10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Ständig befinden sich ehrenamtliche Helfer im Einsatz und wirken bei Aktionen und Projekten für die Erhaltung von Natur, Tier- und Umwelt mit. Über solche Aktionen & Projekte kann hier berichtet werden.

Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Maqua » 09.08.2014, 10:03

Waldmeister hat geschrieben:wir werden in zwei Wochen den Schlemer Bach entkrauten. Machen das zum ersten Mal und wissen daher noch nicht wie. Hast du ein Tipp?
Vor allem, kennst du die Pflanze? Ich bin da recht unbedarft!

Hallo Waldmeister, warum die Pflanzen entfernen?
Die stehen doch nicht umsonst im Bach (wahrscheinlich hohe Nitratbelastung von angrenzenden Wiesen und Feldern) und sorgen für den Abbau von überschüssigem Nitrat!
Im ersten Bild vom fertigen, aufgeräumten Bachstück dagegen, findet in Sachen Nitratabbau gar nix mehr statt und damit ist dieser Abschnitt meiner Meinung nach ökologisch wertloser.
Das Wasser findet immer seinen Weg, auch im stark bewachsenen Bach. Die Pflanzen halten die Sedimente fest, so das die Hauptströmung sedimentfrei bleibt.
Überreicher Pflanzenwachstum im Bach zeugt nur von zu hohem Nährstoffeintrag und ist nur dauerhaft durch Verringerung des Eintrags zu reduzieren.
Die Natur regelt so etwas von selbst, hoher Nährstoffeintrag - viel Pflanzenwachstum, geringer Nährstoffeintrag - wenig Pflanzenwachstum, da braucht der Mensch nicht einzugreifen.
Strukturverbesserungen im doch reichlich begradigten Bachverlauf, oder einrichten einer Uferschutzzone, wo nicht gedüngt wird, halte ich da für sinnvollere Maßnahmen.
Gruss Manni :wink:





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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Schluchtenjodler » 10.08.2014, 09:23

Jetzt brauchen wir aber unseren Thread :+++: . Was haltet ihr von "Fliessgewässerrenaturrierung und naturnahe Gewässerunterhaltung"? Kann man die letzten Beiträge irgendwie dorthin verschieben?

Empfehlen möchte ich noch diese Broschüre: Klick

Grüße
Silvio
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Naturmensch » 10.08.2014, 13:04

Moin,

Renaturierungsthread :+++:

Megger hat geschrieben: eigentlich weiß ich auch, wo ein Riesenhaufen Natursteine liegt, mit dem keiner was anzufangen weiß. Da bekomme ich doch langsam Fantasie, was so einige Strecken meines Heimatflusses angeht.


Diese Haufen kenne ich bei uns auch, und auch mich inspirieren sie immer wieder!

Megger hat geschrieben: Weiß nur noch nicht so recht, ob und wie ich an die rantreten soll. Also bitte weiter berichten !
:+++: :wink:


Ob, ist doch nicht die Frage,oder? ;)
Zum Wie, ich würde einfachmal um einen Gesprächstermin mit dem/ den Verantwortlichen bitten. Hier kannst du beschreiben, was Dir vorschwebt und diese Person(en) können Dir dann auch sagen, was Du für die Durchführung für Voraussetzungen zu erfüllen hast. Vorteilhaft ist es wenn Du Dir vorher schon ein paar gute Argumente dafür überlegst, und auch auf evtl. Einwände vorbereitet bist.

Waldmeister hat geschrieben:Vor allem, kennst du die Pflanze? Ich bin da recht unbedarft!


Ich würde sagen Ästiger Igelkolben.

Schluchtenjodler hat geschrieben:
Megger hat geschrieben: Weiß nur noch nicht so recht, ob und wie ich an die rantreten soll.


@megger: Ich würde anfragen, ob sie sowas wie ein Ökokonto haben. Auf so einem Punktekonto werden freiwillige Maßnahmen mit Ökopunkten gut geschrieben. Diese Punkte kann der UHV mal an zukünftige Investoren mit Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen verkaufen. Bei uns sind es, glaub ich, 76Cent je Ökopunkt.

Falls nicht, dann sollte sich der UHV mal mit der Naturschutzbehörde in Verbindung setzen und anfragen wie sowas bei Euch im Landkreis geregelt wird.



Mir wurde gerade von offizieller Seite Seite bestätigt, dass die Umsetzung von Strukturmaßnahmen alleinig dem WBV unterliegt. Natürlich muss auch von deren Seite eine Abstimmung mit Wasser- und Naturschutzbehörde stattfinden. Wichtig: in SH!!
Interessante Sache mit den Ökopunkten - das werde ich hier mal in Erfahrung bringen. Wäre ja der Hammer (und ein super Argument) - den Bach aufwerten und zusätzlich noch Geld damit verdienen (aus Sicht des WBV) ;)

Schluchtenjodler hat geschrieben:
@waldmeister: Das sieht aus wie Rohrglanzgras oder Igelkolben. Ich bin mir aber nicht ganz sicher.
Schneidet einfach am tiefsten Punkt im Querprofil eine schmale schlängelnde Rinne frei. Diese Rinne hat sich, so wie das auf dem Foto aussieht, schon teilweise von selbst gebildet. Ganz rechts auf dem Foto ist die Strömung stärker. Das ist die Stömungsrinne die ihr freischneiden müsst (ungefähr 1/4 der Gesamtbreite)


1/4 weckt sicher die Vitalität, allerdings sollte die Abflussleistung im Blick behalten werden (Häuser im Hintergrund) - vllt. anfangs lieber 1/2 bis 1/3 Bachbreite freischneiden. Sollte das zu breit sein wird sich der Bach selbst entsprechend weiter einengen.

Maqua hat geschrieben:Hallo Waldmeister, warum die Pflanzen entfernen?
Die stehen doch nicht umsonst im Bach (wahrscheinlich hohe Nitratbelastung von angrenzenden Wiesen und Feldern) und sorgen für den Abbau von überschüssigem Nitrat!


Mit einer Mähaktion und anschliessender Ensorgung des Pflanzenmaterials aus dem Gewässerumfeld werden auch Nährstoffe aus dem Gewässer entnommen (gebunden in den Pflanzen). Bleiben die Pflanzen im Gewässer und verrotten im Herbst/Winter, werden die gebundenen Nährstoffe wieder freigegeben, das Plus an Nährstoffen bleibt also im Kreislauf!

Maqua hat geschrieben:Das Wasser findet immer seinen Weg, auch im stark bewachsenen Bach. Die Pflanzen halten die Sedimente fest, so das die Hauptströmung sedimentfrei bleibt.


Grds. natürlich richtig! Es ist auf den Fotos schwer zu erkennen, aber so richtige Strömung sehe ich da nicht, dann hätte der Bach wohl auch schon eine Stromrinne ausgebildet.

Maqua hat geschrieben:Überreicher Pflanzenwachstum im Bach zeugt nur von zu hohem Nährstoffeintrag und ist nur dauerhaft durch Verringerung des Eintrags zu reduzieren.


:+++: Zusätzlich würde ich die Eigentümer der angrenzenden Wiesen mal freundlich fragen, ob es nicht möglich wäre einzelne Gehölze zu pflanzen (locker verteilte Gruppen - keine grünen Rohre!). Diese würden mittelfristig den Bach beschatten und somit für deutlich weniger "problematischen" Pflanzenwuchs sorgen. Auf dem Bild sieht es allerdings so aus, als ob zumindest an einer Seite (links) schon junge Erlen stehen. Kann das sein? Diese + die Schwertlilie vorne rechts sollten selbstverständlich nicht angetastet werden.

Maqua hat geschrieben:Die Natur regelt so etwas von selbst, hoher Nährstoffeintrag - viel Pflanzenwachstum, geringer Nährstoffeintrag - wenig Pflanzenwachstum, da braucht der Mensch nicht einzugreifen.


Grundsätzlich hast Du natürlich Recht, und für die Gewässer wäre das sicher auch das Beste! :+++:
In einer anthropogen geprägten Umgebung kann das jedoch auch schnell zu Problemen führen -> erforderlicher Abfluss! Eingriffe sind sicher nicht schön, aber auch nicht immer vermeidbar. Was allerdings vermeidbar ist, sind überzogene Aktionen mit schwerem Gerät, die großflächig zerstörte Lebensräume zurücklassen!

@Waldmeister: :+++: Super Aktion, ich würd versuchen mich an vorhandenen Strukturen zu orientieren, Bereiche in denen der Bach eine vitale Stromrinne aufweist unangetastet lassen und die Entwicklungstendenz aufgreifen. Zusätzlich evtl. mal die Möglichkeit der Uferbepflanzung ausloten, und beidseitig locker bepflanzen. Zu dicht gepflanzte Erlen legen das "zu breite" Profil fest und erschweren dadurch die Entwicklung (keine grünen Rohre!).

Hier mal die Aufstellung der stärksten Beeiträchtigungen - war so auch Grundlage für das oben erwähnte Gespräch.
(habe hier das Ganze etwas anonymisiert - keine Koordinaten und Ortsnamen) Aufstellung vom Oberlauf abwärts.
H.
-> Bäume auf den Stock gesetzt, Totholzansammlungen entfernt

-> Verlust von Sohlstrukturen durch Überlagern mit mobilem Sand (Stand 06.2014)


B:

-> (2013) Sedimentablagerungen aus der Schleusenkuhle in B gebaggert – hier hatte sich die Au jedoch einen vitalen Lauf herausgearbeitet, vermutlich dauert es nicht allzu lange, bis der Bereich wieder zusedimentiert ist (durch Prallteller und zu großen „Abflussquerschnitt“ -> zu wenig Vitalität um die Kuhle selbst frei zu halten!)

-> ab hier beginnt die deutliche Übersandung der Sohle, welche bis nach E. reicht. In einzelnen kurzen Bereichen sind noch stabile Sohlabschnitte vorhanden, die sich freihalten. Im Bereich des V... Waldes wird ein Teil der Sedimente durch Makrophyten rel. flächig zurückgehalten.


Leider habe ich aus diesem Bereich keine „vorher – nachher Fotos


B – H:

-> großvolumiger Gumper am Bacheinlauf zugespült – oberhalb, an den Kopfweiden, Beeinträchtigung der Sohlstrukturen durch mobilen Sand. Unterhalb, an den Erlen ist ebenfalls ein großer Gumpen zugespült worden.

-> massiv durch Sediment beeinträchtigte Kiesbetten
LPIC1925.JPG

LPIC2225.JPG

Im Winter durch Lachs oder Meerforelle belaicht -> nach den Unterhaltsmaßnahmen deutlich mit Sediment belastet, es wirkt auf mich allerdings so, als ob vor kurzem zumindest die Neunaugen hier noch gelaicht haben (umgedrehter heller Kies).


Flussabwärts der Kiesbetten:
LPIC2021.JPG

LPIC2222.JPG


Gerade ab hier ist großflächig Kies angelandet bzw. wieder freigelegt worden (anstehende Bodenschichten sind mehr oder weniger stark mit Kies durchsetzt)

LPIC2015.JPG

LPIC2120.JPG

Verlust von Vitalität, Breiten- und Tiefenvarianz + mobilisieren ortsfest abgelagerter Sedimente durch die Unterhaltsmaßnahme flussabwärts – wirkt auch flussaufwärts!


Die festgesetzten Sedimente werden unter den Pflanzen herausgespült, bis Diese abreißen und fortgespült werden

Unbenannt.png
Unbenannt.png (442.35 KiB) 5853-mal betrachtet

Weide mit großvolumigem Gumpen (Vogel- und Trockenzeitensicherer Unterstand!)

LPIC2068.JPG

LPIC2069.JPG


-> keine Weide, kein Gumpen und keine Bachforellen mehr vorhanden - dafür leider eine mobile Sandsohle!

Das nur mal so als Beispiel für die Aufstellung. Leider sagt mir das Forum gerade, dass ich nicht mehr als 10 Dateianhäge in den Beitrag einbauen kann. Werde gleich noch einen Beitrag mit Bildern fertig machen.
Gruß
Kai

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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Schluchtenjodler » 10.08.2014, 13:56

Moin Kai,

mit dem Geld kann der WBV sogar seinen Eigenanteil bei Förderprogrammen finanzieren. Bei Fördersätzen von 50 oder 70 Prozent kommt oft ein ordentliches Sümmchen zusammen ;)

Ich finde diese Praxis spitze! WBV´s welche sich Gedanken machen, die WRRL und die Bewirtschaftungspläne umsetzen, werden finanziell unterstützt und belohnt. Während die WBV´s, die ihre Gewässer nach alter Gewohnheit regelmäßig hinrichten, zusehen können wie sie das weiter bezahlen :oops

Ich geh jetzt erstmal Angeln :x

Grüße
Silvio
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Naturmensch » 10.08.2014, 14:01

noch ein paar Bilder:

Vorher
LPIC1649.JPG

LPIC1646.JPG

LPIC1648.JPG


Nachher
LPIC2066.JPG



Vorher
vorher 2.JPG




Nachher
LPIC2146.JPG


Vorher stabile Sohle mit FFH Makrophyten
LPIC1645.JPG


Hinterher - ca. 1/2 Jahr später - mobile Sandsohle (diese beiden Fotos dieser Stelle sind nur exemplarisch, eine Artenrückverschiebung zu störungstoleranteren Arten hat auf weiten Strecken stattgefunden)
LPIC2101.JPG


Unnötigerweise wurde hier eine "kerzengerade" Weide, von der nicht ein Blatt im Wasser hing, auf den Stock gesetzt. Mit diesem Handeln werden unnötige Kosten und Strukturdefizite verursacht! Dadurch, dass der Baum auf den Stock gesetzt wurde, treibt er in alle Richtungen wieder aus und ist somit in ein paar Jahren wohlmöglich ein Abflusshindernis, welches wieder Kosten verursacht! Hätte man ihn nicht angerührt wäre er frühestens durch evtl. Sturmbruch (in etlichen Jahren) zum Hindernis geworden, :ironie: so hat sich der WBV Folgeaufträge gesichert!
LPIC2055.JPG


Des Weiteren sind auf großer Strecke Gumpen zugespült worden, Kies, und insbes. Kleinstrukturen auf der Sohle überlagert worden. Fotos hiervon sind etwas schwer zu machen, habe keine wasserdichte cam und durch die Polbrille fotografieren ist auch nicht wirklich optimal - gibts da evtl. einen Trick?

Das war jetzt ein kleiner Auszug der Beeinträchtigungen in Bildform. Ich hab da durchaus noch mehr will aber nicht den Rahmen sprengen, und auch gleich nochmal raus.
:wink:
Gruß
Kai

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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Naturmensch » 10.08.2014, 14:05

Moin
Naturmensch hat geschrieben: :ironie: so hat sich der WBV Folgeaufträge gesichert!


Wahrscheinlich eher Aufträge für den Lohnunternehmer!
:wink:
Gruß
Kai

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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Waldmeister » 10.08.2014, 21:15

Hallo @all

danke für die Tipps.

@Kai: Wir werden vorerst nur vorsichtig dran arbeiten. Du hast es richtig erkannt, wir haben bereits alle zwei Meter auf beiden Bachseiten Erlen gepflanzt.

@Maqua: Pflanzen wie diese sind im Niederungsbach nur dann vorhanden, wenn die typisichen Baumarten Erlen, Flatterulmen und Weiden abgeholzt sind und der Bach in den letzten 20 Jahren mehrfach ausgebaggert wurde. An diesem Abschnitt ist nichts mehr natürlich.
Die Pflanzen sind auch so dicht, dass dort faktisch keine Strömung mehr herscht. Der einst fließende Bach ist hier ein Stillgewässer geworden.

Ich werde mal berichten, wenn wir durch sind.

gruß

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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Polar-Magnus » 11.08.2014, 07:28

Moin.

An dieser Stelle, für die die es noch nicht kennen, sei noch einmal kurz Werbung für
das Buch "Lebendige Bäche und Flüsse" gemacht.

Grüße

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Du bestimmst das Ziel, du bestimmst den Weg und du bestimmst die Regeln. Es ist dein Spiel, dein Leben.
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Waldmeister » 11.08.2014, 07:45

Naturmensch hat geschrieben:.....Zu dicht gepflanzte Erlen legen das "zu breite" Profil fest und erschweren dadurch die Entwicklung (keine grünen Rohre!).


Moin Naturmensch, gilt diese Aussage nur für Bäche mit einem zu breiten Profil. In diesem Fall ist der Bach wirklch zu breit. Oder gilt das allgemein.
WEnn es allg. gilt, ist es erklärungsbedürftig, da ja normalerweise die Bäche links und rechts am Rand mit Bäumen zugewachsen wären (außer der Biber ist da :-))

Freue mich über eine Aufklärung! :+++:

Gruß

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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Naturmensch » 11.08.2014, 14:27

Moin,

Polar-Magnus hat geschrieben:Moin.

An dieser Stelle, für die die es noch nicht kennen, sei noch einmal kurz Werbung für
das Buch "Lebendige Bäche und Flüsse" gemacht.

Grüße

Ingo


Sehr empfehlenswert, habe ich auch dem ehem. Vorsteher des WBV vorgeschlagen (hätte ich ihm auch geschenkt, wollte er jedoch nicht - er hat sich die ISBN geben lassen). Dieses Werk, ergänzt um versch. andere Elemente, diente als grobe Richtschnur. :+++:

Waldmeister hat geschrieben:
Naturmensch hat geschrieben:.....Zu dicht gepflanzte Erlen legen das "zu breite" Profil fest und erschweren dadurch die Entwicklung (keine grünen Rohre!).


Moin Naturmensch, gilt diese Aussage nur für Bäche mit einem zu breiten Profil.



Ich bin vor einigen Jahren bei der Onlinerecherche (ich glaube zum Themenkomplex Fehler bzw. Gefahren bei Renaturierungsmaßnahmen :q: ) mal darüber gestolpert. Grundaussage war, dass zu dicht gepflanzte Erlen das zu breite Profil festlegen. Erlenwurzeln wachsen ja auch unter Wasser mehrere Meter. Wenn nun ein zu breites Profil beidseitig, und zu dicht bepflanzt wird, besteht die Gefahr, dass die Wurzeln ein "Korsett" bilden (Ufer + Sohle vollständig durchwurzelt). Damit werden Prozesse wie lokale Breiten- oder Tiefenerosion unterbunden, wodurch man einen zwar beschatteten aber nicht automatisch vitalen Bach erhält (kaum Möglichkeit für Dynamik).

Waldmeister hat geschrieben:WEnn es allg. gilt, ist es erklärungsbedürftig, da ja normalerweise die Bäche links und rechts am Rand mit Bäumen zugewachsen wären (außer der Biber ist da :-))


Ein naturnaher Bach fließt dynamisch durch den Auwald, welcher unter natürlichen Verhältnissen mit betrachtet werden sollte. Hier sind die Ufer natürlich auch durch Wurzeln festgelegt. Anders als in einer genutzten Umgebung hat der Bach hier jedoch Platz, um sich einen neuen Weg durch den Wald zu suchen, wenn das "alte Profil" durch einen Sturzbaum, Totholz o.ä. versperrt wird, hier herrscht eine ganz andere Dynamik.
Gruß
Kai

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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Okerfan » 16.08.2014, 07:29

Naturmensch hat geschrieben:Moin,

@okerfan: Was, bzw. wie ist ist das Einbringen denn geplant? Für ein Laichbett scheint mir das Material zu grob - werden es Strömungslenker, Störsteine, oder eine Einengung/Ufersicherung, um dazwischen ein Laichbett anzulegen?

Grundsätzlich super - hauptsache der Bach/Fluss bekommt "Baumaterial" zurück, jede Maßnahme hilft! :+++:


Moin zusammen,
will das ganze hier mal weiter beleben.
Es sind mehrere Maßnahmen an 3 Plätzen geplant. Genau die von dir oben beschriebenen. Zu den dicken Dingern haben wir noch 300 Tonnen Kiese in verschiedenen Körnungen. Übernächste Woche wollten wir beginnen. Ist jetzt aber fraglich, da wir zuviel Wasser im Fluß haben. Habe noch ein Bild angehängt auf dem man unser Sandproblem sehen kann, aber Forellen am Band gibt es auch.

Maßnahmen von z.B. Vereinen werden in Niedersachsachsen mit bis zu 15000 € gefördert.

http://www.recht-niedersachsen.de/28200/24,62631,3.htm

http://www.foerderdatenbank.de/Foerder- ... &doc=11746

Weitere Infos:
http://www.wrrl-kommunal.de/index.php?id=32

Für alle in Niedersachsen die gerne was für ihren Bach tun möchten hier der Leitfaden vom NLWKN dazu:

http://www.nlwkn.niedersachsen.de/porta ... _psmand=26

Der http://www.lsfv-nds.de ist dabei auch behilflich.

Viel Spaß beim stöbern,
Grüße der Okerfan
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Naturmensch » 18.02.2015, 15:45

Moin,

ich hol das Thema aus aktuellem Anlass nochmal kurz wieder rauf.

Wie komme ich nur darauf, dass die Unterhaltsmaßnahmen Sand mobilisieren??? :-q:

Nach dem letzten Hochwasser :s+1: :s+1:

Warum wundert mich das jetzt nicht?

LPIC2471.JPG


LPIC2472.JPG


Der Fluss "spuckt" großflächig den Sand aus! Ich weiß nicht wann es das letzte Mal so schlimm aussah! So sieht es auf einigen Streckenabschnitten aus - wie sich die Situation unter Wasser darstellt kann sich sicher jeder selbst denken! :s+1:

Mal abgesehen von der Beeinträchtigung der ökologischen Funktionsfähigkeit, hat sich die Abflusssituation nach den Unterhaltsmaßnahmen auch deutlich verschärft - ich glaube nicht, dass das so geplant war (hab da aber evtl. schon einen Ansatz Dem zu begegnen).

Der Vorsteher des WBV "mauert" nach wie vor (anscheinend war die Einschätzung von Nabu + AV doch nicht so abwegig), daher habe ich die aktuellen Vorschläge für notwendige UH-Maßnahmen (schonend + tlw. von mir durchgeführt) über die Wasserbehörde an ihn weiterleiten lassen. Leider ist das auch schon eine ganze Weile her, und es passiert weder von offizieller Stelle etwas, noch hab ich (auch auf Nachfrage) ein o.k. bekommen Hand anzulegen. Naja, dauert nicht mehr lange und wir haben ein Mäander mehr - hat ja auch was für sich.

Bitte entschuldigt die etwas spitze / sarkastische Schreibweise, aber bei diesem Thema bekomme ich regelmäßig einen zuviel - vllt. auch weil mir schon vor einem Jahr klar war worauf es hinausläuft.

Zitat: "Wie kommen Sie denn auf die Idee, dass durch den Unterhalt Sedimente mobilisiert werden, das kann nicht sein."

So, das soll es erstmal gewesen sein :wink:
Gruß
Kai

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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Carp4Fun » 18.02.2015, 18:53

Moin Kai,

"schön" dokumentierter Sandstrahleffekt... :roll: Leider hängt das Ausmaß solcher Szenerien noch viel zu sehr vom Unwissen und der Erfahrung von Einzelpersonen ab. Und manchmal nützt selbst der engagierteste Verbandsvorstand nix, wenn am Ende ein übermotivierter Maschinenführer ahnungslos zu Werke geht. Gute Möglichkeiten zum Gegensteuern dürften vor allem darin bestehen, über kurz oder lang mehr Fachwissen und ökologisches Fingerspitzengefühl in die Basis der Verbände zu bringen. Dazu ganz passend eine taufrische Meldung aus Niedersachsen, wie künftig neue Wege zum Erfolg in der Thematik Fließgewässerentwicklung beschritten werden sollen:

http://www.umwelt.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/gewaesserallianz-niedersachsen-start-fuer-landesweites-projekt-zur-naturnahen-entwicklung-der-fliegewaesser-131314.html

Drück die Daumen, dass "Dein" WBV früher oder später auch noch Lernbereitschaft und guten Willen zeigt! :+++:
Gruß
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Schluchtenjodler » 18.02.2015, 19:50

Moin Kai,

sieht übel aus :cry: Da kann man nur predigen wie ein Pfarrer!

Eigentlich wollen alle nur eines - das Wasser muss fliessen! Das größte Problem sind anscheinend die Verständigungsschwierigkeiten. Ich würde die Diskussion mit den mobilisierten Sedimenten gar nicht mehr anfangen, da der WBV das Problem offensichtlich noch nicht erkennt.

Hast Du schon mal Maßnahmenvorschläge zur Erhöhung der Schleppkraft und Verringerung des Unterhaltungsaufwandes gemacht? Das sind im Endeffekt die gleichen Maßnahmen wie Du sie schon angesprochen hast, nur eben aus einem anderen Blickwinkel.

So wie das auf Deinen Fotos aussieht, hat der Landwirt links (Intensivgrünland ohne Saumstreifen) bestimmt auch noch ein Wörtchen beim WBV mit geredet. Ich würde deshalb das Gewässer erstmal mehr nach rechts entwickeln. Dort scheint ja noch etwas Platz zu sein. Die Gehölze rechts sind ja jetzt schon mal weg :oops Dem Landwirt könnte man eine linksseitige Erlenpflanzung und Stammbuhnen zur Strömungsablenkung als fachgerechte, unterhaltungsarme, ingenieurbiologische Ufersicherung für sein Grünland verkaufen. Nur so eine Idee.

@carp4fun: Der Link könnte sehr hilfreich sein :+++: Mit den Gewässerbeauftragten sollte man mal Kontakt aufnehmen und anfragen welche Schwerpunktgewässer gefördert werden. Vielleicht ist ja Kai´s Bach dabei. Dann steht er auch nicht immer alleine auf weiter Flur und predigt. Vom Geldgeber ist eine ordentliche Ansage besonders effektiv :oops

Grüße
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Re: 10 km Gewässer zerstört - Bin ich empfindlich?

Beitragvon Carp4Fun » 18.02.2015, 22:01

Schluchtenjodler hat geschrieben: ... Kontakt aufnehmen und anfragen welche Schwerpunktgewässer gefördert werden. Vielleicht ist ja Kai´s Bach dabei. ...

Gute Idee, aber leider nein -der fließt ein Stück zu weit nördlich. Aber auch in S-H gibt's Strategien zur schonenden Gewässerunterhaltung.

Schluchtenjodler hat geschrieben:Maßnahmenvorschläge zur Erhöhung der Schleppkraft und Verringerung des Unterhaltungsaufwandes gemacht?

Das geht doch gleich runter wie Öl... :grin: :+++:
Gruß
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