Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Gerade im Sommer macht es die Badesaison es einem nicht leicht seiner Leidenschaft zu fröhnen und daher sind oft andere Reviere und Zielfische angesagt. Gerade für die Binnenländer eine silberlose Zeit, aber auch andere Fische haben ihren Reiz.

Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Thomas » 20.07.2014, 21:16

Gestern war ich trotz der Bruthitze wieder an der Trinkwassertalsperre. In den Wasserpflanzen im nahen Uferbereich dümpelten einige stattliche Karpfen und schienen sich aufgrund der hohen Wassertemperaturen sichtlich wohl zu fühlen. Und da waren schon ein paar richtige "U-Boote" dabei.
Und ich stellte mir die Frage, ob die sich wohl fangen lassen. Da ich mit der Spinnrute unterwegs war, machte ich mir zunächst keine Hoffnungen. Doch da fiel mir ein, daß ich ja noch eine Box mit Mefo-Fliegen im Rucksack hatte. Das waren allerdings fast nur größere Exemplare wie Wooly Bugger oder Wurmfliegen. Die einzige nicht ganz so große Fliege war eine "Red Tag Ice" mit beschwertem Kopf auf 6er Haken. Ob darauf ein Karpfen beißt? Ich hatte da so meine Zweifel. Und außerdem hatte ich ja gar keine Fliegenrute dabei. An der Talsperre ist aufgrund des meist fehlenden Rückraumes Fliegenfischen eher suboptimal, zumal ich da nicht ins Wasser darf und Boote jeglicher Art verboten sind.
Aber ich hatte ja meine Spinnrute mit 0.25er Mono. Also dann mal die Fliege angeknotet und vorsichtig anschleichen. Die Karpfen waren teilweise sehr ufernah. Zum Glück, denn werfen konnte ich mit der Montage ohnehin vergessen, da außer der Fliege kein zusätzliches Gewicht an der Leine war.
Die Fische erwiesen sich als nur wenig scheu und es gelang mir nach etlichen Versuchen, einem der Brummer die Fliege direkt vor's Maul zu servieren. Und ich traute meinen Augen kaum, das Rüsselmaul stülpte sich vor und saugte die Fliege ein.
Anhieb und der Haken sitzt!
Augenblicklich begann eine vehemente Flucht. Nur gut, daß ich die Rollenbremse zuvor etwas weicher eingestellt hatte.
Nachdem der Fisch etliche Meter Schnur genommen hatte stellte ich die Bremse etwas fester.
Es folgte ein Hin und Her. Mal ließ sich der Fisch näher heranholen, dann gab er wieder Gas. Irgenwann gelang es mir, ihn im flachen und weichen Uferbereich vorsichtig zu stranden. Aber zum Schluss ist mir der Fisch dann doch tatsächlich beim Hakenlösen aus der Hand geflutscht. Diese glitschigen Biester... ;)
Das war dann also mein erster Karpfen auf Fliege, und noch dazu mein bisher Größter.
Aber zählt das überhaupt als "mit Fliege gefangen", wenn die Fliege mit der Spinnrute serviert wird, die Rolle eine Stationärrolle ist und die Schnur keine WF oder DT? :-q:

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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Rhöde » 21.07.2014, 14:41

Thomas hat geschrieben:Aber zählt das überhaupt als "mit Fliege gefangen", wenn die Fliege mit der Spinnrute serviert wird, die Rolle eine Stationärrolle ist und die Schnur keine WF oder DT?


Was zählt ist dein toller Bericht und die U-Boot Fotos :+++: :+++: :+++: .
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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon NautiChris » 21.07.2014, 17:07

Ja geil, jetzt weißt du doch auf jeden Fall auf sie gehen. Wer den Multenfilm von Brian Kjear kennt, weiß auch wie man die Fliege durch Aufladung von Hand schießen lassen kann.
Schöner Bericht, bin angefixt und muss selber mit der Fliege mal auf Karpfen, Brotfliege aber :+++:
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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Uecki » 22.07.2014, 17:24

Aber zählt das überhaupt als "mit Fliege gefangen", wenn die Fliege mit der Spinnrute serviert wird, die Rolle eine Stationärrolle ist und die Schnur keine WF oder DT? :-q:

nöööööh ;)
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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Naturmensch » 26.07.2014, 12:05

Moin,

erstmal petri zum "halben" Fliegenkarpfen! :+++:

Ich hab da vor einigen Jahren auch mal intensivere Experimente gestartet. Bei mir hat eine Mysis gefangen - nachdem ich versch. extra für die Karpfen gebundene Muster erfolglos durchprobiert habe (z.B. Libellenlarven etc.). :q:

Nur mal eine Idee: Wenn ein Überkopfwurf aufgrund beengter Wurfverhältnisse nicht möglich ist, die Karpfen aber recht ufernah stehen, kommst du evtl. mit einem Rollwurf an sie ran?

Viel Spaß bei weiteren Experimenten - fetzt richtig an der Fliegenpeitsche!
Gruß
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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Thomas » 26.07.2014, 23:19

Naturmensch hat geschrieben:Nur mal eine Idee: Wenn ein Überkopfwurf aufgrund beengter Wurfverhältnisse nicht möglich ist, die Karpfen aber recht ufernah stehen, kommst du evtl. mit einem Rollwurf an sie ran?


Moin,
die Karpfen wurftechnisch zu erreichen ist bzw. war eigentlich kein Problem. Der Karpfen den ich mit der Fliege an der Spinnrute gefangen hatte war so nahe, daß ich überhaupt nicht werfen mußte. Da ich die Fliege ohne zusätzliches Blei o. ä. montiert hatte ging das ja auch nicht. Mit gestrecktem Arm + Rutenlänge (3m) konnte ich den Fisch erreichen.
Heute war ich wieder dort und hatte meine 6er Fliegenrute mitgenommen. Das Problem war, daß die Karpfen zunächst nicht zu entdecken waren. 2 Exemplare habe ich später doch gesichtet, wiederum sehr ufernah, aber die Fische hatten sich fast völlig in der Elodea (Wasserpest) versteckt und wirkten auch ziemlich inaktiv. Ich konnte die Fliege zwar in Fischnähe platzieren, aber die Elodea ist dort mittlerweile so dicht, daß ich keine Chance hatte dem Karpfen die Fliege vors Maul zu präsentieren, sie blieb jedesmal im Kraut hängen. Nach einigen Versuchen folgte dann jeweils eine Fluchtreaktion, das wars. Werde es eventuell noch mal probieren. Jedenfalls waren vor einer Woche deutlich mehr und auch aktivere Karpfen vor Ort.

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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Naturmensch » 30.07.2014, 10:36

Moin,

mit einer #6 Rute in einem verkrauteten Gewässer auf Karpfen zu fischen wäre mir definitiv zu heiß!

Ich hab auch die ersten Versuche mit einer #5-6 Rute gestartet (zugegebenermaßen einfaches Gerät, und Rolle nur mit Abzugshemmung), aber damit waren selbst kleinere Karpfen nicht ganz einfach zu handlen. Mag bei mir aber auch an dem alten Gerät gelegen haben, mit einer ordentlichen Bremse sieht das vllt. schon anders aus?!
Ich hab beim Hechtstreamern im Vereinssee mal versehentlich ein "Wasserschwein" von ca. 7-8kg von aussen gehakt ("zum Glück" im vorderen Bereich zw. den Brustflossen), das möchte ich mir nicht mit einer #6 Rute vorstellen!
Wenn Du hast, würde ich da eher eine schwerere Rute fischen (#7 oder #8)!

Warum nimmst Du nicht zwei Ruten (Spinn- und Fliegenrute) mit ans Wasser, so könntest Du, wenn aktive Karpfen vor Ort sind schnell reagieren.

Karpfen im Kraut - bekommst Du die Fliege denn in den Sichbereich der Fische? Wenn da immer wieder Red Tags durchs Blickfeld ziehen, lässt sich vllt. doch mal einer ermuntern das "was auch immer", das da in regelmäßigen Abständen vorbeigeschwommen kommt, zu probieren! Um nicht sofort im Kraut zu hängen könntest Du evtl. auch unbeschwerte Fliegen testen. Wenn das nicht klappt, würde ich auf aktive Karfen warten!
Ggf. könntest Du auch die Fiegen mit einem Krautschutz versehen, habe ich bei Karpfen aber keine Erfahrungen, ob das dann noch hakt :q: - ein Versuch halt!
Gruß
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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Achim Stahl » 30.07.2014, 17:12

Moin,

ich fische immer mit einer (leichten) sechser Rute auf Karpfen. Die selbe Rute verwende ich auch auf Meeräschen.

Es ist ein weit verbreiteter Glaube, dass man mit so einer Rute keinen starken Druck im Drill ausüben kann. Kann man aber sehr wohl - wenn man sich traut, das Potential der Rute auszunutzen. Der Vorteil einer weicheren Rute ist, dass viele Aktionen des Fisches einfach "ins Leere laufen", weil sie von der Rute abgepuffert werden. Und um einen Fisch auf Biegen und Brechen zu stoppen, macht man das gleiche wie mit schwererem Gerät: man senkt die Rute, so dass sie fast direkt zum Fisch zeigt und legt die Hand an den Spulenrand. Die Belastung ist dann auf der Schnur und auf der Rolle, nicht auf der Rute.

Zum Karpfenfischen hier ein sehr guter Bericht meines ehemaligen Kollegen Florian Dietze:

http://www.royal-flyfishing.com/cms/fro ... ?idcat=185


Viele Grüße!


Achim
Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Fischlein her.

www.serious-flyfishing.de
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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Thomas » 30.07.2014, 22:44

Moin,

mit der 6er Rute auf Karpfen sehe ich eigentlich wie Achim auch nicht als Problem. Auf Barben hat sie bisher jedenfalls immer ausgereicht. Und im Süßwasser fische ich die Rute meistens mit einer Rolle ebenfalls nur mit Abzugshemmung, einem japanischen Hardy-Nachbau, vermutlich aus den 70er Jahren.
Die schwerste Rutenklasse die ich besitze ist eine 7er. Aber selbst an der Küste fische ich in letzer Zeit fast nur noch die 6er, ganz einfach weil ich damit nicht so schnell ermüde.

Mit dem Kraut ist das so eine Sache. Die Elodea ist im Uferbereich mittlerweile so dicht, daß sich die Karpfen manchmal förmlich darin eingraben, so daß sie auch von Oben fast ganz mit Kraut bedeckt sind und das Maul gar nicht zugänglich ist.
Die Elodea (Wasserpest) hat sich gerade in den letzten Monaten sehr stark in den Uferregionen ausgebreitet. In den vergangenen Jahren war sie kaum vorhanden. Ich vermute, daß der warme Winter daran nicht ganz unschuldig ist. Dieses Jahr war überhaupt kein Eis auf der Talsperre.
Übrigens gibt es dort "offiziell" gar keine Karpfen, es werden zumindest seit etlichen Jahren keine besetzt. Diese Trinkwassertalsperre ist ein 170Ha großes oligotrophes Gewässer, liegt ca. 400m üNN und hat eine Tiefe von bis zu 52m. Hauptfischarten sind dort Alpiner Seesaibling, Seeforelle und kleine Maräne als Haupt-Futterfisch für die Räuber. Hechte und Barsche kommen ebenfalls vor.
Und das Wasser ist so sauber, daß man es bedenkenlos trinken kann. Hat mir zumindest bisher nicht geschadet ;)

Ich werde jedenfalls dran bleiben so lange sich die Karpfen noch in Ufernähe aufhalten und natürlich berichten. Sobald das Wasser wieder abkühlt wird es vermutlich vorbei sein mit der Karpfenpirsch, weil die Fische dann auf wieder Tiefe gehen.

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Re: Der Karpfen und die Mefo-Fliege

Beitragvon Thomas » 02.08.2014, 22:14

War heute mal wieder für ein paar Stündchen los. Fliegenrute war, neben der Spinne, ebenfalls dabei, extra für die Karpfen.
Und ich habe auch welche gesehen. Aber wieder waren die meisten wie auf dem Bild zu erkennen ist, fast völlig "eingegraben" in der Elodea. Da gab es nicht die geringste Chance, dem Fisch die Fliege vor's Maul zu servieren. Und selbst wenn man einen an's Band kriegen sollte, durch den mittlerweile mehrere Meter breiten Krautgürtel besteht kaum die Chance den Fisch zu landen.
Dadurch, daß der Wasserspiegel in den letzten Wochen kontinuierlich gefallen ist wird die Elodea quasi "komprmiert". Außerdem wächst sie unaufhörlich weiter. Hoffentlich wird der nächste Winter nicht wieder so mild wie der Letzte... :roll:

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