Kolumne

Einigen Themen kann man einfach nicht entgehen.
Falls Diskussionsbedarf besteht, dann hier!

Kolumne

Beitragvon nordfan » 14.09.2015, 21:47

Unter dieser Rubrik könnten amüsante, zum Nachdenken anregende Geschichten veröffentlicht werden.
Losgelöst von der Gegenwart. Einfach Storys die sich so, oder so, oder ähnlich ereignet haben.
Ich habe habe da noch ein paar Pfeile im Köcher.

Mein Startschuss:

Wie bekomme ich einen echten Fisch auf den Teller?

Meine Fischmahlzeiten aus dem Kindergarten, der Schulküche und den Wochenenden bei Papa und Mama schmeckten immer gleich, immer nach Brot oder Pommes.
Alles wurde paniert! Alles war immer pappig und trocken.
Fisch muss angeblich durch sein, Fisch muss angeblich Panade haben.

Ich habe mir bei Youtube ganz, ganz viele Filme über die verschiedenen Fischarten angesehen. Dass alle gleich schmecken sollen, konnte ich mir nicht vorstellen. Diese unglaubliche Vielfalt der Arten, da muss irgendeine der Flossen auch noch anders und besser schmecken.

Meine Eltern sagten mir: "Fisch schmeckt nun einmal so, iss ihn halt!".

Das bekam mein Opa mit.
Er zwinkerte mir zu und sagte, dass er mit mir auf die Pirsch gehen wolle.
Mein Opa ist leidenschaftlicher Angler und er kennt sich mit den heimischen Fischarten sehr gut aus.
Mit Opa zum Angeln, ich freute mich riesig darauf.

Am nächsten Tag traf ich mich mit ihm, um die Angeltour zu besprechen.
Ich schlug vor, an den nächstgelegen Forellensee zu fahren. Dort hatte ein Freund von mir einen großen Fisch gefangen.
Mein Opa schlug diesen Vorschlag kategorisch aus, "Kommt nicht in Frage, wir fahren an ein natürliches Gewässer!" Er erklärte mir auch warum er so dachte.

Also fuhren wir an die Ostsee.
So ein großes Gewässer, wie soll man hier einen Fisch finden?
"Drei Schlüssel führen dich zum Erfolg" sagte Opa.
"Die richtige Stelle, der richtige Köder und ganz viel Geduld".

Und so war es dann auch.
Am frühen Abend unseres Angeltages fing ich einen Seeteufel, mein erster Fisch, ich habe ihn mit spitzen Fingern ins Wasser zurückgesetzt.
Opa fing einen Wittling und einen schönen Dorsch.
Nachdem unsere Angelköder aufgebraucht waren, zogen wir unsere Angeln ein und machten Feierabend.
Opa sagte: "Wenn de Pann full is, musst du ophörn mit Angeln!"

Ich hatte mir nie vorgestellt, dass Fischstäbchen auch einmal geschlachtet wurden.
Wie das beim Dorsch und beim Wittling geht, habe ich unter seiner Anleitung gelernt.

Hände waschen und mit reichlich Beute ab nach Hause.
Ich war schon gespannt auf Omas Gesicht, sie mag keinen Fisch.

"Wie hebbt Fisch und de kommt nu in de Pann", waren seine Worte, als wir bei Oma und Opa ankamen.
Auf dem Grill, in einer Pfanne, haben Opa und ich die Fische gebrutzelt, Oma hat dazu noch
Kartoffeln gekocht und dann haben wir zu dritt (naja zu zweit) die leckere Beute verspeist.

Was ich bisher nicht kannte, ein Fisch hat auch Gräten, pulen,pulen,pulen, und doch lecker!

So schmecken also echte Fische - Opa, lass uns Angeln gehen -....
Ich sitze meinen Stein gern platt!
Er duldet mich.
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Re: Kolumne

Beitragvon Polar-Magnus » 15.09.2015, 07:04

Schöne Erinnerung :wink: .

Ich bin noch nicht ganz sicher, was genau hier alles so rein könnte,
interpretiere das aber mal als "open stage" zum Geschichten erzählen.
Bzw. steht ja oben auch so ähnlich.

Wäre ja nett, wenn es hier ein bischen weiter ginge.
Wenn ich Zeit und Muße habe, schreibe ich vllt. auch mal was,
zum Angeln gehören ja meist reichlich Geschichten, und wer öfter
loskommt, hat eigentlich über die Zeit immer etwas zum erzählen.

Gruß

Ingo :wink:
Ein Fliegenfischer ist manchmal glücklich, aber nie wunschlos.

Du bestimmst das Ziel, du bestimmst den Weg und du bestimmst die Regeln. Es ist dein Spiel, dein Leben.
Zitat von gonefishing aus seinem sagenhaften Patagonien Reisebericht.
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Re: Kolumne

Beitragvon Fliegenjens » 16.09.2015, 09:46

Schöne Idee, Nordfan :+++: ...und danke für Deine Geschichte, das haben bestimmt einige von uns so ähnlich erlebt.

"Fisch muss so schmecken" :o :c...war bei uns genau so wenn Oma gekocht hat.
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Re: Kolumne

Beitragvon Reverend Mefo » 16.09.2015, 14:06

Meine Mam hat damals immer Geld sparen wollen und uns Kindern nur zerkochten Billichtiefkühlseelachs von Krümet serviert. Es hat Jahre gedauert, bis ich erkannt habe, das Fisch auch schmecken kann ... war kulinarischohnehin ne fiese Zeit, aber "Fisch" war die Härte
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Re: Kolumne

Beitragvon nordfan » 22.09.2015, 12:31

Teil zwei, ganz anderes Thema:

Das Karpfenangeln ist gewiss nicht meine Passion, aber einmal war ich auch in dieser Disziplin erfolgreich.
In Nordfriesland gibt es ein weit verzweigtes System von Entwässerungsgräben, in deren Mitte im Norden die Schmale liegt.
Diese ist auch künstlich angelegt, entwässert den Gotteskoogsee, sowie die angrenzenden Sielzüge, verläuft dann über eine Schleuse in Richtung Rutebüller-See und entlässt die Wassermassen von dort über die Vidau in die Nordsee.
Die Fischbestände in der Schmale sind sehr gut, Karpfenspezialisten wissen das und fangen hier ihre Fische bis zur 20 Kilogramm Marke,
oder auch darüber.

Mich zog es eigentlich zum Hechtangeln hierher. Nach einem längeren Fußmarsch über eine Wiese, richtete ich meinen Angelplatz genau gegenüber dem Emil-Nolde Museum ein.
Eine schöne Stelle, das gegenüberliegende Ufer war von Schilf bewachsen, das Ufer auch teilweise hinterspült, sehr gut für Hechte.
Zu meiner Rechten befand sich die Mündung eines Entwässerungsgrabens, der etwa zwei Meter breit war.
Genau hier platzierte ich eine der Hechtruten.
Es dauerte ein wenig bis ich die geeignete Position gefunden hatte, der Einlauf war sehr verkrautet.

Nachdem ich meine Hechtangeln ausgelegt hatte, begann ich damit die Uferbereiche ein wenig zu erforschen.
Die sehr steilen Ufer ließen es dabei nicht zu, einen Fuß ins Wasser zu setzen und ich überlegte mir schon, wie ich hier wohl einen Fisch landen könnte. Ich ging auch einige Schritte am Entwässerungsgraben entlang und entdeckte hier plötzlich Bewegungen im Wasser.
Es waren Karpfen - es waren sehr große Karpfen.
Vorsichtig, um die Fische nicht zu verjagen, schlich ich zu meinem Angelplatz zurück.
Dort montierte ich eine Karpfenangel, um damit den Rüsslern an die Schuppen zu rücken. Ich knüpfte direkt an die Hauptschnur einen Vorfachhaken, keine Pose, kein Blei, und bestückte diesen mit einigen Maiskörnern, die ich zum Köderfischangeln dabei hatte.
Dann nahm ich mir einen Rutenhalter mit elektronischem Bißanzeiger und platzierte die Angel im Seitengraben, dort wo ich die Karpfen gesichtet hatte.
Das ganze geschah wirklich "Indianer-Like" im Kriechgang, ich wollte die Fische ja nicht erschrecken.
Zurück an meinem Angelplatz begann das Warten, das nicht lang dauern sollte. Nach kaum einer Zigarettenlänge schlug der Bißanzeiger Alarm. Ich schnappte mir den Kescher und begab mich schleunigst zu meiner Karpfenangel.
Die Schnur lief flott von der Rolle, der Fisch zog landeinwärts Richtung Flensburg. Zögern war nicht mehr angesagt, ich nahm sofort die Rute aus dem Halter und setzte einen kräftigen Anhieb - Rute krumm!

Ein Karpfen hat viel mehr Kraft als ein Hecht gleicher Größe,
diesen Spruch hatte ich schon oft gehört und gelesen.
Jetzt erfuhr ich es aus erster Hand. Der Fisch wehrte sich vehement, hatte allerdings in dem schmalen Graben wenig Ausweichmöglichkeiten,
wenn er zu stark zog, brauchte ich ihm einfach nur am Ufer entlang zu folgen.
Das Wasser kochte, nicht nur von meinem Karpfen, sondern auch von unzähligen anderen großen Fischen, die eiligst die Flucht ergriffen.
Letztlich gelang es mir diesen Burschen von 8,5 Kilogramm ins Netz zu bringen und das Theater zu beenden.
Ich war so aufgeregt und irgendwie auch erledigt, dass ich zum Hechtangeln keine Lust mehr hatte.
Ich fuhr nach Hause.

Meine Karpefenangeln haben meine Neffen "geerbt", viel zu anstrengend, diese Angelei. :oops

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Re: Kolumne

Beitragvon nordfan » 30.09.2015, 16:11

Im Angelladen,

geht Dir sofort das Auge auf, geht Dir als Angler das Herz auf,
geht Dir (zumeist unkontrolliert) das Portemonnaie auf.
Du verlierst die Kontrolle über das was Du brauchst und über das was Du bezahlen möchtest.
In dem Film "My name is nobody" sagte Terence Hill den Satz:
"Es blinkt und glitzert wie eine Bordelltür",
dieser Ausspruch kommt mir eigentlich immer in den Sinn, wenn ich einen Angelladen betrete.
Dabei weiß ich gar nicht, ob der Ladeninhaber diesen Film überhaupt gesehen hat.

Was also ist es, das uns Angler die Sparsamkeit vergessen lässt, das uns die Geldbörse aus der Hosentasche zieht?
Früher haben wir doch auch gefangen, mit Wurm, mit Made und einfacher Posenmontage im Süßwasser,
mit Magnus und Wooly-Bugger beim Fliegenfischen, mit einfachen FZ-Blinkern beim Spinfischen?

Wir haben uns wohl selbst überholt.

Alles muss immer moderner, immer innovativer, immer teurer sein.
Die alten Techniken haben aber noch ihre Berechtigung. Warum? Weil sie Fische fangen!
Natürlich gibt es zahlreiche Neuerungen die auch erfolgreich sind.
Ich finde allerdings, dass diese lediglich die Abwandlung ursprünglicher Techniken darstellen.

Nun wurden mir beim Betreten des Angelladens all diese Neuerungen präsentiert.
Ich dachte eigentlich, ich sei ein Profi, fühlte mich aber von einer Sekunde auf die andere total überfordert.
Das Gespräch mit dem herbeigeeilten Verkäufer verbesserte meine Lage gar nicht.

"Ja, ääh, ich weiß noch nicht, ich muss erst einmal gucken", stammelte ich ihm entgegen,
um mich dann, wie ein Nichtschwimmer durch das 3 Meter Becken zu hangeln.
Sprich, ich war orientierungslos. Es blinkte und glitzerte überall.

Bei den Spinrollen blieb ich kurz stehen, kugelgelagerte Kugellager.
Dreizehn Stück in einer Rolle - nichts für mich und meinen schmalen Geldbeutel.

Dann zu den Ruten, zu den Spinruten. Kaum noch eine mit Korkgriff.
Ich mag diese Schaumstoff-Dinger nicht.
Schon bei dem Gedanken ich sollte sie anfassen, bekomme ich grüne Pickel zwischen den Fingern.

Also weiter zu den Kurzwaren (abgeleitet aus der Näh-Abteilung vom ehemaligen Karstadt),
Wirbel, Ösen, Vorfächer, Haken und andere Kleinteile.
Was es hier so alles gab, unglaublich.

Ich fand ein Päckchen mit angeblich rostfreien Sprengringen, die zu meinen Snaps passen könnten.
4,50 € für zehn Stück.
Naja, dachte ich mir, "wenn du die selber machen solltest!"

In der Kunstköderabteilung verweilte ich dann länger als gedacht.
Das Angebot überwältigte mich wirklich.
In der Senkrechten befand sich eine unglaubliche Auswahl an Wobblern und Blinkern,
in der Waagerechten darunter lauerten schon die passenden Aufbewahrungsboxen.
Ich konnte diesen Reizen dennoch wiederstehen.

Mein Blick in die Abteilung für Fliegenbinder folgte.
Alles schön übersichtlich und verlockend angeordnet. Federn, Glitzer und Fasern.
Meine innere Stimme meldete sich: "Peter, Du hast alles was Du brauchst!"

Ich gab mich geschlagen und ging weiter zur Kasse.
Als ich das kleine Beutelchen mit den Sprengringen auf den Tresen neben die Kasse legte,
war mir schon irgendwie unwohl.
Mein Gegenüber zog dann auch die Augenbrauen hoch. "Hattest Du noch mehr?"
Ich verneinte und fühlte mich schlecht.

Um 4,50 € erleichtert verließ ich den Laden, war aber immer noch beeindruckt.
Dieses Glitzern überall!

Peter
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Re: Kolumne

Beitragvon Athlord » 30.09.2015, 17:28

nordfan hat geschrieben:Im Angelladen,
Was also ist es, das uns Angler die Sparsamkeit vergessen lässt, das uns die Geldbörse aus der Hosentasche zieht?


Genau der Impuls, den wir ebenso kennen, wenn wir einem Fisch einen Köder direkt vors Maul servieren.....
Bei Musikern nennt man das GAS*-Anfall
:wink:
Jürgen

*GAS = gear acquiring syndrome
Ich danke allen, die nichts zur Sache beizutragen hatten und trotzdem geschwiegen haben!
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Re: Kolumne

Beitragvon SIMPLE SHRIMP » 01.10.2015, 08:06

nordfan hat geschrieben:Im Angelladen,
Ich ... ging weiter zur Kasse.
Als ich das kleine Beutelchen mit den Sprengringen auf den Tresen neben die Kasse legte, war mir schon irgendwie unwohl.
Mein Gegenüber zog dann auch die Augenbrauen hoch. "Hattest Du noch mehr?" Ich verneinte und fühlte mich schlecht.


Deshalb sieht man mich auch nur noch selten in Angelläden .... !

Klaus

P.S.: Schön auf den Punkt gebracht!
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Re: Kolumne

Beitragvon Hanne » 01.10.2015, 08:47

Da kann ich in Erinnerungen schwelgen und zustimmend nicken, nicken, nicken.
Sehr schöne Geschichten. Weitermachen.

Mal sehen, ob mir auch was einfällt.
Tight Lines
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Re: Kolumne

Beitragvon Reverend Mefo » 01.10.2015, 09:08

Jaja, alles so schön bunt hier :grin:

Köder selber machen hilft ein wenig, was die Frequenz von solchen Besuchen betrifft.
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Re: Kolumne

Beitragvon nordfan » 05.10.2015, 11:39

In der letzten Woche waren wir zu Besuch im Angelladen.
Jetzt wird es ernst, es geht auf den Campingplatz.
Meine Erfahrungen habe ich aufgeschrieben, Eure werde ich dann wohl lesen.

Teil 4:
Camping

Camping ist, wenn man seine eigene Verwahrlosung als Erholung empfindet“.
(Jürgen Becker, deutscher Kabarettist)

Ein schöner Spruch, der auf meine Jugendzeit (ich Campe seit meinem 16. Lebensjahr) auch zutrifft.
Damals habe ich die Urlaube in einer Dackelgarage verbracht, habe mich morgens im Freien an einer Zinkrinne
mit zehn weiteren Campern gewaschen, habe nachts mit einem Kochtopf das Regenwasser aus dem Zelt geschöpft und bin dennoch immer wieder zum Campen gefahren.
Da war man frei! Komfort? Das Wort kannte ich damals noch nicht.

Heute läuft das alles ganz anders ab. Heute bin ich mit dem Wohnmobil unterwegs.
Der Duft von Freiheit und Abenteuer weht mir aber immer noch um die Nase, wenn ich mit meinem Colorado unser kleines Dorf verlasse.
Ausgestattet mit bequemen Möbeln, Wasserversorgung, Gasherd, einem Kühlschrank, einer Markise gegen den Regen, einer Heizungsanlage,
allen erforderlichen Lebensmitteln und weiteren Annehmlichkeiten, navigiert mich mein TomTom an den gewünschten Zielort.
"Was kann mir schon geschehen?" - "Ich liebe das Leben!"

Schweden, Dänemark und unser schönes Deutschland waren bisher meine Ziele.
Und als Angler bist Du mit einem Wohnmobil gar nicht mal so schlecht dran.
Sehr oft liegt da dann das Traumgewässer genau vor deiner Haustür, es hätte schlimmer kommen können.

Mit den Erlebnissen eines Wohnmobilfahrers ließen sich sicherlich ganze Bücher füllen.
Dabei meine ich nicht die bekannten Reiseberichte, wie es sie zahlreich auch zu kaufen gibt.
Nein, die kleinen Anekdoten, die am Rande passieren, die Schusseligkeiten der Campingnachbarn,
die menschlichen Geschichten, die sich zwischen - mein Platz, mein Wagen und Dein Platz, Dein Wagen - so abspielen, sind spannend.
Das Verhalten, die Besonderheiten, aber auch die Kompliziertheit oder die Einfachheit, der anderen "Mitcamper".
Einfach köstlich, andere Wohnmobilfahrer zu beobachten, bringt tatsächlich viel Spaß!
Ein Beispiel.

Das typische Procedere eines "Best-Ager-Wohnmobilfahrers" beim Einlaufen geht wie folgt:
Er ist natürlich dezent gekleidet und trägt so eine Multifunktionsweste, auch in Beige, genau wie die Manchester-Hose, die ihm schlappernd um die Beine flattert und dafür am Bauch ganz gut passt.

• Ankommen am Campingplatz / Stellplatz
• Erkunden des Geländes, zu Fuß mit einem Plan in der Hand, dann Platzauswahl.
Sie hält den Platz besetzt, würde auch einem Sturm nicht mehr weichen.
• Es wird vorgefahren, vorwärts, rückwärts, wie passt es denn am besten?
• Die Frau spielt den Einweiser (sie spielt ihn nur, weil sie nicht weiß wie es geht).
• Wenn das Fahrzeug eingeparkt ist, kommen die Keile ins Spiel,
die Karre muss genau gerade stehen, wird ausgerichtet, warum auch immer.
• Es beginnt die Suche nach dem Stromanschluss,
"aah", dahinten zwischen den Brennnesseln ist er ja. Sie verlegt die Strippe.
• Nun steigt auch er aus dem Wagen, schließt das Stromkabel am Fahrzeug an,
öffnet danach die Heckgarage und stellt die Gartenmöbel auf.
• Bei bewölktem Himmel wird jetzt die Markise ausgefahren und mit allerlei Heringen und Spanngurten gesichert. Man weiß ja nie,
ob es noch einen Atomschlag gibt.
• Es folgen zwei Geräusche: Das Summen oder Sirren der Sat-Schüssel, die sich automatisch auf Astra ausrichtet,
dann das Zischen einer geöffneten Bierdose, ob das auch Astra ist, weiß ich nicht.
• Später am Abend wird dann der Gasgrill in Betrieb genommen. Das Rost wird mit Alu-Folie gegen Verschmutzung geschützt,
die nette Rauchwolke des verbrennenden Fleisches zieht natürlich genau in meine Richtung.
• Den Anblick, wenn am Morgen diese Überlebenskünstler, im Bademantel und bewaffnet mit einem Beautycase zum Waschhaus flanieren,
mag ich gar nicht näher beschreiben.

Bitte nagelt mich nicht fest, aber mindestens 90% der Wohnmobilisten zeigen genau dieses Verhaltensmuster.

Alles Freiheit, alles Abenteuer und die Brötchen wurden am Vorabend bestellt!
Camping ist toll.

Diese Saison ist nun fast zu Ende, mal sehen wie die nächste wird.

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Re: Kolumne

Beitragvon Ammaluschi » 05.10.2015, 17:20

Großartig, nicht nachlassen!
Gruß Lutz :wink: :wink:

Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres.
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Re: Kolumne

Beitragvon piscator » 05.10.2015, 18:56

Ja, so war das damals, als ich noch frei war :o
Petri Heil, J.
brauch keine Gewalt, nimm einfach 'ne längere Rute
http://www.baltic-cane.de/
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Re: Kolumne

Beitragvon nordfan » 05.10.2015, 19:11

piscator hat geschrieben:Ja, so war das damals, als ich noch frei war :o

Beschaffe Dir bitte endlich ein neues Wohnklo, unbedingt!
Dann müssen auch nicht die Tränentiere in jeder dunklen Nacht Dein Leid begießen.

Rotwein und Whiskey sind endlich!
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Re: Kolumne

Beitragvon bornholmpilen » 05.10.2015, 20:38

na,
mit deinem Colorado gehörst du doch wohl auch zu den 90%, die restlichen 10% kann man ja
schon mit den guten alten T3`s auffüllen.
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