Watverbote im Fluss/Bach

Natürlich interessieren wir uns nicht nur für die erfolgreiche Fischwaid, sondern auch für jegliche Hintergrundinformationen über unsere silbernen Kameraden. Nur wer sein Gegenüber genau kennt, der kann sich auf ihn einstellen.

Watverbote im Fluss/Bach

Beitragvon LenSch » 15.04.2020, 08:14

Guten Morgen zusammen.
Das Schwarmwissen bzw Erfahrungswerte, Berichte (gerne mit Quellenangaben) sind gefragt.
Wie wird in euren Vereinen das Waten gehandhabt und wie sind eure Erfahrungen bzgl. der Entwicklung des Bestandes?
In einigen Vereinen darf direkt nach der Forellenschonzeit wieder gewatet werden, andere gestatten es erst ab Mai/Juni, manche Vereinen verbieten es gar nicht oder verbieten es komplett.
Es gibt so viele unterschiedliche herangehensweisen, dass man sich fragt, was macht Sinn und wo schränken wir Angler uns selber ein ohne jegliche Grundlage?
Man hört immer wieder das man beim Waten den Laich und alle Insekten zertrampeln würde, ist dem wirklich so oder ist es lediglich eine Aussage um an alten Regeln festzuhalten weil "es schon immer so gemacht wurde" ?

Ich bin gespannt was ihr so zu berichten habt! Schon mal vielen vielen Dank im voraus und bleibt gesund!
Grüße,
der LenSch
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Re: Watverbote im Fluss/Bach

Beitragvon Robby » 16.04.2020, 08:07

Halo LenSch,

Ich kann dir leider auch nicht sagen, welche Folgen waten auf Laich und Lebewesen im Substrat konkret hat. Eine wissenschaftliche Studie darüber würde mich sehr interessieren. Bei uns im Verein haben wir auch Watverbote bis Mitte Mai verhängt in Gewässerbereichen, wo nachweislich natürliche Verlaichung stattfindet. Das kommt dann Teilweise einer Sperrung der Gewässerabschnitte gleich, aber ich finde die Maßnahmen sehr sinnvoll, und natürliches Aufkommen zu erhalten ist das allemal wert. Da nehme ich gerne Rücksicht drauf, gibt ja auch noch andere Möglichkeiten zu fischen.
Ein ganz anderes Thema ist, wie generell in den Gewässern gewatet wird. Man muss sich einfach mal darüber im Klaren sein, dass es Fische und Fischstandorte in Gewässern gibt, die nicht befischbar sind. Da kommt man einfach nicht ran, auch durch extrem aggressives Waten. Welcher schleimige Fisch ist es wert, dass man sich und andere in Gefahr bringt? Und Waten sollte auch kein Ausgleich für fehlendes werferisches Können sein. Viele Wathosen könnten trocken bleiben, wenn man ab und zu mal ne Stunde auf die Wiese geht und die Leine schwingt. Das kann ja auch Spaß machen. Und Fische anzuwerfen hat eine viel geringere Scheuchwirkung als sie anzuwaten! Ich denke das ist offensichtlich, dass das direkte Auswirkungen hat auf den Fangerfolg. Man kann sich ja auch vorstellen, dass nach einem noch ein anderer Fischerkollege seine Freude am Wasser erleben möchte. Und wenn da eine Stunde vorher so ein aggressiver Waterich am Wasser war, kann Man sich vorstellen, wie es so um die Fresstimmung bei den Fischlein gestellt sein könnte.
Nicht für ungut, ich warte selbst und Fische gerne bis zum Schritt im Wasser. Ich denke man sollte sich trotzdem vor Augen führen, dass das nicht ganz ohne Folgen bleibt und sich ab und zu mal fragen, ob das eigene Handeln noch im Rahmen ist oder nicht. Wenn man Ende Dezember am Bach spazieren geht und sieht die lieben Kollegen beim Huschenfischen in den Forellenlaichgruben stehen, muss man sich schon ganz schön überwinden, um immer schön nett und freundlich zu bleiben.
Mit den besten Grüßen
Robby
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Re: Watverbote im Fluss/Bach

Beitragvon Kühlungsborn » 16.04.2020, 08:58

Welcher schleimige Fisch ist es wert, dass man sich und andere in Gefahr bringt? Und Waten sollte auch kein Ausgleich für fehlendes werferisches Können sein. Viele Wathosen könnten trocken bleiben, wenn man ab und zu mal ne Stunde auf die Wiese geht und die Leine schwingt. Das kann ja auch Spaß machen. Und Fische anzuwerfen hat eine viel geringere Scheuchwirkung als sie anzuwaten!
Hallo,
Den Worten von Robby kann ich nur beipflichten. Bei uns an der See herrscht zwar kein Watverbot, ich schüttle immer wieder den Kopf, wenn ich sehe, dass Fliegenfischer und Spinnfischer an den Strand kommen und gleich bis zum Bauch ins Wasser waten.
Wenn man bedenkt, dass sich wenige Meter nach Strandbeginn die ersten tieferen Kuhlen befinden frage ich mich immer wieder warum diese nicht als erste vom Strand aus befischt werden ?
Viele unterschätzen die Scheuchwirkung beim Waten.

Der Hammer war im vergangenen Jahr, als ein Fliegenfischer 10 m neben mir ins Wasser ging und ca. 10 m vor mir mit seiner Fliegenpeitsche vorbei lief - Sportliches Verhalten? - Fehl am Platz :evil:
Übrigenz hat er auch nichts gefangen :+++: - ich mit der Spinnrute schon :x

Gruß Klaus
Fit bleiben durch Sportstudio und fischen in der Ostsee
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Re: Watverbote im Fluss/Bach

Beitragvon leine-leroy » 16.04.2020, 21:31

Moin.

Studien kenne ich auch nicht. An den Bächen im Harz kenne ich keine Beschränkungen.
Als ich dieses Jahr in meinen neuen Verein beigetreten bin habe ich bewusst nach Einschränkungen beim waten gefragt, diese gibt es nicht.

Wenig später wurde per Mail darauf hingewiesen auf Grund des recht frühen Laichgeschäfts der äschen mit Rücksicht ins Wasser zu gehen und Kiesbänke zu meiden.
Das hat sich für mich zwar widersprochen da wenn sie früher laichen, die Larven dementsprechend ja auch früher schlüpfen.
Aber natürlich halte ich mich daran.

Unterschätz aber nicht wie dicht man watend an den Fisch herankommt. ;)

Grüße :wink:
Petri Heil!
Leroy
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Re: Watverbote im Fluss/Bach

Beitragvon Kunde » 18.04.2020, 10:01

In meinem aktuellen Verein gibt es auch ein genereles Watverbot. Allerding muss dazu gesagt werden, dass es sich bei dem Gewässer um einen kleinen sandgeprägten Tieflandbach handelt. Ein Großteil der Gewässersohle besteht aus lockerem Sand, der hauptsächlich über das stark landwirtschaftlich genutzte Umland in das Gewässer eingetragen wird.
Aufgrund des hohen Sandanteils war ich zunächst auch skeptisch, ob ein Watverbot Sinn ergibt. Glücklicherweise war ich sowohl an meinem Hausgewässer, als auch an anderen vergleichbaren Gewässern in der Umgebung an verschiedenen Untersuchungen beteiligt und kam persönlich zu folgenden Erkenntnissen:

Salmoniden:
Leider aktuell keine natürliche Reproduktion in meinem Hausgewässer. Der Bestand wird über Besatz erhalten. Gründe dafür sind fehlende Laichhabitate und die sehr hohe Sanddrift des Gewässers.

Makrozoobenthos: Hier wurde deutlich, dass Proben die über reinem Sandgrund genommen wurden sehr wenige Individuen beinhalteten. Vergleichbare Proben aus kiesigen- oder Bereichen mit Totholz brachten mehr Individuen und eine höhere Artenzahl hervor.

Rundmäuler: Bei den Fischbestandsuntersuchungen wurden häufig auch Rundmäuler erfasst. Die Querder (Larven) der Bachneunaugen leben in strömungsberuhigten Flachwasserbereichen mit sandigem Feinsubstrat. Diese Bereiche hatte ich vor 3 Jahren noch als nicht besonders sensibel gegenüber waten eingeschätzt. Die Einschätzung hat sich jetzt geändert.

Daher meine persönliche Erkenntnis: in vielen sandigen Tieflandbächen sind struktureiche Bereiche nur begrenzt vorhanden und meiner Ansicht nach besonders sensibel gegenüber waten, da sie Hotspots für Jungfische und Insekten darstellen. Hier halte ich ein Watverbot für (auch ganzjährig) sinvoll. Da diese Strukturen leider nicht klar von den wattechnisch "unsensibleren" Gewässerabschnitten abgegrenzt sind, bleibt oft nur die Möglichkeit das Watverbot für das komplette Gewässer auszusprechen.
Ich denke aber es ist nicht möglich, eine pauschale Aussage dazu zu treffe. Vielmehr muss die Situtuation an jedem Gewässer neu bewertet werden um zu entscheiden, ob das Waten eingeschränkt wird. Eine Art "Abwägung" zwischen anglerischer Nutzung und Schutzgedanke...

Beste Grüße
Michel
Man sollte dem Fisch, wenn man ihn schon fängt, keine Schande bereiten dadurch wie man ihn fängt...
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Re: Watverbote im Fluss/Bach

Beitragvon LenSch » 22.04.2020, 07:01

Moin in die Runde.
Vielen Dank für die Rückmeldungen!

Vielen Dank Michael, da habe ich wieder was dazu gelernt!. Das war mir bisher nicht so bewusst. Gut zu wissen, auch wenn wir bei uns sogut wie keine sandigen Bereiche haben.

@Leroy: Ja....was soll man zu solchen Aussagen noch sagen. Viele Entscheidungen welche getroffen werden, ergeben oft wenig Sinn.... Müssen wir halt mit Leben oder die Entscheider eines besseren belehren damit nicht mehr wie 1970 gehandelt wird wo einige Regelungen in Kraft gesetzt wurden :grin: ;)

@Klaus: auf das Verhalten der Angler am Wasser möchte ich hier nicht eingehen, das würde den Thread sprengen. Aber grundsätzlich hast du recht. Man muss sehr oft nicht weit rein gehen um an den Fisch zu kommen. Viele sehen das aber anders ganz nach dem Motto, "Go big or go home" ...
Ich wate auch wenn nur an den Ufern entlang um besser werfen zu können, oder an Stellen zu kommen, welche ich nicht vom Ufer aus befischen kann. French und Czech Nympher gehen ja quasi bis an jede Rinne um dort föhlich rumzustippen...

@Robby: Danke! Wie habt ihr heraus gefunden welche Strecken zum laichen genutzt werden und welche nicht?
Grüße,
der LenSch
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Re: Watverbote im Fluss/Bach

Beitragvon Robby » 22.04.2020, 09:53

Hi LenSch,

Beobachtungen von laichenden Fischen, Laichgruben und E-Fischen von Jungfischen die definitiv nicht besetzt wurden waren die Entscheidungsgrundlage. Wir haben das dann in der Gruppe diskutiert und entschieden. Inzwischen haben wir die Bereiche mit möglichen Laichhabitaten mit Watverboten bis 15.5. belegt. Also die Bereiche ohne Querverbauung mit Kiesbänken etc. Wurde alles in der Gruppe besprochen und gemeinsam beschlossen. Die urbaneren Bereiche mit Querverbauungen, Wehrgumpen und naheliegenden Parkmöglichkeiten sind für die meisten eh leichter und erfolgreicher zu befischen, insbesondere mit Spinn- und Naturködern. Insofern war der Widerspruch gering, als klar war, dass diese Bereiche nicht betroffen sind.
Mit den besten Grüßen
Robby
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