur aufnehmen beim Absenken. Das brachte dann in schneller Folge die ersten 3 Dorsche und die Forelle. Als es dann dunkler wurde hab ich noch 3 Dorsche mit Würfen ins Flachwasser erwischt, ganz klassisch mit Spin-Stop.

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Re: Tins (Zinnpilker)

Beitragvon alex-zander » 31.12.2014, 11:07

Hab jetzt die ersten Versuche mit dem Gießen von Zinnblinkern in Formsand hinter mir. Ist aufwändig und die Ergebnisse sind noch nicht so, dass ich zufrieden bin und was zeigen könnte.

Deine Erfolge motivieren mich aber dran zu bleiben und bis zu meinem nächsten Trip an die Küste im Frühjahr einige fischbare Köder fertig zu stellen.

Den Wirbel möchte ich halb eingießen und dann mit nem Sprengring den Haken daran befestigen.

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