10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Ständig befinden sich ehrenamtliche Helfer im Einsatz und wirken bei Aktionen und Projekten für die Erhaltung von Natur, Tier- und Umwelt mit. Über solche Aktionen & Projekte kann hier berichtet werden.

Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Naturmensch » 19.02.2015, 13:20

Moin,
Carp4Fun hat geschrieben:Gute Möglichkeiten zum Gegensteuern dürften vor allem darin bestehen, über kurz oder lang mehr Fachwissen und ökologisches Fingerspitzengefühl in die Basis der Verbände zu bringen.


Genau das versuche ich ja seit Jahren, und der ehemalige Vorsteher stand dem Ganzen ja auch relativ offen gegenüber. Der "Neue" mauert hingegen eher.

Schluchtenjodler hat geschrieben:
Ich würde die Diskussion mit den mobilisierten Sedimenten gar nicht mehr anfangen, da der WBV das Problem offensichtlich noch nicht erkennt.


Eigentlich ist das ein sehr deutliches, lange bekanntes und von offizieller Seite als solches definiertes Problem.

Schluchtenjodler hat geschrieben:So wie das auf Deinen Fotos aussieht, hat der Landwirt links (Intensivgrünland ohne Saumstreifen) bestimmt auch noch ein Wörtchen beim WBV mit geredet. Ich würde deshalb das Gewässer erstmal mehr nach rechts entwickeln. Dort scheint ja noch etwas Platz zu sein. Die Gehölze rechts sind ja jetzt schon mal weg :oops Dem Landwirt könnte man eine linksseitige Erlenpflanzung und Stammbuhnen zur Strömungsablenkung als fachgerechte, unterhaltungsarme, ingenieurbiologische Ufersicherung für sein Grünland verkaufen. Nur so eine Idee.


Das Grünland auf der linken Seite gehörte dem ehemaligen Vorsteher des WBV, und ist jetzt meines Wissens nach an seinen Sohn übergegangen?

Carp4Fun hat geschrieben: Aber auch in S-H gibt's Strategien zur schonenden Gewässerunterhaltung.


Danke für den link, kenne ich aber schon - ich bin mehr oder weniger regelmäßig auf der Seite.

Carp4Fun hat geschrieben:
Schluchtenjodler hat geschrieben:Maßnahmenvorschläge zur Erhöhung der Schleppkraft und Verringerung des Unterhaltungsaufwandes gemacht?

Das geht doch gleich runter wie Öl... :grin: :+++:


Das hört sich nicht schlecht an, muss dann aber Beides parallel stattfinden. Ich hab halt in der Vergangenheit versucht über die Kosten zu argumentieren.

Nur die Schleppkraft zu erhöhen birgt auch einige Risiken. Abhängig z.B. vom anstehenden Boden (steinig oder sandig), vorhandene aber überlagerte Hartmaterialausstattung des Gewässers, Umgebung (Wald oder Acker) usw. besteht die Gefahr, dass sich eine unerwünschte Erosion ergibt (Tiefe, Breite). Ich denke es ist wichtig parallel auch die Erosionstoleranz des Ufers und der Sohle z.B. durch Hartmaterial zu erhöhen (schonender Unterhalt, Bäume, etc.). Ebenso bin ich der Meinung, dass diese Prozesse langsam gestaltet werden sollten um das System nicht zu "überlasten" (Verhältnis zwischen Erosion, Anlandung und Austrag). Es sollte langsam "wachsen" um Effekte wie starken Sandtrieb oder auch wohlmöglich zu starken Rückhalt von Sedimenten, sowie starke Erosion z.B. in Kurvenbereichen zu vermeiden. Ich hoffe es ist ansatzweise verständlich worauf ich hinaus möchte - weiß momentan aber auch nicht so recht wie ich es besser ausdrücken soll. Bei Unklarheiten einfach nochmal nachfragen.
Gruß
Kai

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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Schluchtenjodler » 19.02.2015, 18:55

Stimmt natürlich Kai, einen Grand Canyon mit Sohlenerosion will man nicht haben. Das Leitbildgewässer sollte einen geschlängelten Lauf haben, mit Längs- und Querbänken, Rinnen und Kolken, Sohlstrukturen usw. Das Querprofil sollte möglichst flach sein, die Ufer mit bodenständigen Gehölzen bestanden sein, die mit Ihren Wurzeln Ufersicherung und Uferstrukturen bilden. Ein Gewässerrandstreifen zwischen 5 und 20m müsste vorhanden sein. Durchgängigkeit natürlich auch.
Jeder 100m Abschnitt erfordert andere Maßnahmen.
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Megger » 14.07.2015, 12:45

.... sehe gerade, dass ich mir vor fast einem Jahr was vorgenommen hatte. Ich wusste wo ein Haufen Steine verfügbar ist und dachte, man könnte Akteure da mal zusammenbringen. Seitdem ist zusammenfassend folgendes passiert:

1. Anfrage bei den hiesigen Stadtwerken (Eigentümer der Steine) mit Verweis auf Öffentlichkeitswirksamkeit und Öko-Punkte
Antwort kurzum: Keine Interesse ("Ich verstehe nicht was Du willst" - scheint übrigens immer ein Problem zu sein, dass die Leute sich dabei nicht vorstellen können, dass man kein persönlichen Vorteil im Sinn hat.)

2. Anfrage beim örtlichen Angelverein (> 7.000 Mitglieder) bezüglich ggf. angedachter Gewässermaßnahmen. Ergebnis: Interesse des "Obergewässerwartes" konnte ich erst noch wecken. Die Rücksprache in Vorstandssitzungen und mit den einzelnen Vereinsgruppen verlief ergebnislos. Nichts in Planung. Ein bißchen enttäuschend, Besatzmaßnahmen scheinen denen wichtiger zu sein.

3. Anfrage/Besuch beim Leiter des UHV: An Steinen kein Bedarf. Adäquate Maßnahmeplanungen lägen nicht vor. Immerhin großes Verständnis für die mobile-Sand-Problematik. Er zeigte mir sogar Luftbilder, auf denen Großrippeln (quasi Unterwasserdünen) erkennbar sind, die sich das Gewässer herunterwälzen. Die haben auch einen Bewirtschaftungsplan, der entsprechendes berücksichtigt (z.B. nur 2-jähriger Mahd-Intervall, nur halbseitiges Mähen). Er berichtete aber auch von Problemen bei der Ufermahd, wenn der Mähbalken dann auf dem Sand aufsetzt.

Zwischenzeitlich hatte ich den Einsatz erhöht und mir selbst ein kleines Nebengewässer für mögliche Maßnahmen gesucht. Das wollte der UHV aber nicht anpacken, da FFH-Gebiet (da dürfen wir nix selber). Gemäht hatten die da aber im letzten Spätsommer - mit genau dem Ergebnis welches hier beschrieben wurde. Im Herbst/Winter eine einzige tote Sandwüste !! :o

4. Habe mich entsprechend der FFH-Zuständigkeit an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises gewandt. Habe mir dann für den Bach die Mühe gemacht, in Form eines bebilderten Berichtes das Problem und mögliche Maßnahmen darzustellen. Resonanz erstmal keine. Bin dann beim Zuständigen mal im Büro aufgeschlagen: "Ach ja, toll, bin noch gar nicht dazu gekommen etc. ... Da sollten wir einen Ortstermin machen."

Jetzt sollte es was werden, dachte ich. Und zwar in großer Runde mit Wasserbehörde und UHV und anderen. Der Termin war vor drei Wochen .... und wurde kurz vorher abgesagt. :c Ein neuer Terminvorschlag ist bisher nicht erfolgt.

Könnte mir mal einer Mut zusprechen, gebe es nämlich langsam auf ?! :cry:
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Athlord » 14.07.2015, 14:49

Hi Megger,
ich spreche Dir Mut zu!

Das Problem besteht mMn. eher darin, das "Aufgabenstellungen/Herausforderungen"
die zusätzlichen Arbeitsaufwand für jemanden bedeuten, gerne weg diskutiert werden.
Wenn dazu auch noch ein leiser Verdacht besteht, das es womöglich Steuergelder kosten könnte, dann wird noch mehr weg diskutiert... :o
Gehör findet man dann, wenn es der jeweiligen Politik zuträglich ist oder diese gar unterstützt.

Also entsprechend umformulieren, die Vorteile für denjenigen aufzeigen und dann flutscht das auch...
Gruss
Jürgen

Tante Edith: jede Menge Schreibfehler behoben... 8)
Ich danke allen, die nichts zur Sache beizutragen hatten und trotzdem geschwiegen haben!
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon T.v.d.3Larsen » 14.07.2015, 15:37

Moin Kollegen,

mir platzt schon der Kragen beim Eintippen dieser Zeilen.. :evil:

Folgende Story, damit alle mal ein Gefühl dafür kriegen, was abgeht:

Ein guter Freund von mir und langjähriger Meerforellenangler, der sich mehr als genug für den Bestand einsetzt, befischt seit Jahrzehnten einen kleinen Nebenbach der Treene. Dieser Bach war nie so richtig verpachtet, er kannte flüchtig den Bauern (Eigentümer) und der hat die Angler immer gelassen.

Seit neuestem ist der Bach an eine Jägervereinigung verpachtet, was mein Kumpel feststellen musste, als der Bauer ihn massiv mit vertrieb. Er erhielt die Info, dass die Jäger den Bach und das Land für schmales Geld gepachtet hätten und sprach einen der Jäger freundlich an - in der Hoffnung, diese würden ihn dort vielleicht gegen einen Obolus fischen lassen.

Der Jäger, ein freundlicher Mann, sagte ihm, es sei von ihm aus überhaupt kein Problem, aber das dürfe er nicht, weil der Verpächter denen das verboten hat. Der Jäger sagte, der Verpächter habe unter dem Deal verpachtet, dass die Jäger nicht so genau hinsehen sollten, wenn mal Gülle runterläuft.. und vor allem die Angler weghalten, die hätten ihn schon mehrmals "angeschissen"

Soviel dazu... :evil:
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Cowie » 14.07.2015, 15:53

Moin,

solche Aussagen und Machenschaften :x gehören unter Nennung von "Ross & Reiter" sofort an die Staatsanwaltschaft gemeldet!

Es ist erschreckend und ekelerregend zugleich, dass selbst Landwirte (Bauern), die eigentlich naturverbunden sein müßten,
aufgrund ihrer Geldgier (Gewinnmaximierung) vor nichts mehr zurückschrecken.... :evil: :evil: :evil:
Liebe Grüße und T. L.


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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Megger » 14.07.2015, 16:11

Lars, das kommt hier inzwischen in schöner Regelmäßigkeit vor (in etwa monatlich), dass Gewässerabschnitte wegen irgendwelcher "Havarien" kaputt gehen. Allein dieses Jahr schon mindestens 4 mal - und wenigstens steht es heutzutage auch in der Zeitung. Z.B. vorletzte Woche die Hunte (Fischsterben wegen organisch belastetem Regenwasser von einem Sägewerk) oder dieses WE 8 km der Nette (defekter Füllstandsanzeiger einer Tierkörperverwertung). Bei Güllebehältern und Biogasanlagen geht anscheinend regelmäßig was schief, aber halt auch bei sonstigem Gewerbe. Man hat leider den Eindruck, dass es sich gar nicht auf Dauer verhindern lässt, dass ein Gewässer alle paar Jahre einen Totalschaden erleidet. :q:

:wink:
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Carp4Fun » 14.07.2015, 19:35

Moin,

Megger hat geschrieben:.... sehe gerade, dass ich mir vor fast einem Jahr was vorgenommen hatte.


leider alles kein Selbstgänger. :roll: Weiß nicht, ob's die Sachlage erträglicher macht, aber wenn man bedenkt, dass wir Jahrzehnte (hmm... eher Jahrhunderte!) gebraucht haben, um aus unseren Fließgewässern das zu machen, was wir heute in der großen Masse vorfinden, ist EIN Jahr eigentlich 'n Klacks. ;) Grundsätzlich dürftest Du in deiner Region aber schon mehr oder minder (halb-)offene Türen einrennen, denn im Raum Osnabrück gibt's -trotz schwierigster Rahmenbedingungen- schon gezielte Anstrengungen und positive Ansätze in Sachen Gewässerentwicklung, siehe z.B. dortige Karte:

http://www.nlwkn.niedersachsen.de/wasse ... 32369.html
Gruß
Sascha
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Schluchtenjodler » 14.07.2015, 20:29

Ist der Bauer Eigentümer des Gewässergrundstücks und hat er auch das Fischereirecht? Oder ist er nur Eigentümer der angrenzenden Nutzflächen? Meistens ist die Gemeinde Eigentümer der Gewässer.

Eine Anfrage bei der Gemeinde,Wasserbehörde und Fischereibehörde wäre sicher hilfreich.

Aber die Angler haben dort schwarz geangelt. Das wurde geduldet und sie brauchen sich jetzt nicht wundern, wenn sie dort nicht mehr angeln können. Da hilft nur das Fischereirecht pachten/kaufen.
Mal davon abgesehen kann aber jeder, der ein Fischsterben bemerkt, dieses melden und die Staatsanwaltschaft nimmt dann automatisch die Ermittlungen auf.

Grüße
Silvio
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Okerfan » 16.07.2015, 17:25

Könnte mir mal einer Mut zusprechen, gebe es nämlich langsam auf ?! :cry:

Mach ich doch gerne, aber nur Mut alleine Hilft nicht.
1. Hier bekommst du das Geld für deine Maßnahmen. 90% von bis zu 15000 €

http://www.wrrl-kommunal.de/fileadmin/d ... B12_A3.pdf
http://www.umwelt.niedersachsen.de/port ... _psmand=10
2. Der Weg über den Fischereipächter / Verein ist der Richtige. Ich kann mir nicht vorstellen dass dort nicht einer mit Interesse für deine Maßnahmen ist. Du hast ihn nur noch nicht gefunden! Bist du dort Mitglied? Gibt es nen Fliegenfischerstammtisch oder so?
3. Weitere Hilfestellung gibt es für dich oder den Verein vom LSFV Niedersachsen
4. FFH, Naturschutzgebiete auch nicht soo wild.
Grundsätzlich solltest du davon ausgehen dass deine fachliche Kompetenz von Wasserbehörde und Naturschutzbehörde angezweifelt wird. Arbeite deine Strukturverbesserungen aus und wenden dich an einen Dipl. Wasserbauer.
Der macht dir nen Wasserrechtsantrag. Kostet allerdings zwischen 2-5T€. Na und du hast doch 15000 € wenn der Verein oder andere Sponsoren 1500€ abdecken.
Manchmal kommt man auch ohne Antrag aus. Das heißt dann " genehmigungsfreier Ausbau".
Allerdings gibt es diesen Begriff nur intern. Auch als Unterhaltungsmaßnahme nach WHG§39 geht vieles.
Ich helfe dir gerne weiter,Kontakt zum NLWKN, usw. dann aber PN.
Grüße Okerfan
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